Auszeichnung:
Ausgezeichnet mit dem Promotionspreis 2010 der Universität Leipzig und dem Christiane Rajewsky-Preis 2012 der Arbeitsgemeinschaft Friedens- und Konfliktforschung (AFK).
Zudem war Silja Klepp nominiert für den Deutschen Studienpreis der Körber-Stiftung.

Autoreninterview

... mit Silja Klepp

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Mein Buch fängt die Situation im Grenzraum Mittelmeer dank der verwendeten ethnologischen Methoden sehr lebendig ein.... >>>
... mit Silja Klepp

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Mein Buch fängt die Situation im Grenzraum Mittelmeer dank der verwendeten ethnologischen Methoden sehr lebendig ein. Die unterschiedlichen Perspektiven, die von den Sicherheitsbeamten von Frontex bis zu den Migranten reichen, machen klar, dass es keine eindimensionale, einfache Wahrheit im Grenzraum gibt. Die Akteure unterliegen Handlungszwängen und wählen eigene Handlungsoptionen, die im Buch konkret beschrieben werden und die auf dem Mittelmeer tödlich enden können.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Eine Innenperspektive auf den Grenzraum Mittelmeer wurde in dieser Weise noch nicht vorgelegt. Das Buch erlaubt seltene Einblicke in das Leben von Migranten in Libyen, in die Welt der italienischen und maltesischen Marine und in die Haftzentren in Süditalien und auf Malta. Theoretische Perspektiven der ›legal anthropology‹ zeigen undemokratische Entwicklungen im EU-Recht auf, die fernab der offiziellen Institutionen der Mitgliedsländer von statten gehen und Rechtsbildungsprozesse in den Grenzraum verlagern.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Im Bereich der EU-Flüchtlingspolitik und an den EU-Außengrenzen wird mehr Transparenz bezüglich von Praxis und Handlungslogik geschaffen. Diese werden in das gesamteuropäische Geschehen eingeordnet. Akteure und Politiken verschiedener Ebenen werden aufeinander bezogen und Wechselwirkungen herausgearbeitet. Es wird gezeigt, dass auch vermeintlich peripher gelegene Länder und Akteure vor Ort machtvoll in EU-Rechtsbildungsprozesse eingreifen können. Damit werden überraschende Entwicklungen im EU-Recht deutlich.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Gerne diskutiere ich mit der breiten Öffentlichkeit, wie in Zukunft Abgrenzung und der Grenzraum in der EU aussehen sollen: Möchten wir eine EU, die auch von undemokratischen Prozessen bestimmt und z.B. auf Grund von unfairen ›terms of trade‹ immer mehr zu einer gesicherten Insel wird? Oder wollen wir an einer offenen, transparenten europäischen Gesellschaft bauen?! Mit Juristen würde ich den breiten theoretischen Blick des Buches auf Rechtsbildungsprozesse erörtern und sie davon überzeugen, dass nicht nur Experten Recht schaffen.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Eine spannende Innenansicht auf die Praktiken der Mittelmeergrenze und ihre zentralen Akteure und Politiken. <<<


Silja Klepp

Europa zwischen Grenzkontrolle und Flüchtlingsschutz

Eine Ethnographie der Seegrenze auf dem Mittelmeer

Die Außengrenzen sind zu einem umkämpften Raum der EU-Politik zwischen Grenzkontrollen und Flüchtlingsrechten geworden. Silja Klepp stellt diese Aushandlungskämpfe in einer Ethnographie der Seegrenze dar. Forschungsreisen entlang der Küsten von Libyen, Italien und Malta verbinden sich zu einem einzigartig dichten Blick auf die Zwänge und Handlungslogiken der Akteure im Grenzraum. Auf der Spur der Flüchtlinge von Süden nach Norden werden die Lage der Migrantinnen in Libyen, die Grenzschutzagentur Frontex und die Verhältnisse auf See sowie schließlich Haftzentren und andere Grenzeinrichtungen in den Ankunftsorten Malta und Süditalien illustriert und auf die europäische Politik rückbezogen.
Eine intensive Perspektive auf einen umstrittenen Teil der europäischen Außenpolitik.


 
Autorenbild Klepp, Silja

Silja Klepp (Dr. phil.) arbeitet am artec – Forschungszentrum Nachhaltigkeit der Universität Bremen. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Rechtsethnologie, Flucht und Migration sowie soziale Aushandlungsprozesse im Kontext des Klimawandels.

Homepage:
www.artec.uni-bremen.de
www.siljaklepp.de

Besprochen in:
Portal für Politikwissenschaft, 3 (2012), Sabine Steppat
terra cognita, 20 (2012)

Ethnologie, Politikwissenschaft, Soziologie, Rechtswissenschaft und die an diesem politisch aktuellen Thema interessierte Öffentlichkeit

09/2011, 428 Seiten,
kart.
ISBN 978-3-8376-1722-1

Artikel-Nr.: 1722

-1722-1: Klepp, Europa zwischen Grenzkontrolle

Eine Ethnographie der Seegrenze auf dem Mittelmeer

 

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