Autoreninterview

... mit Vittoria Borsò

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Es trifft deshalb nicht zu, weil die meisten Autor/-innen aus den USA, Italien, Spanien... >>>
... mit Vittoria Borsò

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Es trifft deshalb nicht zu, weil die meisten Autor/-innen aus den USA, Italien, Spanien erstmalig in deutscher Sprache und in der speziellen Konstellation des Buchs präsentiert werden. Diese bringt die affirmative Biopolitik von Roberto Esposito, der sich gemeinsam mit seinen Interpreten zu Wort meldet, in Dialog mit anderen einflussreichen Stimmen wie der von Hans Ulrich Gumbrecht, der mit ›Präsenz‹ neue Weisen einer ›Ontologie der Literatur‹ vorgeschlagen hat.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Foucault hatte mit der Biopolitik das bíos von der Politik aus gedacht. Angeregt von dieser Kritik seitens Espositos und auf der Basis ästhetischer Erfahrung schärft das Buch den Blick für die Spuren der Kontingenzen, die der Homologisierung von Wissen und Leben innewohnen. Auf diese Weise entwickeln die Beiträge zu Politischer Philosophie und Ästhetik eine gemeinsame Frage: Welche Politik, welches Wissen des Lebens ist notwendig? Oder radikaler: Was macht das Leben mit dem Wissen? Und welches Leben?

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Das Buch regt dazu an, die Blickrichtung des üblichen Fragens nach dem Wissen über das Leben umzukehren. Das Wissen des Lebens verlangt zugleich eine kritische und bejahende Geste. Dies zeigt sich in Konfigurationen von Wissen und Leben, die sich hier in Diskussion mit Esposito und weiteren europäischen Philosophen ergeben. Gleichzeitig ist das Buch ein Seismograph für die Erschütterungen des Wissens, die durch die Erfahrung von Kontingenzen des Lebens in literarischen Texten zu Tage treten.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit Peter Sloterdijk, der gefordert hat, über Foucault hinauszugehen, würde ich gerne meinen eigenen Versuch diskutieren, das materielle Erfahren von Leben diesseits der Biopolitik zu situieren, nämlich in die radikale Immanenz diesseits wissenschaftlicher, ethischer, politischer Validierung. Mit Joseph Vogl würde ich über die Möglichkeiten der Ästhetik debattieren wollen. Aber über mein Buch streiten würde ich vermutlich am besten mit analytischen Philosophen.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Das 20. Jahrhundert begann mit Vitalismus. Im 21. Jahrhundert muss sich das Wissen über das Bíos am konkreten, partikulären Leben messen lassen. <<<


Vittoria Borsò (Hg.)

Wissen und Leben – Wissen für das Leben

Herausforderungen einer affirmativen Biopolitik
(unter Mitarbeit von Sieglinde Borvitz, Aurora Rodonò und Sainab Sandra Omar)

Biopolitik und Gouvernementalität ersetzen allmählich das politische Regieren durch Netzwerke von Biosozietät. Leben begegnen wir darin aber nur in dessen Eingefangen-Sein durch politische, soziale oder auch ökologische Konzepte. Auswege findet dieses Buch in Beiträgen zur affirmativen Biopolitik von Roberto Esposito, von ihm selbst eröffnet, und in einer von Heidegger inspirierten Ontologie des Lebens, eingeleitet von Hans Ulrich Gumbrecht und aufgesucht in der Materialitätsästhetik von Schrift und Medien. So werden Konfigurationen eines Wissens des Lebens greifbar, die die Basis für einen Dialog mit den Biowissenschaften sein können.


 

Vittoria Borsò (Prof. Dr. phil.) lehrt Romanistische Literatur-, Kultur- und Medienwissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Ihre Forschungsschwerpunkte sind neben den Lateinamerika- und Europastudien Biopolitik, Gouvernementalität und Ästhetik des Lebens, Topologie und literarische Topographien, Visuelle Kultur, Materialität und Produktion.

Homepage:
www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/rom1/

Philosophie, Literaturwissenschaft, Medien- und Kulturwissenschaft, Bildwissenschaft

Print 34,99 €

11/2014, 356 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-2160-0

Artikel-Nr.: 2160

-2160-0: Borsò (Hg.), Wissen und Leben

Herausforderungen einer affirmativen Biopolitik
(unter Mitarbeit von Sieglinde Borvitz, Aurora Rodonò und Sainab Sandra Omar)

 

Lieferzeit in der Regel 3-5 Werktage

 
 
 

E-Book 34,99 €

PDF-Download, 3,30 MB
11/2014, 356 Seiten
ISBN 978-3-8394-2160-4

Preise inkl. gesetzlicher MwSt.*

Weitere Titel

Die Kunst, das Leben zu »bewirtschaften« Vittoria Borsò, Michele Cometa...
Die Kunst, das Leben zu »bewirtschaften«
Realismus nach den europäischen Avantgarden Claudia Öhlschläger, Lucia...
Realismus nach den europäischen Avantgarden
Die Macht des Populären Vittoria Borsò, Christiane...
Die Macht des Populären

Weitere Titel zum Thema

Kultur, Biopolitik, Leben

Weitere Titel aus der Reihe

Kultur- und Medientheorie