Autoreninterview

... mit Alexander Huang

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
This book examines the artistic forces behind globalization, a phenomenon that we urgently need to... >>>
... mit Alexander Huang

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
This book examines the artistic forces behind globalization, a phenomenon that we urgently need to understand in our era. That is why this book is important to the world we live in now.

Humanismus fördert unabhängiges Denken und den Mut, sich gegen selbst ernannte Autoritäten – ganz gleich ob in Politik oder Kultur – zu stellen. Kulturelle und moralische Werte sind auf das gemeinsame Verständnis von Humanität gegründet. Seit dem frühen 20. Jahrhundert verfolgen deshalb Künstler das gemeinsame Ziel der Errichtung eines intellektuellen Netzwerkes, einer weltweiten literarischen Republik. Künstler brachten neue, hybride Genres hervor und schufen Werke, die immer wieder bohrende Fragen nach dem Funktionieren der Weltordnung und nach kulturellen Hierarchien stellen. Einige von ihnen wurden Mittler zwischen den Kulturen, andere wiederum unterstützen lokale Kulturen angesichts von Verwestlichung und Globalisierung.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Die Transformation und Verbreitung von Literatur und Theater stellt einen wichtigen Teil der kulturellen Globalisierung heute dar. Das Buch enthält zwei Teile zur Literatur bzw. zum Theater mit je fünf Kapiteln. Die einzelnen Kapitel sind thematisch und chronologisch angeordnet.
Ein Grund dafür, warum der Humanismus in unserer Zeit so wichtig bleibt, liegt in seiner Fähigkeit, das menschliche Leben nachvollziehbar zu machen, indem man nach den subjektiven Gründen für menschliches Handeln anstatt den objektiven Ursachen fragt. Akademiker, die sich mit Literatur beschäftigen, sind wie Übersetzer, die trotz Globalisierung auch eine frühere Gegenwart und den Humanismus in ihren Forschungen bewahren müssen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Die Humanismus-Debatte ist nirgends so heftig wie im interkulturellen Theater, wo Aneignungen fremder theatraler Elemente freundliche wie feindselige Reaktionen auslösen.
Der Humanismus half, wichtige Themen innerhalb des Modernisierungsprozesses zu formulieren und Debatten über Politik, Ästhetik und Kunst anzustoßen. Vielmehr beeinflusste er autobiografische Erzählungen und Stücke (wie wir am Beispiel von Gao Xingjian sehen), favorisierte ganz persönliche Erfahrungen gegenüber einer institutionalisierten und anonymen Geschichte (Mo Yan) und förderte Neuinterpretationen eines westlichen Erzählkanons (Wu Hsing-kuo und sein Stück ›Lear ist da!‹). Der Humanismus ist ein Teil der interkulturellen Kunst und Literatur.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Humanismus ist die treibende Kraft im Prozess der Globalisierung von Literatur und Theater. Folglich wurde er als Waffe gegen jede Art von Unterdrückung eingesetzt, die in jüngerer Zeit die Globalisierung bestimmte. Das war möglich, weil der Humanismus half, wichtige Themen innerhalb des Modernisierungsprozesses zu formulieren und Debatten über Politik, Ästhetik und Kunst anzustoßen. <<<


Alexander C.Y. Huang

Weltliteratur und Welttheater

Ästhetischer Humanismus in der kulturellen Globalisierung

Das 20. Jahrhundert erlebte eine »Ästhetisierung der Politik« (Benjamin). Humanismus wurde zum politisch beliebigen Slogan, bildete aber gleichzeitig eine gemeinsame Kommunikationsbasis zwischen Künstler und Publikum. Der Band geht der gegenwärtigen interkulturellen Transformation und Verbreitung humanistisch inspirierter Literatur und Theaterkunst am Beispiel der englischen und chinesischen Tradition nach. Damit eröffnet er zugleich einen anschaulichen Blick auf einen wichtigen Aspekt der kulturellen Globalisierung. Es zeigt sich, dass Humanismus in der heutigen Kunst längst kein rigider Rationalismus oder wissenschaftlicher Positivismus mehr ist, mit denen er oft verbunden wurde. Vielmehr beeinflusste er autobiografische Erzählungen und Stücke (Gao Xingjian), favorisierte ganz persönliche Erfahrungen gegenüber einer institutionalisierten und anonymen Geschichte (Mo Yan) und förderte Neuinterpretationen eines westlichen Erzählkanons (Wu Hsing-kuo und sein Stück »Lear«).


 

Alexander C.Y. Huang (Prof. Dr. habil.) forscht und lehrt an der Fakultät für Anglistik und leitet das »Dean's Scholars in Shakespeare«-Programm an der George Washington University, Washington D.C., USA. Er ist Herausgeber des »The Shakespearean International Yearbook«, Research Affiliate des Massachusetts Institute of Technology (Literatur) und Präsident der Mid-Atlantic Region Association for Asian Studies.

Homepage:
www.gwu.edu/~acyhuang/

Besprochen in:

Die Deutsche Bühne, 9 (2012)
GERMANISTIK, 54/3-4 (2013)

Anglistik, Sinologie, Theaterwissenschaft, Philosophie, Literaturwissenschaft, Komparatistik, Shakespeare-Forschung

Print 27,80 €

07/2012, 218 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-2207-2

Artikel-Nr.: 2207

-2207-2: Huang, Weltliteratur und Welttheater

Ästhetischer Humanismus in der kulturellen Globalisierung

 

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E-Book 24,99 €

PDF-Download, 1,12 MB
03/2014, 218 Seiten
ISBN 978-3-8394-2207-6

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