Autoreninterview

... mit Joachim Baur

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht. Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Die Musealisierung der Migration ist ein Symptom unserer Zeit. Wenn ein lange ignoriertes Thema, wie Aus-... >>>
... mit Joachim Baur

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht. Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Die Musealisierung der Migration ist ein Symptom unserer Zeit. Wenn ein lange ignoriertes Thema, wie Aus- und Zuwanderung, allerorts mit Verve in Bastionen der Hochkultur drängt, dann ist das einen genaueren Blick wert. Man stößt dabei schnell auf kontroverse Debatten um Geschichtspolitik und kulturelle Anerkennung in der Einwanderungsgesellschaft und die Frage, ob Geschichte (noch) Verbindendes stiften kann oder soll und zu welchem Zweck. Das ist so spannend wie aktuell.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Das Buch argumentiert, dass das Migrationsmuseum eine Bühne darstellt, auf der nichts weniger als die ›imagined community‹ der Nation unter den Bedingungen multikultureller Gesellschaft inszeniert wird. Damit setzt es Impulse für die Diskussion um kulturelle Staatsbürgerschaft wie für die Fortentwicklung einer kritischen Museumswissenschaft. Und nebenbei bietet es eine Durchsicht etablierter Institutionen, vor allem in Übersee, die Museumspraktikern als Inspiration dienen kann.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Mit Migration und Museum setzt das Buch zwei dynamische Forschungsfelder zueinander in Bezug. Theoretisch versiert und empirisch geerdet greift es in aktuelle Debatten um Repräsentation und Performanz, um Erinnerungskultur und ›heritage dissonance‹, sowie die Möglichkeiten und Widersprüche transnationaler Erinnerungsorte ein.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit Kulturwissenschaftlern, Historikern und Ausstellungsmachern, mit Arjun Appadurai, Benedict Anderson und Ulrich Beck, mit Migrantinnen und Migranten in Deutschland und in Übersee. Mit all jenen, die Museen für verstaubt halten und jenen, die sich von ihnen Impulse für aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen erwarten.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Die erste und bislang einzige Untersuchung eines Feldes, das für die Selbstverständigung und Kulturpolitik in der Einwanderungsgesellschaft zukünftig noch an Bedeutung gewinnen wird. <<<


Joachim Baur

Die Musealisierung der Migration

Einwanderungsmuseen und die Inszenierung der multikulturellen Nation

Die Musealisierung der Migration hat Konjunktur. Mit kritischem Blick untersucht dieses Buch nun erstmals Formen und Funktionen der verstärkten Repräsentation von Migration in Museen und Ausstellungen. Wie wird die multikulturelle Gesellschaft inszeniert? Welche Interessen und Konflikte treten dabei zutage? Was lässt sich aus Projekten in Übersee für Deutschland und Europa lernen? Mit der Diskussion solcher Fragen leistet die Studie, die sich gleichermaßen an Kulturwissenschaftler, Kulturpolitiker und Museumsmacher wendet, einen wichtigen Beitrag zur Debatte um Geschichtspolitik und Erinnerung in der Einwanderungsgesellschaft.


 
Autorenbild Baur, Joachim

Joachim Baur (Dr. rer. soc.) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig und lehrt Museumswissenschaft an der Universität Tübingen. Im Auftrag des Landes Niedersachsen entwickelt er derzeit ein Konzept für die Musealisierung des Grenzdurchgangslagers Friedland.

