Interview

... mit Barbara Gronau und Alice Lagaay

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Weil die Dinge, die darin zu lesen sind, in keinem anderen Buch... >>>
... mit Barbara Gronau und Alice Lagaay

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Weil die Dinge, die darin zu lesen sind, in keinem anderen Buch stehen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Die Frage nach Zurückhaltung und Askese wird traditionellerweise vor einem religionswissenschaftlichen Hintergrund diskutiert. Der vorliegende Band ergänzt dies um eine ökonomiezentrierte Perspektive. Askese und Restriktion zeigen sich darin nicht nur als Verzicht, sondern als Produktionsform und als Regulierungswissen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Mit dem ›performative turn‹ haben sich die Geistes- und Kulturwissenschaften auf die Tätigkeiten des Produzierens, Herstellens und Erzeugens konzentriert und den Menschen als ›homo creator‹ und ›homo generator‹ in den Vordergrund gerückt. Das Buch setzt diesem Denken die These entgegen, dass auch das Passive entscheidenden Anteil an der Konstitution sozialer Wirklichkeiten hat. Es markiert jene Kehrseiten, die aus dem Blickfeld einer gelingensfixierten Performanzforschung geraten sind: die Zurückhaltung, das Zaudern, den Entzug, die Fadheit usw.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit dessen kritischen Lesern.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Handlung ist nicht nur ein freiwilliges, intentionales Tun, sondern auch ein Zusammenspiel von Sich-Zurückhalten (Zaudern, Zögern, Diskretion) und Zurückgehalten-Werden (Nicht-Können, Nicht-Dürfen). <<<


Barbara Gronau / Alice Lagaay (Hg.)

Ökonomien der Zurückhaltung

Kulturelles Handeln zwischen Askese und Restriktion

Es gibt kulturelle, ästhetische und politische Handlungsformen, die einer Ökonomie der Zurückhaltung folgen. Handlung erscheint hier nicht nur als freiwilliges, affirmatives Tun, sondern auch als Zusammenspiel von Sich-Zurückhalten (Zaudern, Zögern, Diskretion) und Zurückgehalten-Werden (Nicht-Können, Nicht-Dürfen). Die interdisziplinären Beiträge des Bandes untersuchen ein diskursives Feld entlang der Begriffe Abstinenz, Diskretion, Reserviertheit und Beschränkung mit einem doppelten Fokus: der Askese als innerer, selbst auferlegter Zurückhaltung und der Restriktion als äußerem Zurückgehalten-Werden. Mit Beiträgen u.a. von Giorgio Agamben, Bazon Brock, Sybille
Krämer, Thomas Macho und Joseph Vogl.


 

Barbara Gronau ist Juniorprofessorin für Theaterwissenschaft am Institut für Medien- und Kulturwissenschaft der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Künste der Gegenwart, Theorien und Praktiken des Performativen sowie Körper- und Wissensgeschichten des Theaters.
Alice Lagaay ist Vertretungsprofessorin für Ästhetik und Kulturphilosophie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Sie ist Mitbegründerin des internationalen Forschungsnetzwerkes »Performance Philosophy« (www.performancephilosophy.org) und Mitherausgeberin der gleichnamigen Buchreihe bei Palgrave Macmillan.

Homepage:
Alice Lagaay: www.alicelagaay.com
Alice Lagaay: www.performancephilosophy.org

»In einer Zeit, die der zweifelhaften Figur des Wutbürgers zu ihrem historischen Auftritt verholfen hat, können diejenigen nicht ganz falsch liegen, die das Raffinement der Zurückhaltung im Spiel halten wollen.«
Ralf Konersmann, Süddeutsche Zeitung, 19.01.2011
Besprochen in:

GERMANISTIK, 51/3-4 (2010)

Philosophie, Literaturwissenschaft, Theaterwissenschaft, Kulturwissenschaft

Print 32,80 €

07/2010, 388 Seiten, kart., zahlr. Abb.
ISBN 978-3-8376-1260-8

Artikel-Nr.: 1260

-1260-8: Gronau/Lagaay (Hg.), Ökonomien

Kulturelles Handeln zwischen Askese und Restriktion

 

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07/2015, 388 Seiten
ISBN 978-3-8394-1260-2

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