Interview

... mit dem Herausgeberkreis

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht«. Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Weil unser Buch die herrschenden Debatten um die ›(Neue) Unterschicht‹... >>>
... mit dem Herausgeberkreis

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht«. Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Weil unser Buch die herrschenden Debatten um die ›(Neue) Unterschicht‹ ›gegen den Strich bürstet‹.
Außerdem betrachten wir Probleme wie Armut, Ausgrenzung und prekäre Lebensverhältnisse nicht einfach als eine vermeintliche gesellschaftliche Realität, sondern auch die damit einhergehenden Machtverhältnisse: Soziale Benachteiligung wird nicht als individuell verschuldet analysiert, sondern in ihren gesellschaftlichen Kontext gestellt. Das ist engagierte Wissenschaft im besten Sinne!

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Es bringt drei Perspektiven ins Gespräch – und konfrontiert diese zugleich miteinander: Erstens steht die Wissens- und Kategorienanalyse des Sozialen im Vordergrund – die historische mit aktuellen Problemlagen verknüpft. Zweitens fragen verschiedene Beiträge nach alternativen Forschungsprogrammen und neuen theoriepolitischen Aspekten. Drittens diskutieren unsere AutorInnen Möglichkeiten von Regierung und Widerstand im Spannungsfeld von Repräsentation, Intervention und sozialen Praxen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in aktuellen Debatten in Wissenschaft und Gesellschaft zu?
Die Bedeutung des Themas ist gerade jenseits medialer Konjunkturen kaum zu unterschätzen: Gerade ein Begriff wie ›Unterschicht‹ wird oftmals völlig unkritisch von verschiedenen gesellschaftlichen AkteurInnen benutzt. Alte und neue Stigmatisierungs- und Ausgrenzungsmechanismen werden sichtbar und müssen kritisch hinterfragt werden. Und der sich durch Veränderungen des Kapitalismus dynamisierende Wandel von Arbeits- und Lebensverhältnissen – Stichwort ›Prekarisierung‹ – ist ja ebenfalls in aller Munde.

4. Welche besonderen Aspekte kann die wissenschaftliche Betrachtung in die öffentliche Diskussion einbringen?
Eine engagierte und kritische Wissenschaft sollte einerseits die Machtverhältnisse und -wirkungen vermeintlich objektiver Debatten und Theorien analysieren – sozusagen die gesellschaftlichen Wahrheiten hinterfragen. Andererseits ist sie aufgefordert, Alternativen im Denken und Handeln zur Diskussion zu stellen.
Nicht zuletzt zeigt unser Buch auch, wie wissenschaftliche Perspektiven und öffentliche Diskurse miteinander in problematischer Art und Weise verknüpft sind.

5. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit GewerkschaftlerInnen und Engagierten aus sozialen Bewegungen, sowie mit interessierten Studierenden und Forschenden aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen.

6. Ihr Buch in einem Satz:
Dieser Sammelband ermöglicht anhand der Diskussionen um ›(Neue) Unterschicht‹ und ›Prekariat‹ eine multiperspektivische und kritische Betrachtung aktueller gesellschaftlicher Verhältnisse und ihrer Begriffe. <<<


Claudio Altenhain / Anja Danilina / Erik Hildebrandt / Stefan Kausch / Annekathrin Müller / Tobias Roscher (Hg.)

Von »Neuer Unterschicht« und Prekariat

Gesellschaftliche Verhältnisse und Kategorien im Umbruch. Kritische Perspektiven auf aktuelle Debatten

Die »neue Unterschicht« ist disziplinlos, arbeitsscheu, dumm, fettleibig, fernsehsüchtig - kurz: »Unterschichtler« sind asozial. Solche Zuschreibungen beherrschen die aktuelle Debatte über die »Unterschicht« und das »Prekariat« in seiner »abgehängten« Form. Doch wer wird hier eigentlich beschrieben und was für ein Bild von Gesellschaft wird dabei produziert?
Neben der kritischen Auseinandersetzung mit Mainstream-Diskursen über »die da unten« wird Prekarisierung in diesem Band auch als gesamtgesellschaftliches Phänomen in den Blick genommen. »Unterschicht« und Prekarität werden dabei aus sozialwissenschaftlichen, künstlerischen und lebensweltlichen Perspektiven thematisiert.


 

Claudio Altenhain arbeitet am Institut für Politikwissenschaft der Universität Leipzig und ist im »Engagierte Wissenschaft« e.V. aktiv.
Anja Danilina arbeitet am Institut für Politikwissenschaft der Universität Leipzig und ist im »Engagierte Wissenschaft« e.V. aktiv.
Erik Hildebrandt arbeitet am Institut für Politikwissenschaft der Universität Leipzig und ist im »Engagierte Wissenschaft« e.V. aktiv.
Stefan Kausch arbeitet am Institut für Politikwissenschaft der Universität Leipzig und ist im »Engagierte Wissenschaft« e.V. aktiv.
Annekathrin Müller arbeitet am Institut für Politikwissenschaft der Universität Leipzig und ist im »Engagierte Wissenschaft« e.V. aktiv.
Tobias Roscher arbeitet am Institut für Politikwissenschaft der Universität Leipzig und ist im »Engagierte Wissenschaft« e.V. aktiv.

»[Es werden] interessante Fragen für weiterführende Forschungsarbeiten aufgeworfen, so zum Beispiel nach der massenmedialen Repräsentation der unteren Bevölkerungsschichten, der subjektiven Verarbeitung objektiver sozio-ökonomischer Unsicherheiten oder auch ihren politischen Folgen.«
Patrick Sachweh, Soziologische Revue, 34 (2011)
»Um einer umfassenden Betrachtung Raum zu bieten, berücksichtigt der Band sowohl diskursanalytische Ansätze und Begriffskriterien als auch die Debatten über Prekarisierung als gesellschaftliches Phänomen.«
Joachim Wieler, Soziale Arbeit, 1 (2011)
Besprochen in:

sozialarbeitsnetz.de, 26.03.2009, Tarek Bamberger

Soziologie, Politikwissenschaft, Kulturwissenschaften

Print 24,80 €

08/2008, 238 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-1000-0

Artikel-Nr.: 1000

-1000-0: Altenhain et al. (Hg.), Von Neuer

Gesellschaftliche Verhältnisse und Kategorien im Umbruch. Kritische Perspektiven auf aktuelle Debatten

 

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09/2015, 238 Seiten
ISBN 978-3-8394-1000-4

CC BY NC ND

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