Autoreninterview

... mit Tobias Ebbrecht

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Mein Buch wirft einen anderen Blick auf ein bekanntes Untersuchungsgebiet. Ich frage nicht, ob und... >>>
... mit Tobias Ebbrecht

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Mein Buch wirft einen anderen Blick auf ein bekanntes Untersuchungsgebiet. Ich frage nicht, ob und wie man die nationalsozialistische Ermordung der Juden darstellen kann, sondern untersuche, wie sie dargestellt wird. So erhalte ich Aufschluss darüber, welche Bedeutung die visuellen Medien für das Geschichtsbewusstsein und die medial vermittelte Erinnerungskultur haben. Denn der ›Holocaust‹ ist ein stark medial vermitteltes Thema. Und die Formen seiner Darstellung entschlüssele ich in meinem Buch.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Neben ›Klassikern‹ wie ›Schindlers Liste‹ oder ›Das Leben ist schön‹ untersuche ich auch neuere Filme wie ›Die Fälscher‹ oder ›Am Ende kommen Touristen‹. Sie zeigen einen veränderten oft verfremdenden Umgang mit den Bildern, die unsere Vorstellungen vom ›Holocaust‹ prägen. Außerdem bin ich darauf gestoßen, dass viele neuere deutsche Filme über den Nationalsozialismus Bilder und Narrative aus Filmen über den Holocaust imitieren, um die deutsche Bevölkerung als Opfer von Krieg und Naziterror darzustellen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Das Thema ist bereits vielfältig bearbeitet worden und in den letzten Jahren hat sich der Fokus stärker auf Fragen der Erinnerung und Tradierung von vergangenen Ereignissen verschoben. Ich nehme solche Ansätze auf und versuche sie mit der spezifisch filmischen Formgebung zu verknüpfen, um so auch die Geschichtlichkeit der Darstellungsformen herauszuarbeiten. Dabei zeigt sich ein Netz von Zitaten und Nachbildungen bekannter und unbekannter Vorbilder (älterer Filme, Zeugenberichte, Fotografien etc.).

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Ich würde das Buch gerne mit Claude Lanzmann, dem Regisseur von ›Shoah‹ diskutieren, denn sein Film ist in gewisser Weise das radikale Gegenstück zu den Darstellungsformen, die ich untersuche. Er versuchte, die kanonisierten Vorstellungen des Publikums zu unterlaufen, und damit auch die Abgeschlossenheit der Vergangenheit in Frage zu stellen. Trotzdem ist auch sein Film zu einem Vorbild für spätere fiktionale Nachbildungen in Filmen über den ›Holocaust‹ geworden.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Eine Untersuchung über die prägende Rolle, die visuelle und narrative Medien für unsere Vorstellungen von der Vergangenheit spielen. <<<


Tobias Ebbrecht

Geschichtsbilder im medialen Gedächtnis

Filmische Narrationen des Holocaust

Aus den vielfältigen Film- und Fernsehproduktionen über die Zeit des Nationalsozialismus und den Holocaust speist sich ein mediales Gedächtnis, das prägend auf unsere Vorstellungen von der Vergangenheit zurückwirkt.
Tobias Ebbrecht zeigt, dass neuere Filme über den Holocaust einem Verfahren der Nachbildung von früheren Filmen oder historischen Dokumenten über diese Ereignisse folgen. Dabei bilden sich Erzählmuster und Geschichtsbilder heraus, die vielfach wiederholt werden und sich dabei auch aus dem Kontext des Holocaust ablösen und in filmische Geschichtsfiktionen über den Nationalsozialismus einwandern.
Die Analysen des Buches eröffnen neue Perspektiven sowohl für die wissenschaftliche Auseinandersetzung als auch für den Einsatz solcher Filme im Unterricht und in der Bildungsarbeit.


 
Autorenbild Ebbrecht, Tobias

Tobias Ebbrecht (Dr. phil.) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Bauhaus-Universität Weimar und Postdoktorand im Graduiertenkolleg »Mediale Historiographien«. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Erinnerung an Holocaust und Nationalsozialismus in Film und Fernsehen, deutsche und internationale Filmgeschichte sowie Dokumentarfilm und Dokudrama.

»Tobias Ebbrecht ist es mit seiner Studie gelungen, die Hypertextualität – also die Beziehungen – zwischen den Filmen aufzuzeigen. Seine Analyse besticht dabei durch das Heranziehen einer breiten internationalen Filmbasis.«
Martin Stallmann, Rundfunk und Geschichte, 1-2 (2013)
»Ebbrechts Studie zeichnet sich aus durch pointierte Urteile, die durchweg auf Basis der Filmanalysen dicht am Material gut nachvollziehbar belegt werden.
Kommende Arbeiten zu dem Thema [...] können auf dieser richtungsweisenden Publikation aufbauen.«
Matthias Steinle, H-Soz-u-LKult, 06.11.2012
»Anregende Untersuchung.«
Kurt Schilde, Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 7/8 (2012)
»Die Lektüre des Buches eröffnet Perspektiven sowohl für die wissenschaftliche Analyse als auch für den Einsatz entsprechender Filme in der pädagogischen Praxis.«
Susanne Krucsay, medienimpulse, 1 (2012)
»Eine wichtige und lesenswerte Einführung zur aktuellen Frage nach der Darstellbarkeit von Geschichte im Film.«
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.03.2012
»Eine sehr fundierte kulturwissenschaftliche Abhandlung zu einem geschichtskulturell äußerst präsenten Thema.«
Christian Heuer, geschichte für heute, 2 (2012)
»Ausgezeichnete, schlüssig argumentierte Studie.«
Brad Prager, Filmblatt, 46/47 (2011/12)
»Scharfsinnige Analysen.«
Linda Maria Koldau, Das Historisch-Politische Buch, 59/6 (2011)
»Methodisch reflektiert und theoretisch informiert.«
Jan Süselbeck, www.literaturkritik.de, 7 (2011)
Besprochen in:
GMK-News, 3 (2011)
IDA-NRW, 1 (2011)
MEDIENwissenschaft, 1 (2013), Matthias Steinle

Film- und Medienwissenschaft, Kulturwissenschaft, Geschichtswissenschaft, Geschichtsdidaktik (Geschichts- und Deutschlehrer)

Print 29,80 €

02/2011, 356 Seiten, kart., zahlr. Abb.
ISBN 978-3-8376-1671-2

Artikel-Nr.: 1671

-1671-2: Ebbrecht, Geschichtsbilder im medialen

Filmische Narrationen des Holocaust

 

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03/2014, 356 Seiten
ISBN 978-3-8394-1671-6

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