Interview

... mit Markus Gamper

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
In der Debatte über Muslime rücken verstärkt Frauenrechtsfragen wie das Kopftuch,... >>>
... mit Markus Gamper

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
In der Debatte über Muslime rücken verstärkt Frauenrechtsfragen wie das Kopftuch, Zwangsehen oder Ehrenmorde in den Vordergrund. Hingegen bleiben kollektive Identitäts- und Anerkennungspolitiken muslimischer Frauen weitergehend unberücksichtigt. Mein Buch befasst sich mit der Identität muslimischer Frauen und dem selbstverständlichen Ineinandergehen von Gender- und religiösen Fragen. Es zeigt, wie sich Frauen gegen Stigmatisierung sowohl in der deutschen als auch in der patriarchalisch-muslimischen Gesellschaft wehren.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Meine soziologische Studie wirft einen differenzierten Blick auf ein noch wenig erforschtes und in der Öffentlichkeit selten diskutiertes Phänomen des Islam. Das Buch macht deutlich, dass auch in Deutschland eine islamische Frauenbewegung existiert, die sich von anderen islamischen, aber auch feministischen Bewegungen unterscheidet und eine neue muslimische Identität konstruiert. Gleichzeitig wird deutlich, wie Vereine die Frauenrechte und das Selbstverständnis der Frauen stärken.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Mein Ansatz geht über die individuelle Identitätspolitik hinaus und entwirft ein erstes Bild von der kollektiven Dimension widerständiger Identitätsentwürfe und -strategien von in Frauenvereinen tätigen Muslima. Damit zeige ich, wie sie Genderaspekte und Islam zu hybriden Identitäten verbinden, wie diese im Alltag gelebt werden und auf welche Widerstände sie dabei stoßen. Ich verbinde hierzu Ansätze der ›Cultural Studies‹ und ›Postcolonial Studies‹ mit einem empirischen Vorgehen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit allen die das Thema Islam interessiert. Rein wissenschaftlich bietet das Buch anregende Einblicke für Soziologen/-innen, Kulturwissenschaftler/-innen, Politikwissenschaftler/-innen und Pädagogen/-innen. Im Angesicht der aktuellen Islamdebatte würde ich das Buch gerne mit Angehörigen der Deutschen Islam Konferenz oder speziell mit Islamkritikern wie beispielsweise Thilo Sarrazin und Hans-Peter Friedrich besprechen.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Eine triangulative Analyse zu den Themen Gender, Religiosität und hybride Identitäten von Frauen in muslimischen Frauenvereinen. <<<


Markus Gamper

Islamischer Feminismus in Deutschland?

Religiosität, Identität und Gender in muslimischen Frauenvereinen

Die deutsche Integrationsdebatte über den Islam wird in den letzten Jahren vom Thema »Unterdrückung der muslimischen Frau« dominiert. Erfahrungsberichte zeigen, dass androzentrische Strukturen auch in Deutschland immer noch religiös begründet werden. Auf der anderen Seite jedoch offenbaren Einzelfallstudien, dass sich Muslima durch intensive Beschäftigung mit ihrer Religion emanzipieren und nicht mehr nur als unterdrückte Wesen wahrgenommen werden möchten. Sie schließen sich in selbstorganisierten Gemeinschaften zusammen, um ihrer feministischen Haltung Rückhalt zu verleihen. Markus Gamper beleuchtet die neuen Formen der Zusammenschlüsse in Deutschland und zeichnet ein erstes Bild dieser Frauen und ihrer Vereine.
Das Buch bietet erkenntnisreiche Einblicke in eine bisher zu wenig beleuchtete Facette gelebter muslimischer Praxis.


 

Markus Gamper (Dr. phil.) ist am Institut für vergleichende Bildungsforschung und Sozialwissenschaften im Bereich Erziehungs- und Kultursoziologie an der Universität zu Köln beschäftigt.

Homepage:
Markus Gamper: www.forschungscluster.uni-trier.de
Markus Gamper: www.netzwerk-exzellenz.uni-trier.de

»Gampers Buch [bietet] eine gute Übersicht über unterschiedliche muslimische Frauenvereine in Deutschland und lässt erfreulicherweise eine Auswahl von Musliminnen für sich selbst sprechen.«
Luay Radhan, DAVO 36/37 (2014)
»Die Arbeit gibt interessante und anschauliche Einblicke in das Selbstverständnis und die Arbeit von muslimischen Frauenverbänden in Deutschland.«
Katharina Liebsch, Soziologische Revue, 35 (2012)
»Die Studie ist aufgrund ihrer Strukturiertheit sowie klaren Sprache sehr gut lesbar und widmet sich mit der Untersuchung von muslimischen Frauenvereinen einem Forschungsdesiderat. Die kritische Darstellung der verschiedenen Aspekte der Islamforschung muss positiv herausgehoben werden.«
Charlotte Binder, querelles-net.de, 4/12 (2011)
»Ein wichtiger Beitrag zur Religionssoziologie, der [...] eine bislang wenig betrachtete Ebene zivilgesellschaftlicher Organisation erhellt – die Vereinsebene.
Ein zentraler Beitrag zum besseren Verständnis unserer Mitmenschen aus islamischen Glaubensgemeinschaften und deshalb nicht nur für das Fachpublikum lesenswert.«
Isabelle Roth, www.socialnet.de, 26.10.2011
Besprochen in:

Zeitschrift für Sozialpädagogik, 9/4 (2011), Annett Kupfer
www.antjeschrupp.com, 09.06.2011, Antje Schrupp
IDA-NRW, 2 (2011)
Medienspiegel der Deutsch-Maghrebinischen Gesellschaft, 6 (2011)
an.schläge, 10 (2011), Birge Krondorfer
Phase 2, 42/5 (2012), Justin Monday

Soziologie, Pädagogik, Politikwissenschaften, Geschlechterforschung, Islamforschung

Print 29,80 €

05/2011, 354 Seiten, kart., zahlr. Abb.
ISBN 978-3-8376-1677-4

Artikel-Nr.: 1677

-1677-4: Gamper, Islamischer Feminismus

Religiosität, Identität und Gender in muslimischen Frauenvereinen

 

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03/2014, 354 Seiten
ISBN 978-3-8394-1677-8

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