Autoreninterview

... mit Matthias Däumer

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Wäre die Raumtheorie ein rein abstraktes Unterfangen, müsste sich das Buch diesen... >>>
... mit Matthias Däumer

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Wäre die Raumtheorie ein rein abstraktes Unterfangen, müsste sich das Buch diesen Vorwurf aufgrund einer selbstbezüglichen Theorieverliebtheit gefallen lassen. Doch die Mechanismen, mit denen Menschen ›Orte‹ zu ›Räumen‹ machen, die Handlungen, die eine bloß physikalische ›Umgebung‹ zu unserer ›Lebenswelt‹ machen, sind omnipräsent, betreffen alltäglichste Verrichtungen und gehören zu den elementaren Vorgängen kultureller Produktion und Rezeption.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Es gibt schon seit längerem, besonders seit den 1960er Jahren, Bemühungen, das Erschließen von Räumen wissenschaftlich zu beschreiben. Der Begriff des ›Unorts‹ wurde dabei bisher nicht bedacht und das, obwohl er in vielfachen Bedeutungen in unserem Sprachgebrauch auftaucht und diverse Assoziationen in sich birgt. Aus der Betrachtung der Negation wollen wir rückwirkend neue Erkenntnisse über ›Ort‹ und ›Raum‹ gewinnen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Der so genannte ›spatial turn‹ gehörte bei kulturellen und soziologischen Analysen zu den wissenschaftlich besonders zentralen Themen der vergangenen Jahre. Die räumliche Betrachtung erwies sich als besonders ertragreiche Perspektive für kulturwissenschaftliche Analysen von Literatur, Film, bildnerischen Künsten und allen performativen Künsten. Dennoch wurde der Raumtheorie oftmals das Label ›Mode‹ verpasst. Man unterstellte ihr implizit eine nur kurze Haltbarkeit. Die ›Unorte‹ verstehen sich als ein Projekt, das den Modecharakter des ›spatial turns‹ negiert, um einerseits neue Facette aufzuzeigen und andererseits Anstoß zur Weiterführung zu geben.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Da sich die Kontaktierung der beiden Haupttheoriegeber dieses Bandes, Michel Foucault und Michel de Certeau, als schwierig erweisen könnte, soll die Diskussionsbereitschaft ohne konkrete Namensnennung auf all die ausgeweitet sein, die den ›Raum‹ als zentralen Fokus ihrer Betrachtungen verwenden und gewillt sind, den spatial turn noch um ein paar Windungen weiter zu drehen.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Für wen die Betrachtung des Ortes Sinn ergibt, sollte die des Unorts nicht unsinnig sein. <<<


Matthias Däumer / Annette Gerok-Reiter / Friedemann Kreuder (Hg.)

Unorte

Spielarten einer verlorenen Verortung. Kulturwissenschaftliche Perspektiven
(unter Mitarbeit von Simone Leidinger und Sarah Wendel)

Seit mehreren Jahren haben sich Raumtheorien als produktive Katalysatoren kulturwissenschaftlicher Untersuchungen bewiesen. Offen blieb dabei bisher, was die Negation des Räumlichen – ein ›Unort‹ – in kulturwissenschaftlichen Kontexten zu leisten imstande ist.
Die Beiträge dieses Bandes bieten eine nach Michel Foucault, Michel de Certeau und Marc Augé erarbeitete theoretische Auffächerung des Begriffs und erproben sie an Objekten aus verschiedenen Disziplinen.


 
Autorenbild Däumer, Matthias;Gerok-Reiter, Annette;Kreuder, Friedemann;(Hg.)

Matthias Däumer (M.A.) lehrt im Bereich der mittelalterlichen Literatur an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen Medien-, Performanz- und Raumtheorie als Zugangsweisen zum höfischen Roman.
Annette Gerok-Reiter (Prof. Dr. phil.) lehrt an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Historischen Anthropologie und Emotionsforschung sowie der Historischen Poetologie und der ästhetischen Inszenierung von Wissensordnungen.
Friedemann Kreuder (Prof. Dr. phil.) leitet das Institut für Theaterwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Er hat zu dem Regisseur Klaus Michael Grüber, Richard Wagner, zum Theater des 18. Jahrhunderts und zum Geistlichen Spiel publiziert.

Homepage:
Däumer
Gerok-Reiter
Kreuder

Besprochen in:

www.nextroom.at, 12(2010)
Stadt und Raum, 2 (2011)
KULT_online, 27 (2011), Thomas Edeling
Stadt und Raum, 2 (2012)

Theaterwissenschaft, Mediävistik, Kunstwissenschaft, Filmwissenschaft, Klassische Philologie

Print 34,80 €

10/2010, 382 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-1406-0

Artikel-Nr.: 1406

-1406-0: Däumer et al. (Hg.), Unorte

Spielarten einer verlorenen Verortung. Kulturwissenschaftliche Perspektiven
(unter Mitarbeit von Simone Leidinger und Sarah Wendel)

 

Lieferzeit in der Regel 3-5 Werktage

 
 
 

E-Book 33,99 €

PDF-Download, 2,99 MB
03/2014, 382 Seiten
ISBN 978-3-8394-1406-4

Preise inkl. gesetzlicher MwSt.*

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