Autoreninterview

... mit Christine Klapeer

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Als feministische und postkolonial arbeitende Wissenschaftler/-in würde ich sagen, dass es... >>>
... mit Christine Klapeer

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Als feministische und postkolonial arbeitende Wissenschaftler/-in würde ich sagen, dass es maßgeblich davon abhängt, wer diese Aussage tätigt. Manchmal kann eine solche Aussage nämlich gerade ein Hinweis darauf sein, ein Buch unbedingt zu lesen. Wenn jemand sich also nicht mit Heteronormativität, Phallogozentrismus und den ausschließenden Implikationen von Staatsbürgerschaft auseinandersetzen will, dann ist für diese Person meine Arbeit sicherlich ein Buch, das die Welt nicht braucht.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Bisher war die Institution Staatsbürgerschaft und ihr Verhältnis zu lesbischen Existenzweisen/Identitäten/Subjekten kaum Gegenstand wissenschaftlicher Auseinandersetzungen; d.h., spezifische (normierende und/oder ausschließende) Implikationen dieses zentralen politischen Inklusionsinstrumentes der ›Moderne‹ wurden nur bedingt hinsichtlich ihrer Bedeutung für und ihrer Effekte auf lesbische Existenzweisen untersucht (und umgekehrt: der Bedeutung von lesbischen Existenzweisen für das Funktionieren von Staatsbürgerschaft selbst). Auf Basis einer solchen Perspektive lassen sich daher neue und andere, bisher vernachlässigte ›Geschichte(n)‹, Funktionsweisen und Effekte von Staatsbürgerschaft/-spolitiken und -rechten dechiffrieren.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Das Thema Staatsbürgerschaft hat in den letzten Jahren einen enormen wissenschaftlichen Boom erlebt – Formen der Exklusion oder des mangelnden ›substanziellen‹ Zugangs zu Staatsbürgerschaft/-srechten wurden etwa in Hinblick auf Migranten/-innen, Frauen und der Gruppe der Lesben und Schwulen diskutiert. Theoretische Ansätze sowie Erkennntisse, die in diesem Kontext entstanden sind, wurden jedoch kaum systematisch miteinander verbunden. In meinem Buch versuche ich einige dieser Zugänge – besonders feministische, queere und postkoloniale – systematisch(er) miteinander in Verbindung zu bringen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit Monique Wittig und Audre Lorde – zwei bereits verstorbenen, großartigen Denkerinnen, die meine Perspektive auf lesbische Existenzweisen sehr geprägt haben. Als politische Aktivistin und Wissenschaftlerin möchte ich mein Buch aber auch gerade mit jenen diskutieren, die sich auf der Basis unterschiedlicher Strategien gegen heteronormative, rassistische und sexistische Ungleichheitsverhältnisse wehren, aber auch immer wieder Formen und Orte jenseits dieser Verhältnisse imaginieren und (auch für mich) lebbar erscheinen lassen.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Das zentrale politische Inklusionsinstrument Staatsbürgerschaft wird aus einer lesben-affirmativen Perspektive untersucht, überprüft, zerlegt, problematisiert.




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Christine M. Klapeer

Perverse Bürgerinnen

Staatsbürgerschaft und lesbische Existenz

Sind Lesben anerkannte Bürgerinnen?
Auf der Basis einer ›lesben-affirmativen‹ Herangehensweise untersucht Christine M. Klapeer das schwierige Verhältnis zwischen nicht (hetero-)normativen sexuellen Existenzweisen und der Institution Staatsbürgerschaft. Im Rekurs auf feministische, queere, postkoloniale und gouvernementalitätstheoretische Ansätze zeigt sie, wie Konstruktionen von Sexualität, Geschlecht und Rasse in Staatsbürgerschaftskonzepte eingeschrieben sind und wie der Bürgerinnenstatus von lesbischen Existenzweisen entlang dieser Strukturkategorien auf höchst widersprüchliche Weise modelliert, normiert und begrenzt wird. Auf diese Weise werden auch die heteronormativen Implikationen von Staatsbürgerschaft selbst offengelegt.


 
Autorenbild Klapeer, Christine M.

Christine M. Klapeer (Dr. phil.), Politikwissenschaftlerin, arbeitet am Institut für Internationale Entwicklung an der Universität Wien zu Sexual Citizenship, Wirkungs- und Reproduktionsweisen von Heteronormativität sowie zu den Problematiken und Herausforderungen LGBTIQ-inklusiver und queerer Entwicklungszusammenarbeit.

Homepage:
ie.univie.ac.at/mitarbeiter-innen/christine-klapeer/

»Das Buch stellt einen hervorragenden Beitrag zur Weiterentwicklung queer-feministischer politischer Theorie dar, indem es die androzentrischen, heteronormativen, klassistischen und rassisierenden Prämissen einer der zentralsten Institutionen der westlichen modernen Nationalstaaten herausarbeitet.«
Gundula Ludwig, Femina Politica, 1 (2015)
»Das Werk kann im Bewusstsein des wissenschaftlichen Schreibstils im akademischen Bereich, aber durchaus auch einer feministisch-queer interessierten Leser*innenschaft empfohlen werden.«
Daniela Schwienbacher, aep informationen, 1 (2015)
»Ein spannender Beitrag zur Weiterentwicklung politisch-widerständiger Strategien.«
Gudrun Hauer, LAMBDA Nachrichten, 5 (2014)
Besprochen in:

DHIVA, 9 (2014), Ulrich Brömmling
Portal für Politikwissenschaft, 16.10.2014, Matthias Lemke
PRIDE, 141/8 (2015), Rainer Bartel

Politikwissenschaft, Soziologie, Philosophie, Kulturwissenschaft, Gender Studies, Queer Studies

Print 34,99 €

04/2014, 344 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-2000-9

Artikel-Nr.: 2000

-2000-9: Klapeer, Perverse Bürgerinnen

Staatsbürgerschaft und lesbische Existenz

 

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06/2014, 344 Seiten
ISBN 978-3-8394-2000-3

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