Autoreninterview

... mit Martina Padberg

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Geschichte ist heute ein florierender Markt: Im Kino machen aufwändige Produktionen Kasse,... >>>
... mit Martina Padberg

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Geschichte ist heute ein florierender Markt: Im Kino machen aufwändige Produktionen Kasse, die im Mittelalter oder in der Antike spielen, im Fernsehen schickt man heutige Menschen zurück in die Vergangenheit und schaut ihnen zu, wie sie sich beim Kühe melken, Heizen und Weben abmühen, historische Romane boomen in den Bücherläden, auf Ritterfesten und Mittelaltermärkten wird allerhand verkauft usw. Und dann gibt es noch das Museum – die Institution, der die Aufarbeitung der Geschichte und die Bewahrung historischer Relikte aufgetragen ist. Wie geht das zusammen? Wohl kaum, ohne dass die Museen auf die wirkmächtigen Geschichts-Bilder in den Köpfen ihrer Besucher reagieren. Dieser Frage geht unser Tagungsband auf spannende Weise nach.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Bislang diskutierten Wissenschaftler und Museumsspezialisten in der Regel unter sich über die Frage, wie das Museum der Zukunft aussehen könnte. Aus unserer Perspektive war es höchste Zeit, die Protagonisten der medialen Geschichtskultur und die Fachleute aus dem musealen Kontext zusammenzubringen. Daher nehmen in unserem Tagungsband Autoren, Filmemacher, Wissenschaftler, Journalisten und Museumskuratoren Stellung. Unter ihnen sind u.a. Grimme-Preisträgerin Beate Schlanstein und Bestsellerautorinn Tanja Kinkel. Insgesamt bietet der Band einen tiefen Einblick in die Welt der Geschichtskultur.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Für uns ist bei diesem Buch zentral, dass die Arbeit des Museums im Kontext des weiten Feldes der Geschichtskultur gedacht und diskutiert wird. Welche Verantwortung hat das Museum für eine Geschichtskultur, wenn Geschichte zunehmend zur Ware wird? Kann sich das Museum weiterhin als der erste Ort authentischer Geschichtsvermittlung behaupten? Auch wenn das Buch keine endgültigen Antworten geben kann, so handelt es sich doch um einen wichtigen Beitrag in der Debatte um die gegenwärtige und zukünftige Rolle des Museums.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Diskutiert wurde bereits mit vielen, die in dieser Debatte ein wichtige Rolle spielen: Michael Jeismann und Michael Fehr bieten hochinteressante Beiträge. Erfahrene Museumsmacher vom Germanischen Nationalmuseum und vom deutschen Historischen Museum diskutieren ihre Präsentationsformen, Jan Freitag liefert theoretischen Tiefgang, Tanja Kinkel und Cay Rademacher berichten aus der Schreibpraxis, Beate Schlanstein gibt Einblicke in die Fernseharbeit, u.v.m. Es ist also ein Gespräch über verschiedene Arbeitsfelder hinweg in Gang gekommen, das weitergeführt werden sollte. Sprechen möchten wir dabei auch mit denen, die im Moment über die Schließung von Museen nachdenken: Was passiert, wenn Geschichte mehr und mehr ›privatisiert‹ wird?

5. Ihr Buch in einem Satz:
Noch nie war so viel ›Geschichtskultur‹ und dies hat nicht nur Auswirkungen auf die Konsumenten sondern auch auf Alle, die heute und morgen Museumsarbeit tun wollen. <<<


Martina Padberg / Martin Schmidt (Hg.)

Die Magie der Geschichte

Geschichtskultur und Museum
(Schriften des Bundesverbands freiberuflicher Kulturwissenschaftler, Band 3)

»Geschichte« ist zum medialen Ereignis geworden. Das Spektrum reicht vom Sachbuch oder Roman über Werbung und Film bis hin zu Gedenkstätten, Denkmalen und touristisch genutzten Orten. Geschichte kann als Event »erlebt« werden, dient als Folie für Computerspiele und wird journalistisch vermarktet. So entstehen wirkmächtige Geschichts-Bilder, die das historische Verständnis zunehmend prägen.
Wie reagieren Museen auf die Inflation dieser Vorstellungen? Welche Verantwortung hat das Museum für eine Geschichtskultur, wenn Geschichte zunehmend zur Ware wird? Kann es sich weiterhin als der erste Ort authentischer Geschichtsvermittlung behaupten? Der Band führt Protagonisten medialer Geschichtskultur und Fachleute aus dem musealen Kontext im kritischen Dialog zusammen.


 

Martina Padberg (Dr. phil.) arbeitet als freiberufliche Kuratorin für verschiedene Museen und als wissenschaftliche Autorin. Ihre Schwerpunkte sind die Klassische Moderne und die Zeitgenössische Kunst.
Martin Schmidt (M.A.) ist stellvertretender Leiter des LVR-Industriemuseums, Schauplatz Ratingen, und arbeitet zudem als Kurator und Gestalter für andere kulturhistorische Museen.

Homepage:
www.b-f-k.de

»Die Publikation trägt [...] in besonderem Maße dazu bei, dass die Debatte über die Rolle von Erinnerungskultur, Geschichtsbildern und historischer Verantwortung derzeit an Dynamik gewinnt.«
Mitteilungen, 45/1 (2013)
»Das Buch liefert zahlreiche Anregungen und Informationen zur Magie der Geschichte und zum breiten Spektrum musealer Strategien.«
Frank Loebing, Das Archiv, 4 (2011)
»Ein angenehm leicht zu lesendes und durchaus anregendes Buch mit starkem Praxisbezug.
Museumspraktiker [...] könnten einige Anregungen für eine kritisch reflektierende und gelungene Einbindung von populären Medien der Geschichtskultur in museale Ausstellungen gewinnen.«
Ines Keske, Curiositas, 11 (2011)
»Die Beiträge [...] zeigen, dass es Museen mit einer Öffnung zu populären Vermittlungsformen und Inszenierungen gelingen kann, ihre Rolle als Ort des historischen Gedächtnisses zu bewahren, wenn sie ihrer Vermittlungsverantwortung gerecht werden.«
Manuela Lück, Kulturpolitische Mitteilungen, 134/3 (2011)
Besprochen in:

H-Soz-u-Kult, 21.07.2011, Petra Lutz
Mitteilungsblatt Museumsverband Niedersachsen Bremen, 72 (2011)
forum Geschichtskultur Ruhr, 2 (2011)
geschichte für heute, 1 (2012), Matthias Schmandt

Geschichtswissenschaften, Museologie, Kulturwissenschaften, Medienwissenschaften

Print 23,80 €

12/2010, 208 Seiten, kart., zahlr. z.T. farb. Abb.
ISBN 978-3-8376-1101-4

Artikel-Nr.: 1101

-1101-4: Padberg/Schmidt (Hg.), Die Magie

Geschichtskultur und Museum
(Schriften des Bundesverbands freiberuflicher Kulturwissenschaftler, Band 3)

 

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E-Book 20,99 €

PDF-Download, 8,46 MB
07/2015, 208 Seiten
ISBN 978-3-8394-1101-8

Preise inkl. gesetzlicher MwSt.*

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