Autoreninterview

... mit Jan-Felix Schrape,
1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Zahlreiche Bücher drehen sich um die kommunikativen Transformationspotentiale des Internets.... >>>
... mit Jan-Felix Schrape,
1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Zahlreiche Bücher drehen sich um die kommunikativen Transformationspotentiale des Internets. Nur wenige Bücher beschäftigen sich hingegen mit der Frage, welche Konfigurationen schnellen Veränderungen entgegenstehen könnten. Dieser Band holt dies mit Blick auf die gesellschaftliche Wirklichkeitsbeschreibung nach, verfolgt dabei eine systemtheoretische Perspektive und will trotzdem auch für Nicht-Soziologen lesbar bleiben.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Mein Buch ist ein Plädoyer für eine differenzierte Sicht auf die Prozesse sozialer Realitätskonstruktion: Die Online-Techniken steigern ohne Zweifel die Effizienz auf allen Kommunikationsebenen, aber sie entbinden weder den Einzelnen noch die gesellschaftlichen Funktionszusammenhänge von der Notwendigkeit zur Komplexitätsreduktion. Wenn die Gesellschaft auf eine geteilte Wirklichkeitsbeschreibung angewiesen ist, bleibt die Luft auf dieser Ebene dünn, denn nur weniges kann gesellschaftsweit verbreitet werden. So etwas wie die ›Massenmedien‹ wird es also noch lange geben.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Neue kommunikationstechnische Entwicklungen provozieren seit jeher weitreichende Veränderungsvisionen, weil oft allzu schnell die Erfahrungen der frühen Nutzer neuer Kommunikationsmöglichkeiten auf die Gesamtbevölkerung übertragen werden. Die Soziologie sollte derartige Wandlungsprozesse möglichst unaufgeregt aus einer übergreifenden Langzeit-Perspektive beobachten. Das aber geschieht meinem Eindruck nach viel zu selten. Dieser Band möchte einen kleinen Beitrag dazu leisten.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit den vielzitierten Internet-Evangelisten und allen Surfern, Netzwerkern, Graswurzeljournalisten, Onlinern und Offlinern. Und da die Frage im Konjunktiv gestellt ist: Gerne auch mit Niklas Luhmann und Norbert Elias.

5. Ihr Buch in einem Satz:
›Die Realität der Massenmedien‹ – reloaded und im Zeitalter des Web 2.0 theoretisch, historisch und empirisch begründet (jedenfalls hoffe ich das). <<<


Jan-Felix Schrape

Neue Demokratie im Netz?

Eine Kritik an den Visionen der Informationsgesellschaft

Durchbricht das Internet die vielkritisierte Realität der Massenmedien? In aller Regelmäßigkeit wird dem Netz eine demokratisierende Kraft in der gesellschaftlichen Wirklichkeitsbeschreibung zugesprochen. Jan-Felix Schrape hinterfragt diese Visionen aus theoretischer, empirischer und historischer Sicht und unterstreicht die Notwendigkeit übergreifender Auswahlinstanzen in der sozialen Realitätskonstruktion: Die »Weisheit der Vielen« kann die massenmediale Berichterstattung nicht ersetzen. Aus erweiterter systemtheoretischer Perspektive werden mediengeschichtliche Entwicklungen und aktuelle Erhebungsergebnisse miteinander in Beziehung gesetzt, um das Veränderungspotenzial des World Wide Web möglichst unaufgeregt zu taxieren.


 
Autorenbild Schrape, Jan-Felix

Jan-Felix Schrape (Dr. phil.) arbeitet am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Stuttgart. Seine Schwerpunkte sind die Innovations- und Mediensoziologie sowie die Theorie sozialer Systeme.

Homepage:
www.gedankenstrich.org
Uni Stuttgart

»Die Studie ist aufschlussreich für Medienleute und Sozialwissenschaftler.«
Christine Weber-Herfort, Psychologie Heute, 5 (2011)
»Dem Phänomen des Web 2.0, in dem der Internetnutzer nicht mehr nur als Rezipient, sondern ebenso als Produzent von Online-Inhalten auftritt, wird insbesondere in der Demokratie- und Medienforschung zusehends mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Besonders hervorgehoben wird dabei der gesellschaftsverändernde Charakter der neuen Technologien. Schrape setzt sich damit u. a. auf Basis der Systemtheorie Niklas Luhmanns kritisch und methodisch nachvollziehbar auseinander und vergleicht das derzeit vorherrschende Nutzungsverhalten der Deutschen mit den Wunschvorstellungen der aktiven Netzgemeinde.«
Portal für Politikwissenschaft, 23.01.2011
»Mit seiner Kritik an den Utopien der Informationsgesellschaft analysiert Schrape das Verhältnis von Massenmedien und Internet in Deutschland aus systemtheoretischer Perspektive. Damit ist dem Autor ein interessanter Wurf gelungen, der dazu angetan ist, den Mythos des ›Web 2.0‹ als per se demokratisierendes Medium differenzierter zu beleuchten.«
Dr. Stefan Anderssohn, www.socialnet.de, 17.12.2010
Besprochen in:

pro ZUKUNFT, 1 (2011)
Kommune, 1 (2011), Michael Ackermann

Soziologie, Medien- und Kommunikationswissenschaft, Kognitionswissenschaft

Print 27,80 €

10/2010, 248 Seiten, kart., zahlr. Abb.
ISBN 978-3-8376-1533-3

Artikel-Nr.: 1533

-1533-3: Schrape, Neue Demokratie im Netz?

Eine Kritik an den Visionen der Informationsgesellschaft

 

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03/2014, 248 Seiten
ISBN 978-3-8394-1533-7

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