Autoreninterview

... mit Daniel Stein, Katerina Kroucheva und Stephan Ditschke


1. »Bücher, die die Welt nicht braucht. Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
In unserem Sammelband zur Comicforschung wird ein... >>>
... mit Daniel Stein, Katerina Kroucheva und Stephan Ditschke


1. »Bücher, die die Welt nicht braucht. Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
In unserem Sammelband zur Comicforschung wird ein populärkulturelles Medium dargestellt, das seit über 100 Jahren und über viele Kulturkreise hinweg Menschen begeistert. Das Buch bietet historische und theoretische Zugänge zum Comic, die nicht nur zum besseren Verstehen, sondern vor allem zu einer lustvolleren Lektüre beitragen. Der Leser erhält zudem einen umfassenden Einblick in die Spielarten des Mediums, der von Zeitungsstrips bis zu Graphic Novels, von Superheldencomics über Underground Comics bis zu den unbekannteren Tijuana Bibles reicht.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Die Beiträge des Bandes wirken mit bei der Etablierung einer sich gerade erst konstituierenden Forschungsdisziplin, die den Comic als selbstständiges Medium begreift. Dabei beschränken sie sich nicht auf Methoden der Literaturwissenschaft, sondern nehmen darüber hinaus die soziokulturellen Dimensionen der Entwicklung des Comics in den Blick. So zeigt sich das Medium im Spannungsfeld von bürgerlicher und populärer Kultur, Mainstream und Avantgarde, kurz: mit seinem Sitz im kulturellen Leben.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Durch ihre breite, interdisziplinäre Ausrichtung betreffen die Aufsätze viele Debatten der kultur- und medienwissenschaftlichen Forschung und verbinden ihre Problemfelder miteinander. Einerseits verdeutlicht der Band die Relevanz sozialer und historischer Entwicklungen für das Verstehen populärkultureller Phänomene und ihrer Entwicklung. Andererseits trägt er zur Erforschung des Eigenen der Comics bei, das aus der Verknüpfung der Medien Schrift und Bild erwächst. Es werden so viele Fragen behandelt, die von allgemeinem Interesse in der Debatte um Intermedialität sind.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Die Beiträger unseres Bandes zeichnen ein Bild der Comics, das ihre Entwicklung und Ästhetik aus ihrem historischen Kontext und mithilfe aktueller Interpretationstheorien erklärt. Diese neuen Perspektiven würden wir besonders gerne mit Menschen diskutieren, die sie abermals erweitern könnten, etwa mit einem Comic-Autor wie Art Spiegelman; mit einem der Urahnen der Comics, Wilhelm Busch; mit Michael Chabon, der einen literarischen Blick auf die Geschichte der Comics geworfen hat; und mit dem großen Kritiker der Populärkultur, Adorno, dessen Thesen wir gerne mit der Entwicklung des Mediums konfrontieren würden.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Der interdisziplinär ausgerichtete Band führt in die vielen Dimensionen des Mediums Comic ein und leistet gleichzeitig einen Beitrag zur Vernetzung der Comic-Forschung. <<<


Stephan Ditschke / Katerina Kroucheva / Daniel Stein (Hg.)

Comics

Zur Geschichte und Theorie eines populärkulturellen Mediums

Ende des 19. Jahrhunderts erreichten Comics in billig gedruckten Zeitungsbeilagen ein Massenpublikum in den USA und schufen durch ihre sequentielle Erzählweise in Bild und Schrift eine neue Form der Unterhaltung. Inzwischen haben sie sich zu einem komplexen und global einflussreichen populärkulturellen Medium entwickelt. Was 1935 amerikanische Kinder im New Yorker Greenwich Village fesselte, begegnet uns heute in Buchläden, im Feuilleton und in den Hörsälen traditionsreicher Universitäten.
Doch was genau ist eigentlich ein Comic? Mit welchen Mitteln wird in Comics erzählt und Bedeutung transportiert? Welche Formen und Gattungen gibt es, wie haben sie sich entwickelt und welche Stellung nehmen sie in den Kulturen der Gegenwart ein?
Diese und viele weitere Fragen beantworten Journalisten, Zeichner und Wissenschaftler verschiedener Disziplinen am Beispiel von Comics aus über hundert Jahren und unterschiedlichen Kulturkreisen. Der Band bietet so eine umfassende wissenschaftliche Einführung in das weite Feld der Geschichte und Theorie des Comics.


 
Autorenbild Ditschke, Stephan;Kroucheva, Katerina;Stein, Daniel;(Hg.)

Stephan Ditschke ist Stipendiat des Promotionskollegs »Wertung und Kanon« der VolkswagenStiftung. Er schreibt an einer Dissertation über Literaturveranstaltungen und ist als Lektor tätig.
Katerina Kroucheva (Dr. phil.) ist Koordinatorin des Zentrums für komparatistische Studien an der Universität Göttingen. Ihre Forschungsschwerpunkte sind der Kulturtransfer zwischen Deutschland und Bulgarien, Übersetzungsforschung, Kulturstereotype sowie Literatur und Literaturwissenschaft um 1900.
Daniel Stein (Dr. des. phil.) lehrt Amerikanistik an der Universität Göttingen. Seine Forschungsschwerpunkte sind amerikanische Gegenwartsliteratur, afroamerikanische Literatur- und Kulturgeschichte sowie Populärkultur.

