Autoreninterview

... mit Susanne Binas-Preisendörfer

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Populäre Musikformen müssen sich heute ihren Platz im... >>>
... mit Susanne Binas-Preisendörfer

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Populäre Musikformen müssen sich heute ihren Platz im Wissenschaftsbetrieb nicht mehr erkämpfen. Wer über sie nachdenkt oder schreibt, hat jedoch vielerlei disziplinäre Barrieren zu überwinden: ethno- und eurozentrische Postulate und insbesondere die medienfeindlichen Konzeptionalisierungen von Musik in der Musikwissenschaft und Musikpädagogik. Das Buch leistet dazu m.E. einen wichtigen und bisher einmaligen Beitrag.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Globalisierung, Digitalisierung, Krise der Autorschaft – kaum ein journalistischer, politischer noch akademischer Text verzichtet derzeit auf diese Referenzen. Phänomene und Fragestellungen die sich daraus ergeben sind jedoch keinesfalls so neu und überraschend, wie manche Publikation vorgibt. Was zu Beginn des 21. Jahrhunderts sämtliche Produktions-, Verbreitungs-, Verwertungs- und Aneignungsprozesse von Musik verändert, hat eine reichlich 100-jährige Vorgeschichte.
In Anlehnung an den berühmten Aufsatz von Walter Benjamin eröffnet die vorliegende Publikation eine medien- und kulturwissenschaftliche Perspektive auf populäre Musikformen in Hinblick auf konkrete Sounds und Repertoires. Sie bietet einen systematischen Überblick zur medialen Migration lokaler Musikformen in globale Musikprozesse und diskutiert Fragen von kultureller Begegnung, Durchdringung, Enteignung, Ethnisierung und Repräsentation. En passant dringt die Untersuchung dabei zu den internationalen Quellen der Erforschung populärer Musikformen vor und ermöglicht einen Einblick in wissenschaftsgeschichtliche und kulturpolitische Paradigmen und deren Brüche im 20. Jahrhundert.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Die vorliegende Publikation lässt sich nicht einem der großen wissenschaftlichen ›turns‹ zuordnen. Sie erschließt Konzepte und Methoden der Cultural Studies, der Musikethnologie und der Medienkulturwissenschaft für das Verständnis populärer Musikformen. Damit eröffnet sie der Musik- und Klangforschung – nicht nur bezogen auf populäre Musikformen – neue Perspektiven.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit Musikexperten, Studierenden und studierten Musik-, Kultur- und Medienwissenschaftler/innen, Musikethnologen sowie Interessierten und Verantwortlichen in den gleichnamigen Praxis- und Politikfeldern.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Entlang konkreter Beispiele geht das Buch den Folgen technischer Speicherung (Phonographie), Bearbeitung (Sampling), Verwertung (Musikwirtschaft, Repertoire) und Aneignung (Publikum) in verschiedenen musikkulturellen Kontexten (lokal/global) nach. <<<


Susanne Binas-Preisendörfer

Klänge im Zeitalter ihrer medialen Verfügbarkeit

Popmusik auf globalen Märkten und in lokalen Kontexten

Die Digitalisierung hat die Debatten um Segnungen und Gefahren medialer Verfügbarkeit auf die gesellschaftliche Agenda gesetzt. Der freie Umgang mit kulturellen Errungenschaften der Menschheit und das erodierende Urheberrecht bestimmen die Auseinandersetzungen um die Legitimität kultureller Praktiken. Musik und Klänge stehen dabei im Zentrum – insbesondere Popmusik spielt eine dominante Rolle.
Medientechnologien und Medienunternehmen machen Musik aus jeder Zeit und von überall verfügbar und stellen – seit nunmehr etwa 100 Jahren – maßgebliche Voraussetzungen ihrer kulturellen Globalisierung dar.
Das Buch nimmt die mediale Reise eines melanesischen Wiegenliedes zum Anlass, erstmals den Folgen von technischer Speicherung, Bearbeitung und Aneignung in verschiedenen musikkulturellen Kontexten und Segmenten der Musikwirtschaft umfassend nachzugehen.


 
Autorenbild Binas-Preisendörfer, Susanne

Susanne Binas-Preisendörfer (Prof. Dr. phil.) lehrt und forscht zu »Musik und Medien« am Institut für Musik der Universität Oldenburg. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Geschichte und Theorie mediatisierter Musikformen, Musik und Globalisierung, Musikwirtschaft, Jugendkulturen und populäre Musik, Kultur- und Kunstpolitik.

Homepage:
Institut für Musik, Uni Oldenburg

»Dieses Buch [ragt] in Bezug auf methodisches Vorgehen, Systematik und Interdisziplinarität aus den derzeitigen deutschen Publikationen zu Themen der Populärmusik [heraus] und [sollte] eine wichtige Referenz sowie Ausgangspunkt für weitere Forschungsvorhaben auf diesem Gebiet sein.«
Thomas Wilke, MEDIENwissenschaft, 2 (2011)
»Der von Schmalspurdenkern diskreditierte Begriff der Multikulturalität bekommt durch die überarbeitete Habilitationsschrift von Susanne Binas-Preisendörfer menschliche und kulturelle Züge, die Hoffnung machen auf eine andere Zukunft mit anderen Formen und sogar anderen Wurzeln zeitgenössischer Musik.«
Rainer B. Jogschies, Kulturpolitische Mitteilungen, 132/1 (2011)
»Susanne Binas-Preisendörfers Buch ist eine umfangreiche Analyse der globalen Aspekte populärer Musikkultur. Der Autorin gelingt es ihr komplexes Thema sachgerecht und dennoch gut lesbar zu sezieren, Denkanstöße zu geben und klarzustellen, dass sie letzten Endes über eine Entwicklung schreibt und damit nur ein Augenblicksurteil abgeben kann für Veränderungen, von denen man kaum absehen kann, wie sie weitergehen.«
Wolfram Knauer, www.jazzinstitut.de, 2 (2011)
Besprochen in:

Dissonance, 114/6 (2011), Dieter Ringli

Musikwissenschaft, Medienwissenschaft, Musikethnologie, Postcolonial Studies, Musikwirtschaft, Kulturpolitik

Musik zum Buch:



Print 27,80 €

07/2010, 280 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-1459-6

Artikel-Nr.: 1459

-1459-6: Binas-Preisendörfer, Klänge im Zeitalter

Popmusik auf globalen Märkten und in lokalen Kontexten

 

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E-Book 24,99 €

PDF-Download, 1,71 MB
03/2014, 280 Seiten
ISBN 978-3-8394-1459-0

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