Interview

... mit Ulrich Meurer und Maria Oikonomou

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Falls die Welt Bücher braucht, dann solche, die Grenzen überschreiten.... >>>
... mit Ulrich Meurer und Maria Oikonomou

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Falls die Welt Bücher braucht, dann solche, die Grenzen überschreiten. Unser Band tut das zumindest in wissenschaftlicher Hinsicht, indem er das linguistische Translationskonzept in der Filmwissenschaft testet; insofern ist er selbst Übersetzung. Und neben diesem interdisziplinären Brückenschlag wäre das Testen, die Probe, die Diskussion vielleicht ein zweites Kriterium: Im Schnittpunkt mehrerer Wissenszweige versteht sich das Buch als offener Versuch, anstatt selbstgenügsam seine Ergebnisse zu präsentieren.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Ist sonst von Übersetzung im Kino die Rede, dann geht es stets um die Sprachanteile des Films, um Synchronisation oder Untertitelung. Derweil geht dieses Buch weit über die Sprache hinaus. Die diversen Beiträge fragen nach der Relevanz des Translatorischen im Bereich bewegter Bilder: Kann man Intermediales, Verfilmungen von Comics oder Literatur, die visuelle Umsetzung von Konzepten und Theorien oder gar das geistige Entgrenzungspotenzial des Kinos als ›Übersetzung‹ verstehen?

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Das Thema berührt zahlreiche Fachgebiete: Das Buch stellt die Übersetzung ins Verhältnis mit der weithin relevanten Intermedialität und Intertextualität, mit der aktuellen Adaptions- und Translationsforschung, der Epistemologie und Philosophie. Über die Bedeutung der vorgeschlagenen Erweiterung des Übersetzungsbegriffs müsste dann in und zwischen jenen Bereichen debattiert werden, vielleicht aber liegt sie vor allem in der Möglichkeit der Synergie.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Zuerst natürlich mit all denen, die weitere gute Argumente für oder auch gegen die Übersetzung im und durch den Film anführen können. Und dann besonders mit Roman Jakobson, um zu erfahren, ob es jenseits seiner ›Transmutation‹, der Übersetzung also von Sprache in andere Zeichensysteme, noch eine ganz unsprachliche Übersetzung gibt. Und mit Michel Serres, der das schon längst gezeigt hat.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Der Sammelband fragt aus immer neuer Perspektive, ob das Kino aufgrund seiner Technik, seiner Geschichte und seiner Narrative nicht eine große Translationsmaschine ist. <<<


Ulrich Meurer / Maria Oikonomou (Hg.)

Übersetzung und Film

Das Kino als Translationsmedium

Bereits in Vermeers bekanntem Gemälde »Die Perlenwägerin« tauchen zahlreiche geometrische, motivische und philosophische Übersetzungen auf. Ganz ähnlich wird in diesem Band »Übersetzung« als ein medialer Vorgang skizziert, der weit mehr betrifft als nur die Sprache. Denn wie die »Übersetzung« in der Linguistik und zugleich in der Geometrie, in der Philosophie, Biologie und Psychoanalyse zu Hause ist, so fassen die Beiträge das Kinobild als Spielfeld mannigfaltiger Translationen: von der Sprache zur Tonspur, vom Roman zum Spielfilm, vom Wissenschaftsdiskurs zur Dokumentation – bis die Frage nach dem Film als einer Übersetzung am Ende die Wahrheit der Bilder, menschliches Verstehen und sogar das Transzendente berührt.


 
Autorenbild Meurer, Ulrich;Oikonomou, Maria;(Hg.)

Ulrich Meurer (Dr. phil.) ist Gastprofessor am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien. Er forscht in den Bereichen Medienphilosophie, früher Film und intermediale Wort-Bild-Komplexe.
Maria Oikonomou (Dr. phil.) ist wissenschaftliche Assistentin in der Abteilung für Neogräzistik der Universität Wien. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Kulturästhetik, vergleichende Literaturtheorie und Migrationspoetik.

Homepage:
Ulrich Meurer: www.ulrichmeurer.com

Besprochen in:
GMK-Newsletter, 4 (2012)
EIKON, 80 (2012), Thomas Ballhausen
GERMANISTIK, 55/1-2 (2014)

Filmwissenschaft, Translationswissenschaft, Kulturwissenschaft, Philosophie, Literaturwissenschaft

Print 28,80 €

03/2012, 230 Seiten, kart., zahlr. Abb.
ISBN 978-3-8376-2081-8

Artikel-Nr.: 2081

-2081-8: Meurer/Oikonomou (Hg.), Übersetzung

Das Kino als Translationsmedium

 

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03/2014, 230 Seiten
ISBN 978-3-8394-2081-2

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