Interview

... mit Franco Barrionuevo Anzaldi

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Das Buch gewährt einen kritischen Einblick in ein global bedeutsames... >>>
... mit Franco Barrionuevo Anzaldi

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Das Buch gewährt einen kritischen Einblick in ein global bedeutsames Kulturphänomen der Gegenwart. Hierbei ist es vor allem die ›verruchte‹ Tangogeschichte, die mittlerweile eine große Faszination in der Öffentlichkeit ausübt. Sie wird dabei vielerorts immer wieder überliefert. Aber es wird selten danach gefragt, woher wir unser Wissen um jene Geschichte eigentlich herhaben. Woher stammt das, was wir über den Tango meinen zu wissen? Mein Buch setzt genau an dieser Stelle an.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Seine besondere Perspektive ergibt sich vor allem aus der Verknüpfung von ansonsten isoliert betrachteten Themenfeldern: Für mich zeigt das Buch auf, wie Intellektuelle auf eine damals marginalisierte Tanzkultur zurückgreifen, um politischen Widerstand auszuüben; wie sie jedoch damit Gefahr laufen, dem Populismus in die Arme zu fallen; und schließlich, wie ihre gesellschaftsentzweiende Geschichtsdeutung bis heute noch als argentinische Nationalgeschichte fortlebt.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Indem das Buch die komplexe Verquickung zwischen populärer Kultur, intellektueller Wissensproduktion und Politik aufgreift, knüpft es auf einer theoretischen Ebene vor allem an die gegenwärtigen Diskussionen um den Begriff ›des Politischen‹ an. Statt jedoch auf einer normativen Theorieebene zu verbleiben, stellt mein Buch den Versuch dar, dem Politischen vielmehr empirisch, anhand der Analyse eines historischen Einzelfalles, auf die Spur zu kommen ...

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Natürlich mit allen Tangoambitionierten. Aber vor allem auch mit denjenigen, die sich allgemein und theoretisch für die gesellschaftsherausfordernde Nahtstelle zwischen Kultur und Politik interessieren.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Letztendlich, möchte mein Buch die politische Ernsthaftigkeit einer scheinbar harmlos anmutenden Tanzkultur zum Ausdruck bringen. <<<


Franco Barrionuevo Anzaldi

Politischer Tango

Intellektuelle Kämpfe um Tanzkultur im Zeichen des Peronismus

Was gilt als »echter« Tango? Wer sind seine Heldenfiguren? Und vor allem: Was sagt er über das Wesen der argentinischen Kultur aus?
In einer historischen Spurensuche fragt dieses Buch nach den politischen Entstehungs- und Wirkungsbedingungen der widersprüchlichen Geschichtserzählungen, die das nationalpopuläre argentinische Tangowissen begründen. Es zeigt auf, dass ein wesentlicher Teil von dem, was wir heute über den Tango wissen, von argentinischen Intellektuellen in den 1960er Jahren überliefert worden ist. Die damals entstandene Tangoliteratur dokumentierte eine politische Neuverortung: Tango avancierte zu einem kulturellen Feld, innerhalb dessen der vormächtige Nationalkonflikt um den Peronismus von Seiten der Intellektuellen ausgetragen werden konnte.


 
Autorenbild Barrionuevo Anzaldi, Franco

Franco Barrionuevo Anzaldi (Dipl.-Pol.) hat Politikwissenschaft an der Universität Hamburg und an der Universidad Torcuato Di Tella (Argentinien) studiert. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Kultur, Medien und Gesellschaft an der Universität Hamburg. Seine derzeitigen Arbeitsschwerpunkte sind: Stadt- und Raumsoziologie, Urbane Tanzkultur und Tourismus.

Politikwissenschaft, Cultural Studies, Tanzwissenschaft, Ethnologie, Soziologie, Kulturwissenschaften, Geschichte, Lateinamerikastudien

Print 23,80 €

12/2011, 168 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-1794-8

Artikel-Nr.: 1794

-1794-8: Barrionuevo Anzaldi, Politischer Tango

Intellektuelle Kämpfe um Tanzkultur im Zeichen des Peronismus

 

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03/2014, 168 Seiten
ISBN 978-3-8394-1794-2

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