Autoreninterview

... mit Mariacarla Gadebusch Bondio und Elpiniki Katsari

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Über Gender-Medizin kann man inzwischen Vieles lesen.... >>>
... mit Mariacarla Gadebusch Bondio und Elpiniki Katsari

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Über Gender-Medizin kann man inzwischen Vieles lesen. Über Individualisierte Medizin findet man auch reichlich Literatur – aber über die Beziehung dieser beiden Bereiche liegt kaum etwas in deutscher Sprache vor. Die Individualisierte Medizin ist heute ein Schlüsselthema für die Entwicklung der Gesundheitsversorgung und ein prominenter Forschungsschwerpunkt. Wie übergreifend wichtig die Berücksichtigung des biologischen Alters, des biologischen Geschlechts und seiner soziokulturellen Ausprägungen (Gender) in den unterschiedlichsten Fachbereichen der Medizin ist, zeigen unsere Buch-Beiträge. Sie entsprechen dem aktuellen Stand der medizinischen Forschung und sind von renommierten Experten und Expertinnen verfasst worden.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Lange galt in der Medizin ein einheitliches Bild vom ›Patienten‹, ohne Unterteilung in Mann und Frau. Allerdings war dieser Standardpatient männlich, für Frauen wurden ungeprüft einfach dieselben Standardwerte angenommen. Dies hat sich als falsch erwiesen. Unser Buch rückt Gender-Medizin in den Fokus der Individualisierten Medizin. Die Beiträge zeigen, wie geschlechtersensible Forschung und Versorgung die Treffsicherheit in Prädiktion und Diagnostik sowie die Erfolgschancen in Behandlung von Krankheiten und Nachsorge erhöhen. Der Leitgedanke dieses Buches ist, dass die Voraussetzung für eine bessere Medizin darin liegt, ausdifferenzierte und zuverlässige Daten zu fordern, um daraus praxisrelevante Informationen für Frauen und Männer in den unterschiedlichen Altersgruppen zu erhalten. Geschlechterspezifische Forschungsansätze stehen also ›vor‹ der individualisierten Medizin. Sie versprechen bessere individualisierte Prävention, Gesundheitsversorgung und Therapien und sind daher eine gesundheitspolitische Aufgabe.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Die Gender-Medizin ist eine fachübergreifende Forschungsrichtung, die national und international immer mehr Gewicht erhält. Obwohl alle Bereiche der Medizin – Grundlagen- und klinischen Forschung, Praxis, Lehre und Fortbildung – von den zunehmenden Erkenntnissen und klinischen Erfahrungen in diesem Gebiet profitieren, ist es ein mühsamer Weg, die Medizin aus ihrer Einbettung in traditionelle Denkmuster zu lösen. Deswegen ist es notwendig, die bisher erhobenen geschlechterspezifischen Forschungsergebnisse bekannt zu machen. Die Kardiologie bietet ein gutes Beispiel: hier ist mittlerweile recht viel bekannt und die Erkenntnisse fließen teilweise in die Praxis und
Lehre ein.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit Medizinerinnen und Medizinern, die kaum oder wenig in ihrer Ausbildung und Fortbildung mit diesem Themenkomplex konfrontiert wurden. Und dann natürlich mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die sich an dem großen Forschungsprojekt ›Individualisierte Medizin‹ beteiligen. Interessant wäre auch, mit den Vertreterinnen und Vertretern des neuen Zweigs der sogenannten Systemmedizin über die Ergebnisse, die in diesem Buch vorgestellt werden, zu sprechen. Und sollte sich eine interdisziplinäre Diskussionsrunde organisieren lassen, dürften Vertreter und Vertreterinnen von Pharmaindustrie, Forschungsförderung, Gesundheitspolitik, Medizinethik, Presse und Medien nicht fehlen.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Gender-Medizin ist ein ›Muss‹, denn biologische Geschlechtermerkmale sind medizinisch relevante Tatsachen. Das Buch zeigt, wie geschlechterspezifische Forschung und Individualisierte Medizin sich gegenseitig befruchten können und wie Frauen und Männer künftig davon profitieren werden. <<<


Mariacarla Gadebusch Bondio / Elpiniki Katsari (Hg.)

›Gender-Medizin‹

Krankheit und Geschlecht in Zeiten der individualisierten Medizin
(unter Mitarbeit von Tobias Fischer)

Männer und Frauen erkranken und genesen anders. Symptomatik, Krankheitsverlauf, Therapiewirksamkeit und Grundhaltungen gegenüber Gesundheit und Krankheit sind geschlechtlich geprägt. Darf die Medizin angesichts dieser Tatsachen die biologisch und soziokulturell bedingten Unterschiede zwischen Mann und Frau immer noch unbeachtet lassen? Die Autorinnen und Autoren dieses Buches gehen der Frage nach, wie individualisierte Medizin und geschlechterspezifische Medizin sich ergänzen und voneinander profitieren können.


 
Autorenbild Gadebusch Bondio, Mariacarla;Katsari, Elpiniki;(Hg.)

Mariacarla Gadebusch Bondio ist Philosophin und Medizinhistorikerin. Sie leitet seit April 2011 das Institut für Geschichte und Ethik der Medizin an der Technischen Universität München. Ihre Forschungsschwerpunkte sind medizinische Fehlbarkeit, medizinische Ästhetik, Norm und Abweichung in medizinisch-anthropologischen Körpermodellen, ethische und gesellschaftliche Implikationen der prädiktiven Medizin sowie Medizinische Kultur- und Ethikgeschichte.
Elpiniki Katsari ist Oberärztin in der Abteilung für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie im Herz- und Diabetes Zentrum Klinikum Karlsburg Mecklenburg-Vorpommern und Gender-Medizinerin (DGesGM). Ihre Forschungsschwerpunkte sind die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei kardiovaskulären Erkrankungen.

Homepage:
www.gesch.med.tu-muenchen.de
www.drguth.de/klinikum-karlsburg

»Der vorliegende Sammelband beschäftigt sich mit den hochaktuellen Themen Individualisierte Medizin und Gender Medizin. Die Beiträge sind auf fachlich hohem Niveau, dabei aber sowohl für Ärzt_innen, medizinisches Fachpersonal als auch für andere, an dem Thema Gesundheit und Gender Interessierte, sehr gut geeignet.«
Doris Neppert, www.socialnet.de , 06.01.2015
Besprochen in:

Dr. med Mabuse, 213 (2014/2015)
Clio, 80 (2015)
Newsletter der Vernetzungsstelle für Gleichberechtigung, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte, 9 (2015)

Medizin, Medizingeschichte, Medizinethik, Medizintheorie, Kardiologie, Pharmakologie, Medizinische Soziologie, Nephrologie, Onkologie, Neurologie, Epidemiologie

Print 29,99 €

10/2014, 212 Seiten, kart., zahlr. z.T. farb. Abb.
ISBN 978-3-8376-2131-0

Artikel-Nr.: 2131

-2131-0: Gadebusch B./Katsari (Hg.), Gender-Medizin

Krankheit und Geschlecht in Zeiten der individualisierten Medizin
(unter Mitarbeit von Tobias Fischer)

 

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10/2014, 212 Seiten
ISBN 978-3-8394-2131-4

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