Interview

... mit Kristóf Nyíri

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Die Leser dieses Buches dürften bald merken, dass sich durch meine Argumente ihre... >>>
... mit Kristóf Nyíri

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Die Leser dieses Buches dürften bald merken, dass sich durch meine Argumente ihre praktische Einstellung zu gewissen Herausforderungen ihrer eigenen Lebenswelt ändert. Ich versuche meine Leser aus Sackgassen herauszuführen, in die sie vergangene Philosophien hineingelockt haben. Sie sollen insbesondere den Mut dazu gewinnen, die Zeit nicht als bloße abstrakte Ordnung hinzunehmen, sondern als eine Macht zu erkennen, mit der sie in einem wirklichen Lebenskampf stehen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Ich definiere mich als einen europäischen Konservativen, notwendigerweise auch als einen postmodernen Konservativen. Das Schlusskapitel meines Buches baut eine postmoderne konservative Zeitphilosophie auf. Der postmoderne Konservative blickt nicht in die Vergangenheit, sondern in die Zukunft – die es noch nicht gibt, die erst erschaffen werden muss, wo dieses Erschaffen eben unseren Kampf mit der Zeit bedeutet. Bilder erhalten in diesem Kampf eine besondere Bedeutung.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Die gegenwärtige Philosophie, sogar die gegenwärtige Bildphilosophie, ist von einer Art Bildblindheit verflucht. Keine selbständige Bildbedeutung wird anerkannt, Bilder sollen, so heißt es, bloß im Kontext der Wortsprache verständlich sein. Das finde ich grundfalsch; ich vertrete hier Arnheim und Gombrich gegenüber Goodman. Die Zeitphilosophie war immer schon von einer extremen Zeitblindheit gekennzeichnet, ich vertrete hier etwa Bergson und Broad gegen McTaggart und alle anderen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit dem gebildeten Laien. Es ist fast unmöglich, Fachphilosophen von ihren vorgefassten Schulmeinungen durch Argumente abzubringen. Natürlich ist auch der gebildete Laie von vergangenen Philosophien beeinflusst, die jeweilige Common-Sense-Auffassung ist ein geschichtliches Produkt. Nichtsdestotrotz können Laien, aufgrund ihrer authentischen Lebenserfahrung, durchaus offen für neue philosophische Gedanken sein. Und man lernt von ihnen.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Man soll sich nicht scheuen, in Bildern zu denken, was sich in Worte nicht fassen lässt. <<<


Kristóf Nyíri

Zeit und Bild

Philosophische Studien zur Wirklichkeit des Werdens

Denken vollzieht sich nicht bloß in Wörtern, sondern auch – wesentlich – in kinästhetisch fundierten mentalen Bildern. Unsere alltäglichen Zeitmetaphern entsprechen bildlich vermittelten leiblichen Erfahrungen und führen zu einer Common-Sense-Auffassung der Wirklichkeit der Zeit, welche von der Philosophie nicht widerlegt, sondern gerechtfertigt werden sollte. Kristóf Nyíri argumentiert auf der Grundlage einer nicht-konventionalistischen Auffassung der bildlichen Bedeutung für die These der Realität der Zeit. Er zeigt: Die Grenzen des Vorstellbaren fallen sowohl in der Religion als auch in der Wissenschaft mit den Grenzen des Verbildlichbaren zusammen.


 

Kristóf Nyíri ist Professor für Philosophie an der Technischen Universität Budapest. Seine Forschungsschwerpunkte sind Wissenschaftstheorie, Kommunikationsphilosophie, Wittgenstein und Heidegger.

Homepage:
Kristóf Nyíri: www.hunfi.hu/nyiri

Besprochen in:

VKRG Inform, 4 (2012)
Theologische Literaturzeitung, 140/3 (2015), Malte Dominik Krüger

Philosophie, Bildwissenschaft, Kognitive Linguistik, Religionswissenschaft

Print 25,80 €

06/2012, 204 Seiten, kart., zahlr. Abb.
ISBN 978-3-8376-1904-1

Artikel-Nr.: 1904

-1904-1: Nyíri, Zeit und Bild

Philosophische Studien zur Wirklichkeit des Werdens

 

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03/2014, 204 Seiten
ISBN 978-3-8394-1904-5

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