Interview

... mit Christoph Kehl

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Das Gedächtnis ist ein faszinierendes Phänomen, nicht zuletzt, weil es psychologische,... >>>
... mit Christoph Kehl

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Das Gedächtnis ist ein faszinierendes Phänomen, nicht zuletzt, weil es psychologische, biologische und philosophische Facetten aufweist. Aktuell gewinnen die Neurowissenschaften die Deutungs- und Eingriffshoheit über diesen Gegenstand, der wie kein anderer für unser Innerstes steht. Angesichts dieser Entwicklung, die unser Selbstverständnis grundlegend herausfordert, untersuche ich in diesem Buch die Praxis der biomedizinischen Gedächtnisforschung und ihre vielfältigen Implikationen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Im Bereich der Wissenschafts- und Technikforschung operieren historische, theoretische und empirische Analyseansätze bislang weitgehend getrennt. In meiner Studie plädiere ich hingegen für eine integrative und interdisziplinäre Herangehensweise. Mein Ziel ist es, diese verschiedenen Perspektiven produktiv zu bündeln, um so ein möglichst ganzheitliches Bild der komplexen Forschungsdynamik und ihrer gesellschaftlichen, epistemischen und materiellen Rahmenbedingungen zu zeichnen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Die Geist-Gehirn-Debatten der letzten Jahre bewegen sich in Deutschland teilweise auf sehr ideologischem und grundsätzlichem Terrain. Fragen nach der wissenschaftlichen Alltagspraxis stehen eher weniger im Fokus. In meinem Buch geht es mir darum, die Bedingungen des Wandels differenziert herauszuarbeiten. Dazu kontrastiere ich mit der Alzheimer-Demenz als organisches und der Posttraumatischen Belastungsstörung als psychisches Störungsbild zwei – historisch gesehen – polare Forschungsfelder.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Im Zuge meiner Forschungen habe ich mit vielen biomedizinischen Experten im weiteren Sinn gesprochen: Ärzten, Neurobiologen, Psychologen. Diese Gespräche würde ich gerne weiterführen und vertiefen. Darüber hinaus bin ich aber auch sehr an der Meinung von Philosophen und Sozialwissenschaftlern interessiert, die sich mit dem Spannungsfeld von Geist und Gehirn und aktuellen Entwicklungen in der Wissenschafts- und Technikforschung beschäftigen.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Dieses Buch untersucht aktuelle theoretische und methodische Entwicklungen in den Neurowissenschaften anhand der biomedizinischen Gedächtnisforschung. <<<


Christoph Kehl

Zwischen Geist und Gehirn

Das Gedächtnis als Objekt der Lebenswissenschaften

Das Gedächtnis hat sich von einem weichen Gegenstand philosophischer Reflexion in ein hartes, neurobiologisches Objekt verwandelt. Wie gelingt es den Lebenswissenschaften, das ephemere Phänomen dingfest zu machen?
Aus der Perspektive der Science & Technology Studies beleuchtet Christoph Kehl die Praxis der Gedächtnisforschung und legt die Verwicklungen zwischen Geist und Gehirn, Natur und Kultur offen. Durch den Zusammenschluss empirischer und wissenschaftstheoretischer Ansätze schließt die Studie eine Lücke in der Wissenschaftsforschung zur Biomedizin.


 

Christoph Kehl (M.A., Dipl. Natw. ETH) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag. Seine Forschungsschwerpunkte liegen an der Schnittstelle von empirischer Wissenschafts- und Technikforschung sowie Wissenschaftstheorie.

Homepage:
Christoph Kehl: Büro für Technikfolgen-Abschätzung

Soziologie, Lebenswissenschaften, Wissenschafts- und Technikforschung, Wissenschaftsgeschichte, Europäische Ethnologie, Philosophie, Medizin, Gedächtnisforschung

Print 34,80 €

08/2012, 352 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-2113-6

Artikel-Nr.: 2113

-2113-6: Kehl, Zwischen Geist und Gehirn

Das Gedächtnis als Objekt der Lebenswissenschaften

 

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E-Book 33,99 €

PDF-Download, 1,54 MB
03/2014, 352 Seiten
ISBN 978-3-8394-2113-0

Preise inkl. gesetzlicher MwSt.*

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