Interview

... mit Andreas Zangger

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Eine Reaktion auf die wachsende Mobilität und auf die heutigen Krisen der globalen... >>>
... mit Andreas Zangger

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Eine Reaktion auf die wachsende Mobilität und auf die heutigen Krisen der globalen Finanzmärkte ist der Rückzug auf das Nationale. Die Heimat soll Nestwärme bieten gegen den kalten Wind der Globalisierung. Mein Buch will am Beispiel der Schweiz aufzeigen, dass uns Prozesse globaler Verflechtungen schon lange begleiten, und dass diese Verflechtungen gerade einen Teil dessen ausmachen, was wir heute sind. Zudem bringt es die Verbindung der Schweiz zum Kolonialismus zur Sprache, eine Debatte, die hierzulande noch im Beginnen begriffen ist.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Mein Buch beleuchtet die kolonialen Verstrickungen von Schweizern in Singapur und Sumatra. Gleichzeitig wirft es umgekehrt einen Blick aus der südostasiatischen Ferne auf Entwicklungen in der Schweiz, namentlich in Industrie, Handel, Versicherungen und Wissenschaft. Solche transnationale Perspektiven auf die Geschichte der Schweiz sind neu. Darüber hinaus stellt die Studie allgemeinere Überlegungen zum Verhältnis von Auslandschweizern zu ihrem Herkunftsland an.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
In den letzten Jahren ist in der Schweiz eine Debatte aufgekommen zu (wirtschaftlicher) Verflechtung und speziell zum Verhältnis zu Sklaverei und Kolonialismus. Die Studie leistet hier einen wichtigen Beitrag und trägt gleichzeitig dazu bei, die Schweiz an internationale Debatten zu Globalgeschichte sowie transnationaler und Verflechtungsgeschichte anzuschließen. Den Erfahrungen der Schweiz als Land ohne Kolonien und mit einem hohen Grad an Verflechtung mit außereuropäischen Ländern kommen dabei eine spezielle Bedeutung zu, insofern als sich die Debatte in den ehemaligen Kolonialländern meist um das Verhältnis Mutterland-Kolonie dreht und darüber hinausgehende Beziehungen und Entwicklungsprozesse außer Acht lässt.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Ich kann mir mehrere Anknüpfungspunkte für Debatten vorstellen: Mit Personen, die sich mit dem Thema Migration und der Frage der doppelten und mehrfachen Identitäten beschäftigen, mit Auslandschweizern, die an ihrer Geschichte interessiert sind, mit Forschern über Kolonialismus und Globalisierung im In- und Ausland und generell mit Schweizern, welche die Entwicklung des Wohlstands der Schweiz aus der Binnenperspektive verstehen.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Mein Buch wirft einen neuen Blick auf die Stellung der Schweiz in der imperialen Welt sowie das Verhältnis von Europäern in den Kolonien und schließt damit an heutige Debatten über Verflechtung und Globalisierung an. <<<


Andreas Zangger

Koloniale Schweiz

Ein Stück Globalgeschichte zwischen Europa und Südostasien (1860-1930)

Kolonialismus ist in der Schweiz kaum ein Thema. Doch obwohl das Land keine Kolonien hatte, lassen sich schweizerische Unternehmen und Migranten in allen Kolonien der Welt finden.
Am Beispiel der Handelsstadt Singapur und des Plantagengürtels in Sumatra untersucht Andreas Zangger die Beziehungen der Schweiz zum Kolonialismus zwischen 1860 und 1930. Mittels migrationsgeschichtlicher und transnationaler Ansätze zeichnet er den Aufbau von Netzwerken nach und analysiert die Beziehungen zu den Kolonialmächten sowie zu den Kolonisierten. Zangger legt dabei Verflechtungen zwischen der Schweiz und Südostasien offen und zeigt die Bedeutung der sogenannten ›Schweizer Kolonien‹ in Übersee für Industrie, Handel und Wissenschaft in der Schweiz.


 

Andreas Zangger (Dr. phil.) arbeitet als selbständiger Historiker in Amsterdam. Seine Arbeit ist am UFSP Asien und Europa in Zürich entstanden sowie während Forschungsaufenthalten in Singapur, Leiden und Amsterdam.

»Zangger, mit neuen Ansätzen der Firmen- und Marketinggeschichte gut vertraut, hat Wichtiges zum Aufbau und zur Funktionsweise prekärer Netzwerke von Warenflüssen, Personalzirkulation und Wissenstransfer zu sagen.«
Jürgen Osterhammel, Historische Zeitschrift, 296 (2013)
»Ein lesenswertes Buch, in dem die neuere kolonialhistorische Literatur gekonnt mit der schweizerischen Geschichte verwoben wird. Es wird eindrucksvoll gezeigt, wie sehr auch ein Land ohne eigene Kolonien durch den Kolonialismus geprägt wurde.«
Christof Dejung, www.sehepunkte.de, 9 (2012)
Besprochen in:

Studium, 1/7 (2014), Andreas Weber
Neue Politische Literatur, 58 (2013), Daniel Speich
Journal of Southeast Asian Studies, 44/2 (2013), Vincent Houben
Neue Politische Literatur, 59 (2014), Christof Dejung

Geschichte, Anthropologie, Kulturwissenschaft

Print 36,80 €

11/2011, 476 Seiten, kart., zahlr. z.T. farb. Abb.
ISBN 978-3-8376-1796-2

Artikel-Nr.: 1796

-1796-2: Zangger, Koloniale Schweiz

Ein Stück Globalgeschichte zwischen Europa und Südostasien (1860-1930)

 

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06/2014, 476 Seiten
ISBN 978-3-8394-1796-6

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