Autoreninterview

... mit Christina Antenhofer
1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Der Begriff Fetisch ist Teil unseres täglichen Sprachgebrauchs – ob wir damit einen roten... >>>
... mit Christina Antenhofer
1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Der Begriff Fetisch ist Teil unseres täglichen Sprachgebrauchs – ob wir damit einen roten Schuh benennen oder sexuelle Präferenzen etikettieren: meist geschieht dies in einer negativen Art. Dabei bezeichnete das Wort zunächst eher neutral (afrikanische) Figuren. Erst Polemiken, in denen Fetisch als Propagandabegriff zum Einsatz kam, luden ihn negativ auf. Er steht somit prototypisch für Ausgrenzungen, die in Begriffen stecken. Damit bietet das Buch nicht nur die wechselvolle Geschichte des Fetischs, sondern es sensibilisiert auch für den Gebrauch von Begriffen vor dem Hintergrund ihrer historischen Entwicklung.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Dieses Buch zeigt auf, dass der verschämte Blick beim Erwähnen des Wortes Fetisch gar nicht sein müsste. Es geht nicht darum, Menschen als Fetischisten oder Dinge als Fetische zu etikettieren, sondern vielmehr zu erkennen, dass jene Begriffe, die beunruhigen, auf die eigentlich schwelenden Problemlagen in einer Gesellschaft hinweisen. So betrachtet kann das Aufspüren von Fetischen geradezu als tracer für ›heiße‹ Fragen dienen, die noch nicht vom akademischen Diskurs beruhigt und rationalisiert wurden.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Der Fetisch steht geradezu als Beispiel für eine Wende, vielleicht sogar für einen Paradigmenwechsel: In seiner radikalsten Lesart bezeichnet er die Abkehr von einem dualistischen, strukturalistischen, am binären Zeichensystem orientierten Erkenntnismodell hin zu einer komplexen Sicht auf die Welt – die Dinge verweisen dann nicht mehr auf eine jenseits ihrer selbst liegenden Wirklichkeit. Sie sind weder Zeichen noch Symbole, sondern verweisen in erster Linie auf sich selbst.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Ich würde mein Buch am liebsten mit Claude Lévi-Strauss diskutieren. Zum einen wäre ich gespannt auf seine scharfen Einwände als Vater des Strukturalismus in Bezug auf ein Konzept, das danach trachtet, den Strukturalismus zu überwinden. Zum anderen habe ich mir selbst an seiner Formulierung, dass der Inzest nur ein kulturelles Tabu ist, die Inspiration für dieses Buch geholt. Es ist wie mit dem Kind, das auf den Kaiser ohne Kleider weist und sagt: Aber er ist ja nackt! Genau diese erfrischende und aufrüttelnde Erkenntnis von neuen Sichtweisen auf vertraute Gegebenheiten steckt für mich auch in der Umdeutung des Fetischs, wie sie dieses Buch versucht.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Dieses Buch zeichnet die Geschichte der Polemisierung des Fetischs nach und zeigt sein Potential als Spurendetektor für ›heiße‹ Themen in der Gesellschaft auf. <<<


Christina Antenhofer (Hg.)

Fetisch als heuristische Kategorie

Geschichte – Rezeption – Interpretation

Das Konzept Fetisch hat in den 500 Jahren seiner Geschichte eine Vielfalt an Bedeutungen angenommen. Gerade deshalb stößt es in verschiedenen Disziplinen auf großes Interesse. Die Beiträge des Bandes fragen aus philosophischen, psychologischen, philologischen, anthropologischen und historischen Perspektiven, inwieweit man »Fetisch« als heuristische Kategorie nutzen kann. Themen wie die christliche und spätantike Bildverehrung, die Objektkulte in afrikanischen und afroamerikanischen Religionen, marxistische und Freud'sche Interpretationen sowie die Rezeption dieser semantischen Linien in aktuellen und historischen Debatten werden dabei in die interdisziplinären Analysen einbezogen.


 
Autorenbild Antenhofer, Christina;(Hg.)

Christina Antenhofer (MMag. Dr. phil.) lehrt Geschichte mit Schwerpunkt Mittelalter und Renaissance an der Universität Innsbruck.

Homepage:
Universität Innsbruck

»Dieser informative Band leuchtet die Entwicklung des Konzepts Fetisch unmfassend aus!«
Oliver Neumann, www.lehrerbibliothek.de, 05.03.2012
Besprochen in:

Nuova Informazione Bibliografica, 2 (2012), Eleonora Caramelli

Geschichte, Philosophie, Psychologie, Soziologie, Anthropologie, Kunstgeschichte sowie die interessierte Öffentlichkeit

Print 33,80 €

11/2011, 372 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-1584-5

Artikel-Nr.: 1584

-1584-5: Antenhofer (Hg.), Fetisch als heuristische

Geschichte – Rezeption – Interpretation

 

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E-Book 32,99 €

PDF-Download, 2,50 MB
03/2014, 372 Seiten
ISBN 978-3-8394-1584-9

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