Autoreninterview

... mit Thomas Ernst

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Politische Literaturen sowie öffentliche Aufrufe von Autoren waren im 20. Jahrhundert sowohl ein... >>>
... mit Thomas Ernst

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Politische Literaturen sowie öffentliche Aufrufe von Autoren waren im 20. Jahrhundert sowohl ein wichtiges Element demokratischer Meinungsbildung als auch eine wichtige soziale Funktion der Literatur. Seit einigen Dekaden steht jedoch in Frage, ob und – wenn überhaupt – wie literarische Texte und engagierte Autoren gesellschaftlich wahrgenommen werden. Meine Untersuchung versucht, in einer neuen Weise dieses Verhältnis von politischer Literatur, Intellektuellen und Gesellschaft zu fassen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Ich beschreibe den Paradigmenwechsel von einer engagierten zu einer subversiven Literatur. Das Buch problematisiert historische Begriffe und Theorien, die bislang zur Beschreibung einer ›politischen Literatur‹ genutzt werden. Im Gegensatz dazu differenziere ich vier Diskurse der Subversion und zeige, wie diese in literarischen Texten archiviert, reflektiert und ironisiert werden. Zudem können sich literarische Texte selbst als Sprachexperiment, als minoritäre Distinktion, als Dekonstruktion oder als revolutionäres Manifest in Diskurse der Subversion einschreiben.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Die Studie hilft, den bestehenden Kanon ›politischer Literatur‹ und ›intellektueller Rede‹ zu problematisieren und den Blick auf Formen subversiver Literatur zu erweitern. Zudem stellt sie der Literaturwissenschaft ein methodologisches Instrumentarium bereit, das die Vorstellung einer ›direkten Wirkung‹ eines ›Leitmediums Literatur‹ angemessen relativiert. Auf dieser Basis kann die umstrittene Frage, was politisches Schreiben in der Gegenwart noch bedeuten kann, differenziert untersucht werden.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit engagierten Autorinnen der Gegenwart wie Tanja Dückers und Juli Zeh; mit engagierten älteren Autoren wie Hans Magnus Enzensberger und Günter Grass; mit Theoretikern der Subversion wie Judith Butler, Antonio Negri und Slavoj Zizek; mit subversiven Autorinnen der Gegenwart wie Elfriede Jelinek, Kathrin Röggla und Yoko Tawada; mit subversiven Autoren der Gegenwart wie Thomas Meinecke, Florian Neuner und Zé do Rock; mit Vertretern der Literaturkritik vom FAZ-Feuilleton bis zur Titanic-Redaktion.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Literatur schreibt noch immer die Enden der Geschichten um und tritt dabei in ein produktives Verhältnis zu Diskursen der Subversion. <<<


Thomas Ernst

Literatur und Subversion

Politisches Schreiben in der Gegenwart

Es ist bis heute eine höchst umstrittene Frage, ob und wie literarische Texte als eine Form politischen Schreibens betrachtet werden können. In einer kritischen Auseinandersetzung mit historischen und theoretischen Konzepten entwickelt Thomas Ernst hierzu ein komplexes literatur- und kulturwissenschaftliches Analysemodell für die Gegenwart, das von einem differenzierten Begriff der Subversion ausgeht.
Mit diesem Instrumentarium gelingt es, drei exemplarische Felder der politischen Gegenwartsprosa – die »avancierte Popliteratur« (Meinecke), die »minoritäre Literatur« (Zaimoglu) und die »Untergrundliteratur« (Social Beat) – auf ihre subversiven und ästhetischen Potenziale und Aporien hin zu untersuchen.


 
Autorenbild Ernst, Thomas

Thomas Ernst (Dr. phil.) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Duisburg-Essen in den Bereichen Literaturwissenschaft und Medienpraxis. Seine Forschungsschwerpunkte sind Literatur-, Kultur- und Medientheorien sowie deutschsprachige, interkulturelle und multilinguale Literaturen und die Neuen Medien.

Homepage:
Thomas Ernst: www.thomasernst.net

»Ausgehend von einer Begriffsgeschichte der Subversion, besticht [die] Arbeit somit nicht nur durch den analytischen Teil, sondern auch durch die Beantwortung methodologischer Fragen, die die Eignung von Literatur- und Kulturtheorien zur Auseinandersetzung mit subversiven Konzepten in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur betreffen.«
Michael Preidel, Kritische Ausgabe, 27 (2014)
»Ernst legt eine Arbeit vor, deren Methode zur Nachahmung und Weiterverarbeitung in Schulen, Universitäten und im Privaten zu empfehlen ist.«
Astrid Henning, Das Historisch-Politische Buch, 62/2 (2015)
»Verdienst der voluminösen Arbeit ist es [...], mit Nachdruck darauf aufmerksam zu machen, dass es jenseits der ›üblichen Verdächtigen‹ Positionen der Gegenwartsliteratur gibt, die nicht auf den ersten Blick als engagiert, aufklärerisch, kritisch, eingreifend erscheinen, und es dennoch verdienen, als zeitgenössische Ansätze politischen Schreibens wahrgenommen und diskutiert zu werden.«
Charis Goer, KultuRRevolution, 1 (2015)
Besprochen in:

GERMANISTIK, 55/3-4 (2014)

Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaft, Medienwissenschaft, Sozial- und Geisteswissenschaften, Gender Studies, Philosophie, Politikwissenschaft

Print 39,99 €

01/2014, 570 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-1484-8

Artikel-Nr.: 1484

-1484-8: Ernst, Literatur und Subversion

Politisches Schreiben in der Gegenwart

 

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06/2014, 570 Seiten
ISBN 978-3-8394-1484-2

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