Autoreninterview

... mit Elisabeth Priedl

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Kaum jemand weiß, dass Liebes- und Geschlechterdiskurse auch in der Frühen Neuzeit... >>>
... mit Elisabeth Priedl

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Kaum jemand weiß, dass Liebes- und Geschlechterdiskurse auch in der Frühen Neuzeit aufs engste miteinander verwoben waren, dass Bilder zur Brautwerbung kreuz und quer durch Europa geschickt wurden, dass ein und dasselbe Bild zwischen Homoerotik und heterosexuellen Eheversprechen changieren konnte, dass in den Sündenfall-Darstellungen Adam auch als zärtlicher Liebhaber gezeigt wurde, dass Kunstwerke als Geschenke erotisches Begehren ausdrücken konnten und somit verfänglich waren.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Die Autoren/-innen arbeiten interdisziplinär aus einer gender- bzw. queertheoretischen Perspektive. Liebe wird dabei als eine kulturelle Praxis verstanden, die von verschiedenen gesellschaftlichen Parametern bedingt wird. Neben hegemonialen Formen der heterosexuellen Liebe und ihrer visuellen Repräsentation stehen ebenso deviante Aspekte im Mittelpunkt des Bandes, wie z.B. Frauen als sprechende Subjekte im Liebesdiskurs sowie ›illegitime‹ Liebesverhältnisse und ihre bildlichen Verschlüsselungen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Das Thema ›Liebe‹ wurde in den letzten Jahren verstärkt im Bereich der Kulturwissenschaften thematisiert. Dabei gibt es aus literaturwissenschaftlicher und historischer Sicht bereits länger eine intensive Auseinandersetzung aus gender- und queertheoretischer Perspektive. In der deutschsprachigen Kunstgeschichte gibt es aber erstaunlich wenige Analysen, die Kunstwerke unter diesen Aspekten behandeln. Diese Lücke schließt das Buch.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit den Studierenden aus unseren Seminaren zu diesen Themen, sowie mit Kollegen/-innen aus der Kunstgeschichte, Kulturwissenschaften, Literaturwissenschaften und aus den Gender- und Queer-Studies.

5. Ihr Buch in einem Satz:
›DIE Liebe‹ gibt es nicht, sondern nur sehr unterschiedliche Formen von Liebes- und Geschlechterverhältnissen. <<<


Doris Guth / Elisabeth Priedl (Hg.)

Bilder der Liebe

Liebe, Begehren und Geschlechterverhältnisse in der Kunst der Frühen Neuzeit

Der Liebesdiskurs der Frühen Neuzeit nimmt eine wichtige Position in zahlreichen literarischen und künstlerischen Werken ein. Dabei werden zentrale Fragestellungen der Gesellschaft verhandelt: das Verhältnis zwischen den Geschlechtern, zwischen Privatem und Öffentlichem und zwischen den gesellschaftlichen Institutionen. Für die vielfältigen Liebesmodelle – wie zum Beispiel Ehe, Konkubinat und homoerotische Beziehungen – lassen sich differenzierte künstlerische Repräsentationsformen finden. Die Beiträge in diesem Band zeigen: Illegitimes Begehren wird mitunter in ambivalenten Ikonographien verborgen und kann zwischen mehreren Bedeutungshorizonten oszillieren.


 

Doris Guth ist Kunsthistorikerin/Kulturwissenschafterin und arbeitet an der Akademie der bildenden Künste Wien/Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Gender und Queer Studies in zeitgenössischer Kunstproduktion und visueller Kultur, Liebe in Popkultur und Kunst, Weibliche Homoerotik in der frühen Neuzeit, Geschlechterkonstruktion und Religion in der visuellen Kultur sowie Geschlechterpolitik an Universitäten.
Elisabeth Priedl (Dr. phil.) ist Kunsthistorikerin an der Akademie der bildenden Künste Wien. Ihr Forschungsschwerpunkt ist die Kunstgeschichte der Frühen Neuzeit.

Homepage:
Doris Guth: Akademie der bildenden Künste Wien
Elisabeth Priedl: Akademie der bildenden Künste Wien

»Der Sammelband [leistet] in Einzelanalysen differenzierte Perspektivierungen auf spezifische Ausformulierungen der Geschlechter- und Liebesverhältnisse in der Frühen Neuzeit, die eine Simultaneität verschiedener Liebeskonzepte betonen, ohne auf die dominanten philosophischen Referenzsysteme beschränkt zu bleiben. Kunst und Literatur werden vielmehr als Orte ausgewiesen, an denen sich diese Diversität ästhetisch artikulieren und ausgehandelt werden konnte.«
Maria E. Engelskirchen, www.sehepunkte.de, 16/6 (2016)
»Empfehlenswert.«
Lea Susemichel, an.schläge, 6 (2013)
Besprochen in:

Wiener Zeitung, 26.03.2013

Kunstgeschichte, Kulturwissenschaften, Gender Studies, Queer Studies, Literaturwissenschaften, Romanistik

Print 34,80 €

08/2012, 340 Seiten, kart., zahlr. z.T. farb. Abb.
ISBN 978-3-8376-1869-3

Artikel-Nr.: 1869

-1869-3: Guth/Priedl (Hg.), Bilder der Liebe

Liebe, Begehren und Geschlechterverhältnisse in der Kunst der Frühen Neuzeit

 

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03/2014, 340 Seiten
ISBN 978-3-8394-1869-7

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Kunst. Theorie. Aktivismus. Alexander Fleischmann, Doris Guth (Hg.)
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