»Baurs lesenswerte Studie ist theoretisch stark und methodisch genau.«
Michael Schubert, Archiv für Sozialgeschichte, 18.04.2013
»Ein wichtiger und wohltuend dekonstruierender Beitrag zum Thema Einwanderung und Musealisierung.«
Kerstin Weber, Comparativ, 1 (2011)
»Sehr gut lesbar und hochinformativ.«
Hans-Martin Hinz, Jahrbuch für Europäische Überseegeschichte, 10 (2010)
»Das anhaltende Interesse an Migrationsthemen wird diesem Buch Leserinnen und Leser bescheren, die es wegen etlicher kluger Detailbeobachtungen [...] als konzeptuellen Gedankenanstoß oder als Beitrag zur jüngsten Museumsgeschichte in Form von isolierten Geschichten dreier Museen schätzen werden.«
Markus Walz, Zeitschrift für Volkskunde, 106/2 (2010)
»Das Buch bietet neben einer detailreichen und theoriegesättigten Darstellung der drei Fallstudien eine Fülle von Anregungen zum Nachdenken über eine noch immer ungeklärte Frage: die Rolle und Aufgabe des Museums in der Einwanderungsgesellschaft.«
Dr. Bärbel Maul, Fachbuchjournal, 2 (2010)
»[Dieses Buch liefert] für die gegenwärtigen Debatten in Europa sicherlich einen sehr anregenden Impuls, so dass nicht nur [...] Kulturwissenschaftler, Kulturpolitiker und Museumsmacher das Buch mit Gewinn lesen können, sondern ebenso all diejenigen, die an dem Wechselverhältnis von Geschichte, Migration und Museum interessiert sind.«
Prof. Dr. Süleyman Gögercin, www.socialnet.de, 07.01.2010
»Das Buch bietet eine unumgängliche Grundlage für ie Diskussion, wie eine nationale Musealisierung der Immigration auch in eutschland gestaltet werden sollte.«
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»Das Buch bietet eine unumgängliche Grundlage für die Diskussion, wie eine nationale Musealisierung der Immigration auch in Deutschland gestaltet werden sollte.«
J. Olaf Kleist, H-Soz-u-Kult, 02.01.2010
Besprochen in:

Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde, 2010, Burkhart Lauterbach
museum and society, 8/3 (2010), Robin Ostow
Nuova Museologia, 22/7 (2010)
Memory Studies, 12 (2010), J. Olaf Kleist

Kulturwissenschaft, Geschichte, Museologie, Medienwissenschaft

»Die Art und Weise, wie das Museum mit der Verflechtung von Eigen und Fremd umgeht, ist seit einigen Jahren ein heftig diskutiertes Thema – und dies nicht nur unter Museumswissenschaftlern. Joachim Baurs gründlich recherchierte und umsichtig argumentierende Studie stellt diese Diskussionen auf eine sichere Grundlage. In einer souverän angelegten Komparatistik untersucht Baur die Entstehung, Konzeption und expositorische Arbeit der ›klassischen‹ Migrationsmuseen in den USA, Kanada und Australien und ordnet die so gewonnenen und differenziert erörterten Ergebnisse in den mittlerweile stark entfalteten europäischen Diskurs über die Migrationsmusealisierung ein. Die Studie besticht durch souveräne Kenntnis gleichermaßen der aktuellen Museumsdiskussion (und dies im internationalen Maßstab!), wie auch der europäischen Migrationspolitik.«
Prof. Dr. Gottfried Korff, Universität Tübingen

»Fragen der Migration und der kulturellen Vielfalt moderner Gesellschaften sind zu einem herausgehobenen politischen und gesellschaftlichen Thema geworden. Damit erhalten sie auch eine geschichtspolitische Dimension. Das historische und politische Selbstverständnis von Einwanderungsgesellschaften steht auf dem Prüfstand. Wer das Wechselverhältnis von Geschichte, Migration und Museum verstehen möchte, kommt an der neuen Studie von Joachim Baur nicht vorbei. Der Autor liefert ein Meisterstück vergleichender Forschung, indem er die Musealisierung der Migrationsgeschichte in Australien, Kanada und den USA untersucht. Migration und ihre Geschichte, so Baur, stehen nicht notwendigerweise im Gegensatz zu den klassischen nationalen Meistererzählungen. Sie haben das Potenzial, zum Bestandteil neuer vielfältiger und in ihrer Vielfalt verbindender Erzählungen und Geschichtsdeutungen zu werden. Für die gegenwärtigen Debatten in Europa liefert das Buch damit einen intellektuell und konzeptionell überaus anregenden Impuls.«
Rainer Ohliger, Netzwerk Migration in Europa e.V.

Print 34,80 €

10/2009, 408 Seiten, kart., zahlr. Abb.
ISBN 978-3-8376-1264-6

Artikel-Nr.: 1264

-1264-6: Baur, Die Musealisierung

Einwanderungsmuseen und die Inszenierung der multikulturellen Nation

 

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07/2015, 408 Seiten
ISBN 978-3-8394-1264-0

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