Autoreninterview

... mit Eva Reblin

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Straßen bilden die Essenz des Städtischen und gleichzeitig das Unsichtbare der Stadt. Meine... >>>
... mit Eva Reblin

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Straßen bilden die Essenz des Städtischen und gleichzeitig das Unsichtbare der Stadt. Meine Studie beschäftigt sich damit, in welcher Weise die Stadtbewohner aus den für sie ›bedeutenden‹ Straßendingen ein Vorstellungsbild einer Straße entwerfen. Die Bilder urbaner Räume und die Symbolkraft urbaner Objekte wurden in der Stadtforschung bisher vorwiegend auf der Ebene der Gesamtstadt thematisiert und kaum für kleinere Einheiten der alltäglichen Lebensumwelt. Gerade diese Einschränkung des Fokus erlaubt jedoch, die Mechanismen der Bedeutungsproduktion auf der Detailebene zu analysieren, auf der sie sich Tag für Tag wirklich entfalten.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Indem ich an einer kognitiven Semiotik orientierte Modellierungen nutze, kann ich über eine reine Beschreibung der – höchst ausdrucksstarken – Bilder des Untersuchungsgegenstands Potsdamer Straße hinaus auch nach grundlegenden Mustern suchen, wie sich diese Bedeutungsbilder aus einzelnen Elementen konstituieren. Dabei zeigt sich unter anderem, dass die urbanen Elemente einschließlich ihrer kontingenten materiellen Eigenschaften für die Interpreten weniger als isolierte Einheiten relevant werden, sondern als Spuren oder Symptome von (vielfach sozialen) Tatbeständen der räumlichen Umgebung gelesen werden.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Das Buch stellt die Dinge der Straße in den Vordergrund: Damit fügt es sich in aktuelle dingtheoretische Diskurse in der Soziologie und den Kulturwissenschaften ein (Actor-Network Theory, Material Culture Studies), argumentiert im Unterschied zu diesen allerdings dezidiert semiotisch. Der Beitrag verspricht daher neue Impulse sowohl für die dingtheoretische wie auch für die semiotische Seite.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
a) Die theoretische Fragestellung: Mit allen, die sich damit beschäftigen, wie in unseren Welterzeugungen Mikro- und Makroebene sowie kodierte Bedeutungen und Kontexte zusammenwirken, und die sich dabei auch für nicht-kommunikative Bedeutungsphänomene interessieren. b) Die mögliche Anwendung der Ergebnisse auf städtische Dynamiken: Mit Stadtforschern, die städtische Wandlungsprozesse untersuchen, und mit Praktikern, die sie planen.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Wir können die Bedeutung der konkreten Dinge unserer Umwelt nur angemessen beschreiben, wenn wir sie als perspektivische Materialitäten in Kontexten auffassen. <<<


Eva Reblin

Die Straße, die Dinge und die Zeichen

Zur Semiotik des materiellen Stadtraums

Wann werden die materiellen Dinge einer Großstadtstraße zu »Bedeutungsdingen« und wie konstruieren wir aus ihnen unsere Straßeninterpretationen?
Anhand von Interviews zur Potsdamer Straße in Berlin untersucht Eva Reblin die Bedeutungskonstitution eines Stadtraumes und entwirft dabei eine Semiotik des Konkreten. Sie zeigt, dass unsere Bilder von urbanen Räumen besonders von jenen Materialitäten geprägt sind, die über multiple Bedeutungslinien mit dem spezifischen Stadtumfeld verknüpft sind. Die Studie verbindet semiotische Modellierungen mit Ansätzen der Umweltpsychologie, um die Netze der urbanen »Objekt-Zeichen« präzise zu beschreiben.


 
Autorenbild Reblin, Eva

Eva Reblin hat an der Arbeitsstelle für Semiotik der Technischen Universität Berlin promoviert. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Stadt- und Objektsemiotik sowie kognitive Semiotik.

»Für diejenigen, die sich mit kriminologischen Regionalanalysen beschäftigen, kann das Buch als Anregung dienen, einmal über die nackten Daten hinaus [...] sich mit der Sprache der Straße zu beschäftigen – und einfach mal die Straße mit offenen Augen entlang zu gehen und sich dabei die Frage zu stellen, ob und wie die Dinge und die Zeichen mit oder zu einem sprechen.«
Thomas Feltes, Polizei-Newsletter, 11 (2012)
»Dieses Buch macht Spaß ohne dabei oberflächlich zu werden. So könnte Wissenschaft gerne immer präsentiert werden.«
Karsten Michael Drohsel, www.urbanophil.net, 18.06.2012
Besprochen in:

Stadt und Raum, 5 (2012)
Fraunhofer IRB, 9 (2012)

Urban Studies, Semiotik, Soziologie, Objekttheorie, Humangeographie

Print 39,80 €

05/2012, 464 Seiten, kart., zahlr. z.T. farb. Abb.
ISBN 978-3-8376-1979-9

Artikel-Nr.: 1979

-1979-9: Reblin, Die Straße, die Dinge

Zur Semiotik des materiellen Stadtraums

 

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03/2014, 464 Seiten
ISBN 978-3-8394-1979-3

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