Auszeichnung:
Die dem Buch zugrunde liegende Arbeit wurde mit dem Augsburger Wissenschaftspreis für Interkulturelle Studien 2011 ausgezeichnet.

Autoreninterview

... mit Kien Nghi Ha

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Fragen der kulturellen Unreinheit sind seit jeher zentral für das gesellschaftliche... >>>
... mit Kien Nghi Ha

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Fragen der kulturellen Unreinheit sind seit jeher zentral für das gesellschaftliche Selbstverständnis, da sie die sozial hergestellten Demarkationslinien zwischen dem Anerkannten und dem Auszuschließenden markieren. Hybridität nicht als zeitgeistige Modeerscheinung, sondern als konstitutives Element in der machtbesetzten Zuweisung und Aushandlung von Identität und Differenz zu begreifen, kann daher unseren Blick für miteinander verflochtene Geschichten und sich überlappende Kulturräume in der unabgeschlossenen kolonialen Moderne schärfen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Vor dem Hintergrund der historischen wie aktuellen Konfigurationen vollziehen sich kulturelle Grenzverschiebungen, die auf der einen Seite mit Innovation sowie Differenzkonsum und auf der anderen mit der Artikulation von Dissidenz verbunden sind. In Zeiten einer globalisierten Kulturökonomie und transnationaler Migrationen nehmen postkoloniale Prozesse der kulturellen Grenzüberschreitung neue Formen an, die – wie etwa das kanakische Signifying – auf widersprüchliche Weise das koloniale Repertoire neu erkunden und dabei zwischen kulturindustrieller Verwertung und Widerstand changieren.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Mein Ansatz zielt zum einen darauf ab, die historischen Rahmenbedingungen des eurozentrischen Hybriditäts- und Rassendiskurses, insbesondere für den deutschen Kontext, zu vermessen. Zum anderen liegt der kritische Fokus in der Analyse der gegenwärtigen Transformationen in der nationalstaatlich organisierten Migrationsgesellschaft. Obwohl die ökonomischen und technologischen Modelle wie die politischen Repräsentationsformen in der zunehmend postmodernisierten Kulturlandschaft sich transnational hybridisieren, werden Dominanz- und Ausschlussverhältnisse fortgeschrieben.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Ich verdanke Homi Bhabhas Buch ›The Location of Culture‹ (1994) mein Interesse an postkolonialen Lesarten der Hybridisierung, die nicht als harmonische kulturelle Vermischung misszuverstehen ist, sondern koloniale Autorität in Zweifel zieht. Angesichts meiner neuen Forschungsarbeit würde ich mich gerne mit Forscher/-innen wie Mita Banerjee, Olivia Khoo, Cuong Nguyen Le, Mimi Thi Nguyen, Thuy Linh Nguyen Tu, Vijay Prasad, Lok Siu, Sukhdev Sandhu, John Kuo Wei Tchen, Trinh Minh-ha und Sau-Ling Wong über Hybridität und Asian Diasporic Studies austauschen.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Es ist eine Kulturgeschichte der Hybridität, die ihre diskursiven Voraussetzungen und gesellschaftlichen Auswirkungen innerhalb eines globalen Rahmens untersucht und aus einer postkolonialen Perspektive deutet. <<<


Kien Nghi Ha

Unrein und vermischt

Postkoloniale Grenzgänge durch die Kulturgeschichte der Hybridität und der kolonialen »Rassenbastarde«

»Hybridität« hat sich zu einem modischen Schlagwort entwickelt. Mit diesem Band erscheint international erstmalig eine umfassende Analyse der Kulturgeschichte dieses Begriffs. Ausgehend von einer Kritik der deutschsprachigen Rezeption arbeitet Kien Nghi Ha aus einer postkolonialen Perspektive die unterschiedlichen historischen Phasen und gesellschaftlichen Kontexte von der europäischen Antike über die koloniale Moderne bis zur Gegenwart auf. Gestützt auf eine breite Materiallage kann er zeigen, dass Hybridität als gesellschaftsdefinierende Frage der sozio-kulturellen Grenzüberschreitung und »Rassenvermischung« stets mit ambivalenten Formen der Rassifizierung, Hierarchisierung und Verwertung verbunden ist.


 
Autorenbild Ha, Kien Nghi

Kien Nghi Ha (Dr. phil.) ist Kultur- und Politikwissenschaftler. Er war Visiting Scholar am Asian/Pacific/American-Institute der New York University und danach Research Fellow am Graduate Programme for Transcultural Studies der Universität Heidelberg. Gegenwärtig kuratiert er am Hebbel am Ufer Theater (Berlin) ein diskursives Programm zur vietnamesisch-deutschen Diaspora im Herbst 2010 und arbeitet als Ko-Kurator der Asien-Pazifik-Wochen 2011 im Haus der Kulturen der Welt (Berlin). Seine Forschungsschwerpunkte sind postkoloniale Kritik, Rassismus, Migration und Asian Diasporic Studies. Zahlreiche Beiträge zu Fragen kultureller Hybridität, Identitätspolitik und kolonialer Präsenzen mit Fokus auf den deutschen Kontext.

»Der Autor pladiert hier überzeugend für die Repolitisierung und Rekontextualisierung des modischen Begriffs [der Hybridität].«
Johnny Van Hove, KULT_online, 34 (2013)
»Ein überaus kluges Buch [...], dem eine breite, über die Grenzen der Sozial- und Kulturwissenschaft hinausgehende Leserschaft zu wünschen ist.«
David Johannes Berchem, Zeitschrift für Volkskunde, 1 (2013)
Besprochen in:

Zitty Berlin, 26 (2010)
IASL_online, 3 (2012), Thomas Schwarz
Night out@Berlin, 6 (2012), Torsten Flüh
Mitteilungen der Berliner Gesellschaft für Missionsgeschichte e.V., 44/4 (2014), Ulrich van der Heyden

Kulturwissenschaft, Philosophie, Soziologie, Ethnologie, Geschichte, Literaturwissenschaft, Critical Race Theory, Amerika-Studien

»Mit der Dissertation von Kien Nghi Ha liegt die Arbeit eines der intellektuell reflektiertesten, theoretisch versiertesten jungen Wissenschaftler/-innen im Bereich ›Postcolonial Studies‹ in Deutschland vor. In der äußerst gelungenen Verbindung zwischen ›state-of-the-art‹-Forschung auf höchstem internationalen Niveau mit einem ebenso überzeugend vorgestellten wissenschaftspolitischen Interesse, das sich auf die nationale Wissenschaftslandschaft richtet, stellt dieses Buch eine herausragende Leistung dar.«
Prof. Dr. Sabine Broeck (Universität Bremen)

»Ich betrachte Kien Nghi Ha als einen der führenden Nachwuchswissenschaftler im Bereich der kritisch angelegten German Cultural Studies, der bereits eine Reihe von wichtigen intellektuellen Beiträgen zu Deutschlands neuem Verständnis als Einwanderungsland im transnationalen Kontext geleistet hat. Die in diesem Buch entfaltete thematische Fülle ist überwältigend, und es ist eine enorme Leistung, so unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen zu befragen und zu einer derart überzeugenden Antwort zu gelangen.«
Prof. Dr. Sara Lennox (University of Massachusetts)

Print 29,80 €

05/2010, 320 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-1331-5

Artikel-Nr.: 1331

-1331-5: Ha, Unrein und vermischt

Postkoloniale Grenzgänge durch die Kulturgeschichte der Hybridität und der kolonialen »Rassenbastarde«

 

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07/2015, 320 Seiten
ISBN 978-3-8394-1331-9

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