Auszeichnung:
Die dem Buch zugrunde liegende Studie wurde 2009 mit dem Dissertationspreis der Justus-Liebig-Universität Gießen (Sektion Sprach-, Literatur-, Kultur- und Geschichtswissenschaften sowie Philosophie) ausgezeichnet.

Interview

... mit André Eiermann

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
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... mit André Eiermann

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
»Postspektakuläres Theater« hinterfragt grundlegende Prämissen der Theaterwissenschaft und gibt unkonventionelle Antworten – insbesondere auf die Frage, was eine Aufführung ist. Ausgehend von der Beobachtung, dass sich viele Aufführungen der zeitgenössischen szenischen Kunst mit hergebrachten theaterwissenschaftlichen Kategorien nicht angemessen beschreiben lassen (und diesen Kategorien mitunter sogar widersprechen), entwickelt die Arbeit Begriffe, die eine solche Beschreibung ermöglichen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Im Zusammenhang der Entwicklung eines Aufführungsbegriffs, der die Begegnung von Akteuren und Zuschauern weder als unmittelbare noch als Bedingung der Aufführung denkt, eröffnet das Buch auch neue Perspektiven auf Begriffe wie Performativität, Theatralität, Inszenierung, Ereignis und ästhetische Erfahrung. Zudem zeigt es, dass die Entgrenzung der Künste seit den 1960er Jahren nicht nur als ›performative Wende‹ von der bildenden zur szenischen Kunst, sondern in beide Richtungen verläuft.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
»Postspektakuläres Theater« gibt der aktuellen theaterwissenschaftlichen Diskussion wichtige Impulse, indem es nicht nur längst überfällige Revisionen etablierter Begriffe vornimmt, sondern auch neue Begriffe in die Diskussion einbringt. Das Buch erschließt entscheidende, bislang jedoch kaum berücksichtigte Aspekte der Ästhetik zeitgenössischer szenischer Kunst und es eröffnet interdisziplinäre Anschlussmöglichkeiten, die insbesondere für die Beschreibung entgrenzter Kunst relevant sind.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Grundsätzlich natürlich mit allen, die Interesse haben. Darüber hinaus wären Jacques Lacan und Guy Debord auf jeden Fall zwei Kandidaten gewesen. Auch Diskussionen mit Slavoj Zizek, Hans-Thies Lehmann und Erika Fischer-Lichte wären sicher sehr spannend – und mit den Künstlerinnen und Künstlern, über deren Arbeiten ich geschrieben habe.

5. Ihr Buch in einem Satz:
»Postspektakuläres Theater« bewegt sich zwischen Theorie und Praxis des Theaters, um die Herausforderungen anzunehmen, mit denen sie einander konfrontieren. <<<


André Eiermann

Postspektakuläres Theater

Die Alterität der Aufführung und die Entgrenzung der Künste

Postspektakuläres Theater – damit ist nicht etwa ein Theater in einer Gesellschaft nach dem Spektakel gemeint. Vielmehr schlägt diese Studie die Bezeichnung für solche Formen der zeitgenössischen szenischen Kunst vor, die das kritische Potential der Aufführung vor dem Hintergrund veränderter Bedingungen des Spektakels nicht mehr in der Betonung von Unmittelbarkeit suchen, sondern es stattdessen anhand eines Ausspielens von Mittelbarkeit entfalten. Während Überlegungen zur Alterität der Aufführung in der Regel die Ko-Präsenz von Akteuren und Zuschauern voraussetzen und deren Beziehungen als unmittelbare denken, entwirft diese Studie einen anderen Begriff der Aufführung und zeigt, dass deren Alterität stets eine vermittelnde dritte Instanz involviert.
Aus eingehenden Analysen zahlreicher Arbeiten so unterschiedlicher Künstler_innen wie Rabih Mroué, Mette Ingvartsen, Heiner Goebbels, Erwin Wurm u.a. werden weitreichende theoretische Konsequenzen gezogen, die über die Theaterwissenschaft hinaus auch allgemein kunstwissenschaftliche Fragestellungen und solche der philosophischen Ästhetik betreffen. So wird beispielsweise das Verhältnis von Aufführungs-, Inszenierungs- und Werkbegriff neu bestimmt sowie entscheidend zur Diskussion um die Entgrenzung der Künste und zur Beschreibung ästhetischer Erfahrung beigetragen.


 

André Eiermann ist Postdoktorand am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen. Er forscht zur zeitgenössischen szenischen Kunst und ist als Künstler und Kurator tätig.

Besprochen in:

www.nachtkritik.de, 12.01.2010, Esther Boldt

Theaterwissenschaft, Medienwissenschaft, Tanzwissenschaft, Kunstwissenschaft, Kulturwissenschaft, Psychoanalyse, philosophische Ästhetik

Print 35,80 €

10/2009, 424 Seiten, kart., zahlr. Abb.
ISBN 978-3-8376-1219-6

Artikel-Nr.: 1219

-1219-6: Eiermann, Postspektakuläres T.

Die Alterität der Aufführung und die Entgrenzung der Künste

 

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07/2015, 424 Seiten
ISBN 978-3-8394-1219-0

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