Interview

... mit Ole Löding

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Songs über den Nationalsozialismus wie BAPs ›Kristallnaach‹ oder Franz Josef... >>>
... mit Ole Löding

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Songs über den Nationalsozialismus wie BAPs ›Kristallnaach‹ oder Franz Josef Degenhardts ‹Wölfe mitten im Mai‹ kennt fast jeder deutsche Musikfan. Aber wovon genau handeln sie? Welche Intention hat ein Stück wie Heinz Rudolf Kunzes ›Sex mit Hitler‹? Warum wurde Udo Jürgens' ›Vaterland‹ ein Skandal? Welche Relevanz hat das Dritte Reich noch für jüngere Künstler wie Jan Delay? Als erste Publikation bietet dieses Buch umfassende Analysen von über 60 Jahren ›Vergangenheitsbewältigung‹ in der deutschsprachigen Popmusik.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Politische Songs kommentieren ihr gesellschaftliches Umfeld unmittelbar und häufig sehr kontrovers. Gleichzeitig aber stehen sie niemals ›außerhalb der Zeit‹, sondern sind immer durch diese geprägt. Deshalb erzählt dieses Buch nicht nur eine Geschichte der politischen Popmusik in der BRD, sondern eröffnet dem Leser gleichzeitig auch neue (popmusikalische) Perspektiven auf die zeittypischen Kontroversen zum Umgang mit der NS-Vergangenheit.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Bei allen feuilletonistischen und wissenschaftlichen Kontroversen über die ›Aufarbeitung‹ der Vergangenheit wurde bislang der Beitrag der bundesdeutschen Songschreiber weitgehend übersehen. Diese Leerstelle schließt das vorliegende Buch unter Anwendung aktueller Ansätze der Literatur-, Musik-, Medien-, Pop- und Gedächtnisforschung. So kann der Song in jeglichen folgenden Debatten über die ›Zukunft der Vergangenheit‹ als relevanter Akteur mitbedacht werden.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit Rio Reiser ›jenseits von Eden‹, im ›Neuland‹ mit Herbert Grönemeyer, beim ›Balkonfrühstück‹ mit Heinz Rudolf Kunze und mit ›Jupp‹ und Wolfgang Niedecken; mit Wolf Biermann auf dem ›Hugenottenfriedhof‹, bei ›Wiener Schnitzel‹ und ›Kartoffeln‹ mit Dieter Süverkrüp und Jan Delay, in der ›Ich-Maschine‹ mit Jochen Distelmeyer und ›auf der Straße der Vergessenheit‹ mit Udo Jürgens und neben vielen anderen mit ›Rudi Schulte‹ und ›Rudi Ratlos‹.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Eine innovative Neubestimmung des deutschsprachigen Songs, eine materialreiche Auseinandersetzung mit meinungsbildenden Werken, Künstlern und Genres der Gegenwart und ein aufschlussreicher, hoffentlich zum Nachdenken anregender Einblick in 60 Jahre ›Vergangenheitsbewältigung‹ in der Popmusik der BRD. <<<


Ole Löding

»Deutschland Katastrophenstaat«

Der Nationalsozialismus im politischen Song der Bundesrepublik

Deutschsprachige Songs über den Nationalsozialismus sind ein bedeutender Bestandteil der Pop-Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Nahezu alle namhaften Songschreiber haben sich seit 1964 in die zeitgeschichtlichen Deutungskämpfe um die NS-Vergangenheit eingemischt.
Ole Löding untersucht mehr als 300 Werke von der 68er-Revolte bis zur Gegenwart und zeigt, dass der politische Song ein Seismograph ist, an dem sich der popkulturelle Umgang mit dem Dritten Reich beispielhaft ablesen lässt. Ein wichtiger Beitrag zum Stand der (musikalischen) Vergangenheitsbewältigung der Bundesrepublik Deutschland.


 
Autorenbild Löding, Ole

Ole Löding (Dr. phil.), Literaturwissenschaftler und Kulturhistoriker in Köln, war viele Jahre als Lehrender an der Universität zu Köln tätig. Seine Forschungsschwerpunkte sind populäre deutschsprachige Musik, Literatur und Politik sowie Intermedialität.

»Ob Songs die ›meistkonsumierte Literatur der Bundesrepublik‹ waren [..], sei dahingestellt. Zweifellos handelt es sich aber um eine außerordentlich breit rezipierte Quellengattung, die HistorikerInnen bisher zu wenig interessiert hat. Lödings Buch könnte einen Anstoß geben, sich in der Zeitgeschichte endlich konsequent mit den ›Massenkünsten‹ zu beschäftigen.«
Alexa Geisthövel, H-Soz-u-Kult, 27.01.2011
Besprochen in:

OX Fanzine, 4/5 (2011), Simon Brüggemann
www.literaturkritik.de, 5 (2011), Kurt Schilde
Jahrbuch des Deutschen Volksliedarchivs Freiburg, 57 (2012), Gisela Probst-Effah

Literaturwissenschaft, Musikwissenschaft, Geschichtswissenschaft, Popkulturwissenschaft sowie die interessierte Öffentlichkeit

Musik zum Buch:









Print 36,80 €

09/2010, 532 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-1567-8

Artikel-Nr.: 1567

-1567-8: Löding, »Deutschland Katastrophenstaat«

Der Nationalsozialismus im politischen Song der Bundesrepublik

 

Lieferzeit in der Regel 3-5 Werktage

 
 
 

E-Book 35,99 €

PDF-Download, 2,50 MB
03/2014, 532 Seiten
ISBN 978-3-8394-1567-2

Preise inkl. gesetzlicher MwSt.*

Weitere Titel zum Thema

Popkultur, Musik, Kulturgeschichte, Erinnerungskultur

Weitere Titel aus der Reihe

Studien zur Popularmusik