Autoreninterview

... mit Daniela Pscheida

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Am Beginn des 21. Jahrhunderts steht uns mit dem Internet ein universales Medium zur... >>>
... mit Daniela Pscheida

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Am Beginn des 21. Jahrhunderts steht uns mit dem Internet ein universales Medium zur Verfügung, das nicht nur die Art und Weise verändert, wie Menschen miteinander kommunizieren, sondern auch die Prinzipien und Konventionen der Herstellung, Weitergabe, Zugänglichmachung und Nutzung von Informationen bzw. Wissensinhalten. Hier zeichnen sich langfristig strukturelle Veränderungen ab, mit denen sich eine Gesellschaft notwendig auseinandersetzen muss, wenn sie vorausschauend handeln und handlungsfähig bleiben will. Eine systematische Auseinandersetzung mit der wissenskulturellen Bedeutung des Internet ist daher längst überfällig.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Das Wikipedia-Universum regt dazu an, Phänomene wie die Wikipedia frei von normativen Kategorien als etwas strukturell Neues zu denken, das ebenso wie das Bestehende seine Daseinsberechtigung hat. Die Wissensgesellschaft digitaler Prägung, in der wir seit einigen Jahren leben, stellt die Menschen vor Herausforderungen, die nach neuen Strategien der Bewältigung verlangen. Die Wissenskultur von morgen wird daher eine andere sein. Wir sollten das als Chance und nicht als Bedrohung verstehen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Die Wikipedia galt aufgrund ihres Erfolgs während der letzten Jahre immer als das Paradebeispiel einer kollaborativen Produktion und enthierarchisierten Kommunikation von Wissensinhalten. Von den klassischen Bildungsinstitutionen Schule und Universität wurde sie gerade deswegen stets kritisch beäugt und als Wissensquelle abgelehnt. Unbeachtet bliebt dabei jedoch, dass die Besonderheit der Wikipedia gerade nicht in einer vollkommenen Abkehr von den buchkulturellen Konventionen liegt, sondern in der Tatsache, dass sie zwei Wissensmodelle in sich vereint und insofern Seismograph des sich aktuell ereignenden wissenskulturellen Wandels ist.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Marshall McLuhan! Seine Analysen zum Zusammenhang von Medien und Gesellschaft haben mich schon immer fasziniert und letztendlich ist der ›Geist‹ seiner Gedanken ja auch in diesem Buch spürbar. Diskutieren würde ich mit ihm gern, wie er die aktuellen Entwicklungen im Kontext von Internet und Web 2.0 einschätzt.
Ein anderer spannender Diskussionspartner wäre Jimmy Wales, einer der Gründer der Wikipedia, der in der Logik des Wikipedia-Universums ja gewissermaßen als der ›Johannes Gutenberg des 21. Jahrhunderts‹ zu betrachten ist.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Wir stehen am Beginn eines wissenskulturellen Wandels, der gesellschaftlichen Umgang mit Wissen und Wissensprodukten grundlegend verändern wird. <<<


Daniela Pscheida

Das Wikipedia-Universum

Wie das Internet unsere Wissenskultur verändert

Das World Wide Web ist zu einem Medium nicht nur der Kommunikation, sondern auch der Information und Wissensaneignung geworden. Kollektiv erstellte Netzinhalte – User Generated Content – werden heute immer selbstverständlicher als Wissensquelle herangezogen.
Plattformen wie »Wikipedia« kommen dem wachsenden Bedürfnis nach aktueller, rasch zugänglicher Information offenbar besonders entgegen. Weniger wichtig scheinen hingegen Objektivität und Verlässlichkeit der dort zu findenden Wissensinhalte. Stehen wir am Beginn eines kulturellen Wandels, der den gesellschaftlichen Umgang mit Wissen und Wissensprodukten grundlegend verändern wird?
Der Band widmet sich gezielt dieser Frage nach dem wissenskulturreformerischen Potential des Internet und liefert zudem eine allgemeine theoretische Modellierung wissenskultureller Wandlungsprozesse. Ein systematischer Beitrag zur aktuellen Auseinandersetzung um die kulturelle Relevanz dieses neuen Leitmediums.


 
Autorenbild Pscheida, Daniela

Daniela Pscheida (Dr. phil.) studierte Erziehungswissenschaften, Medien- und Kommunikationswissenschaften sowie Politikwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die soziokulturellen Auswirkungen medialer Neuerungen (mit besonderem Fokus auf Internet und Web 2.0), das Verhältnis von Medien und Kultur, Medienkompetenz und E-Learning sowie die Mediennutzung der Generationen.

»Als Einstieg in die breite medienwissenschaftliche Betrachtung von Wissenskultur, aufgehängt an einer prominenten und aktuellen Diskussion, ist [die] Arbeit gut geeignet. Pscheida versteht es, in verständlicher Form Forschungsansätze, Theorien und Überlegungen aus einer Forschungspublizistik darzustellen, die aufgrund eines theorielastigen Jargons oft nur schwer zugänglich ist.
Karsten Borgmann, H-Soz-u-Kult, 29.07.2011
»Der Autorin [gelingt] ein Werk, an dem diejenigen, die sich wissenschaftlich mit dem Thema Internet beschäftigen, nicht vorbei kommen werden. Aber auch nicht jene, die gern darüber fabulieren, in welcher Weise das Internet grundlegend zur Veränderung unserer Kommunikations- und Lebensweise beiträgt. Denn mit dem vorliegenden Titel finden sie eine hervorragende wissenschaftliche Basis für ihre Aussagen, dem eine große akademische und feuilletonistische Resonanz zu wünschen ist.«
Andreas Wagenknecht, MEDIENwissenschaft, 2 (2011)
»Befindet sich die Wissenskultur der Amateure mit tatkräftiger Unterstützung der Internetplattform Wikipedia auf dem Vormarsch? Welche Folgen hat dies für die überlieferte Buch- und Lesekultur? Mit welcher Zielrichtung wird in den Feuilletons und in der Wissenschaft über die Zukunft der Wissenskultur im digitalen Zeitalter diskutiert? Antworten auf all diese Fragen findet der Leser in der gründlich recherchierten Studie von Daniela Pscheida.« Aschot Manutscharjan, Das Parlament, 30.05.2011
»Dieser informative Band aus der Reihe Kultur- und Medientheorie bietet eine systematische Auseinandersetzung mit der wissenskulturellen Bedeutung des Internet und wendet sich Plattformen wie ›Wikipedia‹ zu, kollektiv erstellten Netzinhalten, die heute immer selbstverständlicher als Wissensquelle genutzt werden.«
Oliver Neumann, www.lehrerbibliothek.de, 30.11.2010
Besprochen in:

Rheinische Post, 01.02.2011
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.01.2011
ekz-Informationsdienst, 49 (2010), Hans Rouven
pro ZUKUNFT, 1 (2011)
Communication Booknotes Quarterly, 42/3 (2011), Wolfgang Ratzek
Communication Booknotes Quarterly (CBQ), 16.08.2011

Medienwissenschaft, Kulturwissenschaft, Soziologie, Pädagogik, Philosophie

Print 29,80 €

10/2010, 522 Seiten, kart., zahlr. Abb.
ISBN 978-3-8376-1561-6

Artikel-Nr.: 1561

-1561-6: Pscheida, Das Wikipedia-Universum

Wie das Internet unsere Wissenskultur verändert

 

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03/2014, 522 Seiten
ISBN 978-3-8394-1561-0

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