Autoreninterview

... mit Matthias Däumer

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Die Frage, wie Artusromane vor einem mittelalterlichen Publikum verwirklicht wurden, stellt auch ein gegenwärtiges... >>>
... mit Matthias Däumer

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Die Frage, wie Artusromane vor einem mittelalterlichen Publikum verwirklicht wurden, stellt auch ein gegenwärtiges Politikum dar, denn die Schriftverliebtheit der Literaturwissenschaft hat oftmals sowohl zu verfälschenden ›Lektüren‹ wie zu nationalen Indienstnahmen des Mittelalters geführt. Eine Besinnung auf die Flüchtigkeit von Kultur versucht, diese Sichtweisen zu revidieren.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Die vermeintlich altbekannten Plots der Artus-Erzählungen werden neu gelesen, indem das dominante Bild des erschaffenden Dichters durch die Größe eines agierenden Rezitators ersetzt wird. Dadurch eröffnet sich ein Spektrum von Reflektionen zum medialen Status der schriftlichen Partitur und der Rolle eines (nicht immer nur still lauschenden) Publikums. Letztlich zeigt sich so, dass der Theater-Begriff um Längen weiter greift, als das herkömmliche Guckkasten-Denken es zulassen würde.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Die Arbeit schließt an ältere Positionen der Medialitätsdebatte an und kombiniert diese mit im Rahmen des ›performative‹ und ›spatial turns‹ der letzten Jahre entstandenen Thesen. Das Ziel ist es, auf diese Weise ein heuristisches Instrumentarium zu schaffen, das (jenseits der akademischen Moden) sowohl den aktuellen Methoden der Literaturwissenschaft als auch einer Erweiterung des theaterwissenschaftlichen Forschungsfelds zuträglich sein kann.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Wenn jemand so gütig wäre, eine Zeitmaschine bereitzustellen: mit Wolfram von Eschenbach. Andernfalls mit vielen kulturwissenschaftlich orientierten Kollegen.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Ein Buch für diejenigen, die (im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte) beim Lesen mittelalterlicher Texte schon immer meinten, Stimmen zu hören. <<<


Matthias Däumer

Stimme im Raum und Bühne im Kopf

Über das performative Potenzial der höfischen Artusromane

Die Feststellung, dass die höfischen Romane ihrem Publikum vorgelesen wurden, zählt zu den Binsenweisheiten der Mediävistik. Doch wie hat man sich solch eine Lesung vorzustellen? Matthias Däumer liest die viel beachteten mittelalterlichen Artusromane erstmals als Partituren performativer Praxis, die als Grundlage für von Rezitatoren umgesetzte »Aufführungen« dienten. Durch die Kombination theaterwissenschaftlicher und germanistischer Arbeitstechniken zeigt er eine methodische – aber nicht zuletzt auch ideologische – Alternative zu der aus dem 19. Jahrhundert ererbten Schriftverehrung auf, welche die Kulturwissenschaft unserer Zeit dringend benötigt.


 
Autorenbild Däumer, Matthias

Matthias Däumer (Dr. phil.) wurde an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz promoviert.

Homepage:
www.matthias-daeumer.de

Literaturwissenschaft, Theaterwissenschaft, Medienwissenschaft, Kommunikationswissenschaft

12/2012, 570 Seiten,
kart.
ISBN 978-3-8376-2137-2

Artikel-Nr.: 2137

-2137-2: Däumer, Stimme im Raum

Über das performative Potenzial der höfischen Artusromane

 

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