Autoreninterview

... mit Lars Koch

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
In Zeiten, in denen alternativlose Sachlogiken gepredigt werden, ist die ›Störung... >>>
... mit Lars Koch

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
In Zeiten, in denen alternativlose Sachlogiken gepredigt werden, ist die ›Störung möglichen Einverständnisses‹ (Hans-Georg Gadamer) eine programmatische Aufgabe der Kulturwissenschaften. Hierzu leistet das Themenheft »Störfälle« der ZfK einen Beitrag, weil es in der Analyse ganz unterschiedlicher Problemkonstellationen zeigt, dass Evidenzen das Ergebnis einer rhetorischen Anstrengung sind. Im Moment der Störung treten bloß latent vorhandene Alternativen über die Wahrnehmungsschwelle und fordern eine Reaktion heraus.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Es zeigt, dass Störfälle in ganz unterschiedlichen Bereichen des Kulturellen, Sozialen und Politischen einen wesentlichen Aspekt von Veränderungsdynamiken darstellen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Nachdem das Nachdenken über die Produktion von Wissen und Nichtwissen ganze Bibliotheken füllt, ist es an der Zeit, die Sequenz dazwischen – die Störung – genauer zu bedenken. Wichtig erscheint mir dabei, den Störungsbegriff aus seinen medientheoretischen Beschränkungen zu befreien und kulturanalytisch zu reformulieren. In diesem Sinne konturiert das Heft »Störfälle« eine wenig beachtete Reflexionsfigur.

4. Ihr Buch in einem Satz:
Das Buch nimmt ganz unterschiedliche Agenturen der Normalisierung in den Blick und zeigt auf, wie diese sich an der Einsicht abarbeiten, dass Normalität unwahrscheinlich ist. <<<


Lars Koch / Christer Petersen / Joseph Vogl (Hg.)

Störfälle

Zeitschrift für Kulturwissenschaften, Heft 2/2011

Als es im März 2011 in Fukushima zur Havarie des Reaktorblocks 1 kam, wurde klar, was sich in Japan neben einem katastrophalen Erdbeben und einem fatalen Tsunami noch ereignet hatte: der Beginn einer Störfall-Kaskade, die die Verletzlichkeit der globalisierten Welt, ihre technischen Voraussetzungen und ihre medialen Rahmenbedingungen schlaglichtartig vor Augen führte. Damit wird der Störfall zu einer eigenen Kategorie der Wissensproduktion, der gemeinhin unhinterfragte Normalitätsvorstellungen irritiert und – Bundeskanzlerin Merkel sprach schon am ersten Tag des Atom-Dramas von einem »Einschnitt für die Welt« – Praktiken der Evaluierung, der Prozessierung und der Prävention in Gang setzt.
In diesem Sinne fragt das Heft 2/2011 der ZfK nach dem epistemologischen Status des Störfalls, nach seinen politischen Dimensionen, nach Verlaufskurven historischer Störfälle und nach ästhetischen Aneignungen, die ihn entgegen der Normalerwartung als ein Anderes ausstellen und in seinen Wirkungen reflektieren.
Der Debattenteil des Heftes konzentriert sich auf Fragen nach der Autonomie der Migration.


 
Autorenbild Koch, Lars;Petersen, Christer;Vogl, Joseph;(Hg.)

Lars Koch (Prof. Dr.) ist Literaturwissenschaftler an der Universität Dresden.
Christer Petersen (Dr. phil.) ist Professor für Medienwissenschaft an der Brandenburgischen Technischen Universität.
Joseph Vogl (Prof. Dr. phil.) ist Professor für »Literatur- und Kulturwissenschaft/Medien« an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Homepage:
Lars Koch
Christer Petersen
Joseph Vogl

»Mit seiner inhaltlichen Vielfalt leistet das vorliegende Heft der ZfK einen wichtigen Beitrag zur diskursiven Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Störfallszenarien.«
Daniel Zeigler, KULT_online, 33 (2012)
Besprochen in:

GMK-Newsletter, 4 (2012)

Kulturwissenschaften sowie die interessierte Öffentlichkeit

Print 8,50 €

12/2011, 166 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-1856-3

Artikel-Nr.: 1856

-1856-3: Koch et al. (Hg.), Störfälle, ZfK 2/2011

Zeitschrift für Kulturwissenschaften, Heft 2/2011

 

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E-Book 14,99 €

PDF-Download, 3,40 MB
06/2014, 166 Seiten
ISBN 978-3-8394-1856-7

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