Autoreninterview

... mit Michael Busch, Jan Jeskow und Rüdiger Stutz

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Die Jugend in mehreren Ländern Europas protestiert –... >>>
... mit Michael Busch, Jan Jeskow und Rüdiger Stutz

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Die Jugend in mehreren Ländern Europas protestiert – gegen Arbeitslosigkeit, Ausbildungschaos und Polizeigewalt. Unser Band sucht nach den Ursachen: Prekäre Arbeits- und Lebensbedingungen, Zukunfts- und Perspektivlosigkeit prägen mehr und mehr die jugendlichen Lebenswelten. In den brennenden Vorstädten spiegeln sich daher nicht vorrangig die Ausschreitungen extremistischer Minderheiten wider. Vielmehr äußern sich in ihnen Wut und Frust über die Auswirkungen einer strukturellen Prekarisierung.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Nicht nur die ohnehin Ausgegrenzten sind von Prekarisierung betroffen; zunehmend sehen sich auch die Mittelschichten mit ihr konfrontiert. Eine Folge: Die Angst vor dem Absturz erreicht die gesellschaftliche Mitte. Unsere Vergleichsperspektive offenbart aber unterschiedliche Reaktionsmuster und Bewältigungsstrategien. Während Jugendliche in West- und Südeuropa mit ihren Protesten lautstark die Wohlstandsversprechen der Vergangenheit einfordern, suchen ihre Altersgenossen im Osten den Herausforderungen mit Überanpassung und Aus- bzw. Abwanderung zu begegnen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in aktuellen Debatten in Wissenschaft und Gesellschaft zu?
Die Spielräume des Wohlfahrtsstaates werden durch die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise weiter eingeengt. Der Staat zieht sich aus seiner Verantwortung für Jugend und Soziales immer mehr zurück, was die Verteilungskonflikte um die verbleibenden Ressourcen noch verschärfen wird. Zugleich entwerten sich die von den Jugendlichen erworbenen Bildungszertifikate auf dem Arbeitsmarkt. Aus der früheren Verheißung ›Aufstieg durch Bildung‹ wird in der jugendlichen Erfahrung heute: ›Diplomiert und Deklassiert‹.

4. Welche besonderen Aspekte kann die wissenschaftliche Betrachtung in die öffentliche Diskussion einbringen?
Trotz des jugendlichen Aufbegehrens einer ›enttäuschten Generation‹ erwarten wir nicht das Aufkommen einer neuen politischen Jugendgeneration, wie z.B. die der 68er. Das Fehlen von Gesellschaftsutopien und die zunehmende Individualisierung sprechen dagegen. Die öffentlich vermittelten Generationsbilder erweisen sich vielmehr als medial inszenierte Fremd- oder Selbstzuschreibungen, hinter denen Problemwahrnehmungen des gesellschaftlichen Wandels und kurzfristige wie pragmatische Interessen stehen.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Politische Jugendgenerationen sind Geschichte – die Sozialproteste von Jugendlichen in West- und Südeuropa werden sich zuspitzen. <<<


Michael Busch / Jan Jeskow / Rüdiger Stutz (Hg.)

Zwischen Prekarisierung und Protest

Die Lebenslagen und Generationsbilder von Jugendlichen in Ost und West

Wie verarbeiten junge Leute gegenwärtig ihre zunehmende Verunsicherung? Inwieweit bleiben sie in sozialen Netzwerken verankert? Verbindet sie tatsächlich ein kollektives »Wir-Gefühl«?
Dieser interdisziplinäre Band porträtiert jugendliche Altersgruppen, die zwischen 1970 und den 1990er Jahren geboren wurden und deren Biographien vor dem Hintergrund der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise zunehmend von prekären Lebens- und Beschäftigungsphasen bestimmt wird. Zum ersten Mal werden die Lebenslagen und Selbstbilder von Jugendlichen aus einer Ost und West vergleichenden Perspektive analysiert. Wächst in Europa womöglich eine neue Protestgeneration heran?


 
Autorenbild Busch, Michael;Jeskow, Jan;Stutz, Rüdiger;(Hg.)

Michael Busch und Jan Jeskow (M.A.) promovieren im Fach Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Jena.
Rüdiger Stutz (Dr. phil.) ist Stadthistoriker in Jena.

Homepage:
www.sfb580.uni-jena.de

»Die Herausgeber legen ein faktenreiches und lesenswertes Buch zur Situation von Jugendlichen in Zeiten eines akzelerierten sozialen Wandels vor.«
Prof. Dr. Jürgen Boeckh, www.socialnet.de, 16.07.2010
Besprochen in:

soli aktuell, 8/9 (2010)
Das Argument, 289 (2010
polli-magazin.de, 2 (2012), Claudia Gersdorf

Verhaltens- und Sozialwissenschaften, Jugendforschung und -soziologie, Kultur- und Zeitgeschichte, Politikberatung

Print 29,80 €

01/2010, 496 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-1203-5

Artikel-Nr.: 1203

-1203-5: Busch et al. (Hg.), Zwischen P.

Die Lebenslagen und Generationsbilder von Jugendlichen in Ost und West

 

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E-Book 26,99 €

PDF-Download, 5,14 MB
07/2015, 496 Seiten
ISBN 978-3-8394-1203-9

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