Interview

... mit Anil Al-Rebholz

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
In meinem Buch behandle ich Fragestellungen, wie etwa der Militärputsch von 1980 die... >>>
... mit Anil Al-Rebholz

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
In meinem Buch behandle ich Fragestellungen, wie etwa der Militärputsch von 1980 die Gesellschaft in der Türkei verändert hat, wie die Verbreitung des Zivilgesellschaftsdiskurses zu verstehen und wie das Aufkommen neuer sozialer Bewegungen in der Türkei nach 1980 zu erklären wäre. Dies sind grundsätzliche Fragen, die meine Generation, aber auch Folgegenerationen bewegen. Mein Buch bietet einerseits – angelehnt an den Gramscianischen Hegemonieansatz und die kritische Diskursanalyse – einen Erklärungsansatz für diese Fragen an. Andererseits wird mit Hilfe der Bewegungs- und Biografieforschung die Perspektive der oppositionellen Akteure/-innen in den Blick genommen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Oft wird die Türkei in öffentlichen Debatten und in wissenschaftliche Diskussionen entlang bipolarer Sichtweisen wie europäisch-nichteuropäisch, säkular-religiös, autoritär-demokratisch, modern-traditionell wahrgenommen und diskutiert. Das Buch überwindet diese bipolaren Sichtweisen und begreift die Richtung des gesellschaftlichen Wandels sowohl auf der strukturellen Ebene des Staates und der Politik wie auch auf der Handlungsebene sozialer Akteure/-innen mit Blick auf deren diskursive und politische Praxen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Das im Buch entwickelte hegemonietheoretische Modell des gesellschaftlichen Wandels in der Türkei trägt nicht nur zu einem besseren Verständnis der aktuellen Entwicklungen in türkischer Gesellschaft und Politik bei, es bietet einen umfassenden Kompass für weiterführende Forschungsfelder und Fragestellungen entlang der Achsen des gesellschaftlichen Wandels.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit dem italienischen Theoretiker Antonio Gramsci hätte ich gerne über ›Gegenhegemonie‹, ›Opposition‹ und ›Widerstand‹, mit dem Soziologen Zygmunt Baumann über die ›Aufgaben der Intellektuellen‹, mit dem Philosophen Karl Mannheim über die ›gesellschaftlichen Bedingungen der Wissensproduktion‹ diskutiert.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Mein Buch begreift den gesellschaftlichen Wandel der letzten drei Dekaden in der Türkei im Rahmen der Transformation hegemonialer Verhältnisse und Änderungen in der gesellschaftlichen Kräfteverteilung, ohne den auch die Transformation der Praxen oppositioneller Politik nicht adäquat verstanden werden kann. <<<


Anil Al-Rebholz

Das Ringen um die Zivilgesellschaft in der Türkei

Intellektuelle Diskurse, oppositionelle Gruppen und Soziale Bewegungen seit 1980

Der Zivilgesellschaftsdiskurs wurde in der Türkei nach dem Militärputsch von 1980 populär. Anil Al-Rebholz fragt, ob das Aufkommen dieses Diskurses als Hinweis auf die Herausbildung von Zivilgesellschaft in der Türkei verstanden werden kann. Dabei wird die politisch-diskursive Praxis vier oppositioneller Gruppen untersucht. In den Interviews mit öffentlich bekannten Intellektuellen sowie mit den Protagonistinnen und Protagonisten dieser Bewegungen wird die Transformation der gesellschaftlichen Wissensproduktion und der politischen Praxis aufgezeigt. Jenseits kulturalistischer und orientalistischer Ansichten wird ein hegemonietheoretischer Ansatz entwickelt, der neue Perspektiven auf die gesellschaftliche Transformation in der Türkei der letzten 30 Jahre ermöglicht.


 
Autorenbild Al-Rebholz, Anil

Anil Al-Rebholz (Dr. phil.) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Cornelia Goethe Centrum für Frauenstudien und die Erforschung der Geschlechterverhältnisse der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Transnationalisierung, Migration und Geschlecht sowie Politische Soziologie und Wissensproduktion.

»Al-Rebholz ermöglicht mit ihrer Publikation einen Zugang zu akademischen und politischen Debatten in der heutigen Türkei – gerade auch für nicht-türkisch sprachige Leser_innen. Es gelingt ihr besonders durch die detaillierte Darstellung der Interviews, ein anschauliches Bild von oppositioneller Politik in der Türkei zu entwerfen.«
Charlotte Binder, Femina Politica, 2 (2013)
»Das Werk [bietet] einen exzellenten Beitrag zu einer neueren Lesart des Staat-Zivilgesellschaft-Verhältnisses in der Türkei, die mithilfe hegemonietheoretischer Ansätze die Dichotomie von repressivem Staat vs. demokratischer Zivilgesellschaft infrage stellt.«
Ayse Esra Dursun, Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft, 2 (2013)
»Eine wertvolle Erkenntnisquelle über die türkische Gesellschaft.«
Ingo Arend, taz, 01.08.2013
»Der Begriff der Zivilgesellschaft [erfährt] eine spannende funktionale beziehungsweise instrumentelle Umdeutung.
Gerade in dieser – von Al-Rebholz auf beeindruckende Weise vorgeführten und theoretisch begründeten – Wendung liegt so viel Brisanz, dass eine weiterführende Diskussion auf Basis ihres Buches unbedingt angezeigt ist.«
Matthias Lemke, www.pw-portal.de, 04.06.2013
Besprochen in:

Stiftung für Türkeistudien und Integrationsforschung, 24.06.2013, Caner Aver
Zeitschrift für Politik, 4 (2013), Georg F. Simet
Deutschlandradio Kultur – Radiofeuilleton, 18.07.2013, Ingo Arend

Soziologie, Politikwissenschaft, Gender Studies, Türkeistudien

Print 33,80 €

01/2013, 406 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-1770-2

Artikel-Nr.: 1770

-1770-2: Al-Rebholz, Das Ringen um die Zivilgesellschaft

Intellektuelle Diskurse, oppositionelle Gruppen und Soziale Bewegungen seit 1980

 

Lieferzeit in der Regel 3-5 Werktage

 
 
 

E-Book 32,99 €

PDF-Download, 2,06 MB
03/2014, 406 Seiten
ISBN 978-3-8394-1770-6

Preise inkl. gesetzlicher MwSt.*

Weitere Titel zum Thema

Politik, Zivilgesellschaft

Weitere Titel aus der Reihe

Kultur und soziale Praxis