Homepage:
Ditschke
Kroucheva
Stein

»Ein qualitativ wie thematisch bemerkenswert stimmiger Band [...], der die deutschsprachige Comic-Forschung um zahlreiche wertvolle Beiträge bereichert.«
Florian Groß, Amerikastudien/American Studies, 56/3 (2011)
»[Der Band schafft es], nicht nur einige qualitativ hochwertige Aufsätze zu versammeln, sondern einen Dialog zwischen einzelnen Beiträgen zu stiften.«
Ute Friederich, Edition Kritische Ausgabe, 1 (2011)
»Der Band, in dessen Einleitung erfreulicherweise zentrale Begriffe geklärt werden, die sich in den Beiträgen wiederfinden, verschafft einen guten Überblick über den Stand der Comicforschung. Damit ist das Werk sowohl für Medien-, Kultur- und Literaturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler interessant, als auch für interessierte Laien.«
merz, 54/5 (2010)
»[S]elbst als reine Bibliographie wäre ›Comics‹ im Regal des fachlich Interessierten unersetzlich.
Es wird Zeit, über konkrete Comics zu sprechen – mit Büchern wie diesem als probate Handreiche.«
Jochen Ecke, interjuli, 2 (2010)
»In der Summe ist dieses Buch ein beeindruckendes Beispiel für brillante Comicanalyse und weckt große und gespannte Erwartungen auf Folgeprojekte.«
www.tagesspiegel.de, 29.03.2010
Besprochen in:
www.leser-welt.de, 01.12.2009, Jan Neidhardt
Kinder- und Jugendliteraturforschung, 2009/2010, Jörn Ahrens
www.comic-check.ch, 05.01.2010

Komparatistik, Kulturwissenschaft, Medienwissenschaft, Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft

»Comics und Wissenschaft/Comic-Wissenschaft? Diese Frage zum (aktuellen) Stand der Comicforschung im deutschen Wissenschaftskontext wird im vorliegenden Band nicht mehr als Frage, sondern vielmehr als Tatsache behandelt. Comics zählen zur Populärkultur, und populärkulturelle Phänome, das haben uns britische Soziologen und Philologen wie Stuart Hall und andere gelehrt, können – und sollten – ob ihres Auftretens (und Etablierens) ebenso durchleuchtet und sozio-historisch kontextualisiert werden wie andere kulturelle Phänomene und Praktiken.
Wie der Titel des interdisziplinär angelegten Bandes bereits andeutet, beschäftigen sich die AutorInnen in »Comics. Zur Geschichte und Theorie eines populärkulturellen Mediums« nicht nur mit formästhetischen Fragen des Mediums, sondern auch mit terminologischen Schwierigkeiten. In den einzelnen Beiträgen werden u.a. Fragen nach Autorschaft, Serialität, Intermedialität, narrativen Strukturen und (Selbst-)Reflexivität gestellt; dabei vergessen die AutorInnen nie, ihre Überlegungen kulturhistorisch zu verorten. Somit werden (Comic-) Mediumgeschichtliches und -theoretisches in Beziehung gesetzt und die Relation und das Funktionieren von Bild- und Schriftzeichen problematisiert. Comics werden dabei als zeichentheoretische Räume gelesen, in denen Bedeutungen generiert und vermittelt werden. Methodisch gehen die AutorInnen dabei sehr unterschiedlich vor - was mit der jeweiligen Forschungsfrage und dem Untersuchungsgegenstand (z.B. Manga, Comic-Adaption, die französischen bandes dessinées, die so genannten underground comix) zusammenhängt.
Neben diesem Methodenpluralismus der zusammengestellten Beiträge soll aber auch die Einleitung hervorgehoben werden, in der es den HerausgeberInnen gelingt, auf wenigen Seiten einen Überblick zum Stand der Forschungsdebatte zu diesem Thema zu liefern und auf Änderungen in der Comicforschung hinzuweisen. Der Band leistet damit nicht nur einen (einführenden) mediengeschichtlichen Beitrag zur Comicforschung, sondern bietet Studierenden wie Lehrenden ein ausgezeichnetes Referenzwerk für weiterführende Lektüre und Forschung.«
Dr. Christina Meyer, CvO Universität Oldenburg

Print 29,80 €

08/2009, 366 Seiten, kart., zahlr. Abb.
ISBN 978-3-8376-1119-9

Artikel-Nr.: 1119

-1119-9: Ditschke et al. (Hg.), Comics

Zur Geschichte und Theorie eines populärkulturellen Mediums

 

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07/2015, 366 Seiten
ISBN 978-3-8394-1119-3

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