Auszeichnung:
Bärbel Harju hat für ihre Arbeit den Förderpreis 2013 der Münchner Universitätsgesellschaft erhalten.

Interview

... mit Bärbel Harju

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Entgegen der vielfach beschworenen Säkularisierung steigt die Religiosität weltweit.... >>>
... mit Bärbel Harju

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Entgegen der vielfach beschworenen Säkularisierung steigt die Religiosität weltweit. Nicht nur religiöser Fundamentalismus ist auf dem Vormarsch – auch subtilere Formen von religiöser Einflussnahme lassen sich beobachten. Denn Religion ist heute zunehmend auch Popkultur, christliche Musik eine millionenschwere Industrie. Die Vereinigten Staaten gelten hierbei als Vorreiter. Eine kulturhistorische Analyse der evangelikalen Popmusikkultur in den USA hilft, das Phänomen insgesamt besser zu verstehen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Religion als Pop bedeutet keineswegs Verweltlichung. ›Christian Pop‹-Künstler setzen einen modernen Evangelisierungsstil um, indem sie subtile Botschaften in massenkompatiblen Musikstücken transportieren. Erst durch die Warenförmigkeit des religiösen Angebots wird dieses im ›marketplace of culture‹ konkurrenzfähig. Gerade in den USA ist die Verwendung moderner Medien und Vermarktungsstrategien seit jeher eng mit der Geschichte evangelikaler Religiosität verknüpft.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Das Interesse an Fragestellungen, die sich mit der Schnittstelle zwischen Religion, Medien und Popkultur auseinandersetzen, wächst. Häufig jedoch wird die Kommerzialisierung von Religion als Verlustgeschichte dargestellt. Meine kulturhistorische Analyse von christlicher Popmusik beweist das Gegenteil und liefert ein Erklärungsmodell für die Vitalität, Komplexität und anhaltende Relevanz von evangelikaler Religion in den USA.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit Bob Dylan, der sich Ende der 1970er Jahre als wiedergeborener Christ bezeichnete und mit ›Slow Train Coming‹ und ›Saved‹ zwei Alben veröffentlichte, deren religiöse Inhalte zahlreiche evangelikale Christen zu Dylan-Fans werden ließ.

5. Ihr Buch in einem Satz:
›Christian Pop‹ bezeugt das Potenzial religiöser Kommerzialisierungsstrategien: Religion als Popkultur ist vital, nicht Religion ›light‹. <<<


Bärbel Harju

Rock & Religion

Eine Kulturgeschichte der christlichen Popmusik in den USA

»Reborn to be wild!« – seit Ende der 1960er Jahre verkünden wiedergeborene Christen diesen Schlachtruf zu den Klängen von Rock- und Popmusik. Heute existiert in den USA nicht nur eine vielfältige und millionenschwere christliche Musikindustrie; auch im musikalischen Mainstream gelingt es christlichen Künstlern zunehmend, sich erfolgreich zu etablieren.
Mit dem genuin amerikanischen Phänomen Christian Pop untersucht Bärbel Harju ein facettenreiches Spannungsfeld an der Schnittstelle von Religiosität und Kommerz. Auf der Basis einer Fülle an Interviews und Primärquellen wird Christian Pop so erstmals umfassend in der amerikanischen Kulturgeschichte verankert.


 
Autorenbild Harju, Bärbel

Bärbel Harju lehrt am Amerika-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ihre Forschungsinteressen sind die amerikanische Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Religionsgeschichte, Popular Culture und Kunstgeschichte.

»Wer immer zum Thema christlicher Hardcore/Metal/Punk mitreden will, sollte dieses Buch gelesen haben.«
Joachim Hiller, OX-Fanzine, 106/1 (2013)
Besprochen in:
GMK-Newsletter, 1 (2013)
Melodie & Rhythmus, 3/4 (2013), Lene Zade
Buchkultur, 147 (2013), Konrad Holzer
VKRG INFORM, 2 (2013)
GMK-Newsletter, 4 (2013)

Amerikanistik, Kulturwissenschaften, Geschichte, Musikwissenschaften, Religionswissenschaften, Sozialwissenschaften, Medienwissenschaften

Print 28,80 €

09/2012, 272 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-2050-4

Artikel-Nr.: 2050

-2050-4: Harju, Rock & Religion

Eine Kulturgeschichte der christlichen Popmusik in den USA

 

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03/2014, 272 Seiten
ISBN 978-3-8394-2050-8

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