Interview

... mit Rebekka Ladewig und Annette Vowinckel

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht. Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Es gibt ganze Regale voller Bücher über Fußballvereine, über... >>>
... mit Rebekka Ladewig und Annette Vowinckel

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht. Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Es gibt ganze Regale voller Bücher über Fußballvereine, über Spielregeln, Trainingsmethoden, Vereinsgeschichten, über soziale Aufsteiger und den demokratisierenden Effekt von Fußball, über Fans, Hooligans, Rassismus und Nationalismus im Sport. Aber ein Buch zu der Frage, warum gerade Fußball so viele Menschen fasziniert, das gibt es nicht. Dabei ist gerade dies die Frage, die am Anfang jeder Arbeit über den Fußball stehen sollte.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Wir haben versucht, uns dem Fußball aus faszinationsgeschichtlicher Perspektive zu nähern. Erstaunliche Ergebnisse bringen dabei gerade die Beiträge, die das zum Gegenstand machen, was uns völlig selbstverständlich erscheint: Dass eine Mannschaft (ausgerechnet!) aus elf Spielern besteht, dass Menschen ins Stadion gehen, weil es sie glücklich macht, dass wir auf dem heimischen Bildschirm Körper und Gesichter beobachten. Manchmal hilft es, über vermeintlich Banales noch einmal neu nachzudenken.

3.Welche Bedeutung kommt dem Thema in aktuellen Debatten in Wissenschaft und Gesellschaft zu?
Fußball ist ein klassisches interdisziplinäres Thema: Mit ihm befassen sich Sportwissenschaftler, Medien-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler, Historiker, Germanisten oder Kunsthistoriker. Das alte Diktum, dass Fußball die Welt im Kleinen abbildet, schlägt sich also bestenfalls so nieder, dass der Gegenstand Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen und andere Berufsgruppen (Fußballspieler, Filmemacher, Künstler) an einen Tisch bringt. Wir haben das als enorme Bereicherung einer Wissenskultur empfunden, die manchmal noch im Schubladendenken des 20. Jahrhunderts verhaftet ist.

4. Welche besonderen Aspekte kann die wissenschaftliche Betrachtung in die öffentliche Diskussion einbringen?
Dem Fußball gelingt, was den meisten Institutionen nicht gelingt: Egal, ob er integriert oder polarisiert, Chancen eröffnet oder nur den Traum von der Aufstiegschance transportiert, ob er auf dem Acker stattfindet oder im Stadion oder im Fernsehen Millionenumsätze einspielt – Fußball begeistert. Es lohnt deshalb, öffentliche Debatten über Vereinsvermögen, Senderechte, Fanausschreitungen um einen Aspekt zu erweitern und darauf hinzuweisen, dass Fußball auch eine kulturelle Form der Moderne ist. Und zwar eine, die – im Unterscheid zu vielen anderen – mühelos den Übergang in die Mediengesellschaft des 21. Jahrhunderts geschafft hat.

5. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit Günter Netzer und Horst Köhler.

6. Ihr Buch in einem Satz:
»Das nächste Spiel ist immer das schwerste.« (Sepp Herberger) <<<


Rebekka Ladewig / Annette Vowinckel (Hg.)

Am Ball der Zeit

Fußball als Ereignis und Faszinosum

Fußball fasziniert: Er zieht Massen ins Stadion und ganze Nationen vor die Bildschirme. Was aber macht ihn so besonders?
Die in diesem Band versammelten Beiträge gehen in kulturwissenschaftlicher Perspektive der Frage nach, warum gerade dieser Sport eine solche Anziehungskraft ausübt. Sie fragen, welche Konzepte von Körper und Raum er transportiert, welche Emotionen und Imaginationen er freisetzt, welche Medien er nutzt und bedient und ob Fußball auch eine religiöse Dimension hat. Neben Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen kommen auch ein ehemaliger Fußballprofi und zwei Filmemacherinnen zu Wort.


 
Autorenbild Ladewig, Rebekka;Vowinckel, Annette;(Hg.)

Rebekka Ladewig (M.A.) ist Lehrbeauftragte am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität Berlin sowie der Kunstuniversität Linz. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Raumtheorien der Moderne, Kultur- und Wissenschaftsgeschichte des Schwindels sowie die Wissensgeschichte der Orientierung.
Annette Vowinckel (PD Dr. phil.) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam und Privatdozentin am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Mediengeschichte, Kulturgeschichte der Renaissance und des 20. Jahrhunderts sowie Geschichte des Terrorismus.

»Ein äußerst anregendes Nachdenkbuch!«
Klaus Hansen, www.socialnet.de, 03.11.2009

Kulturwissenschaft, Medienwissenschaft, Tanzwissenschaft, Soziologie

Print 20,80 €

07/2009, 190 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-1280-6

Artikel-Nr.: 1280

-1280-6: Ladewig/Vowinckel (Hg.), Am Ball

Fußball als Ereignis und Faszinosum

 

leider vergriffen

 
 
 

Weitere Titel zum Thema

Kultur, Körper

Weitere Titel aus der Reihe

Kultur- und Medientheorie