»This remarkable book (...) lifts the anthropology of travel and tourism out of many of its more established paradigms and places the book at the cutting edge of the field.«
(Tom Selwyn, School of Oriental and African Studies (SOAS), University of London)

Autoreninterview

... mit David Picard und Sonja Buchberger

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Couchsurfing.org ist eine im virtuellen Raum des Internets gebildete... >>>
... mit David Picard und Sonja Buchberger

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Couchsurfing.org ist eine im virtuellen Raum des Internets gebildete Gemeinschaft, die heute weltweit mehr als sieben Millionen Mitglieder zählt. Das proklamierte Ziel von Couchsurfing.org ist es, durch unentgeltliche Gastlichkeit eine vom Leitbild des humanistischen Weltbürgertums definierte, bessere Welt zu schaffen. Weltbürger zu sein ist ein häufig benannter Anspruch der gebildeten westlichen Mittel- und Oberschicht. Die Erfahrung des vermeintlich Fremden durch Bildung, Abenteuer und touristisches Erleben wird hier oft zum Mittel und Ausdruck eines solchen Selbstverständnisses erhoben. Durch ethnografische Forschungen von Couchsurfing in Russland, Tunesien, Taiwan, Singapur, Holland, Portugal und Australien hinterfragen die Autoren dieses Buches die Normen und Werte, die diesem Selbstverständnis unterliegen und wie diese von anderen Menschen aufgenommen, angeeignet und auch anverwandelt werden.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Alle Autoren sind selbst Couchsurfer, benutzten ihre Erfahrungen als Gast und Gastgeber selbstkritisch und autobiografisch, und geben dadurch kulturtheoretisch neue Einblicke in die Kontaktfeder interkulturellen Handelns. Besonders spannend ist hier der Kontakt zwischen dem globalen Format des Weltbürgertums und den kulturellen Normen von lokal verordneter Gastlichkeit. Die Autoren zeigen, wie Weltbürgertum in solchen Kontaktfeldern mit neuen Werten belegt wird, zum Teil als eine Art ›Ware‹, über deren Konsum Teilnahme an einer globalen Modernität gewährleistet wird. In anderen Kontaktfeldern stößt das vor allem von westlichen Couchsurfern zelebrierte Weltbürgertum auf Ablehnung und induziert alternative Formen globalen Zusammenseins.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Weltbürgertum – Cosmopolitanism auf Englisch – definiert ein rasch wachsendes Feld in der soziologischen, politologischen und anthropologischen Forschung über Kontaktprozesse zwischen globalen und lokalen Formen des sozialen Zusammenlebens. Ein wichtiger Themenschwerpunkt ist hier die Frage, wie der rasant wachsende Einfluss von computermediatisierter Kommunikation durch Internetgemeinschaften solche Prozesse verändert, beschleunigt, polarisiert oder pluralisiert. Tourismus stellt hier ein wunderbares Medium dar, um diesen Themenschwerpunkt zu studieren, da die touristische Reise den im Internet hergestellten virtuellen Kontakt in einen realen sozialen Kontakt ausdehnt.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit Leuten am Rand dieses Phänomens – solche, die trotz ungünstiger Visa-Bestimmungen oder finanzieller Not mit Couchsurfing die Welt erfahren haben oder sich als Gastgeber die Welt ins Wohnzimmer eingeladen haben. Mehr müßig wäre es, das Buch mit Akademikern oder Couchsurfing-Aktivisten zu diskutieren, speziell solchen, die Couchsurfing mit leuchtenden Augen als eine neue Form des Teilens erheben und selbst noch nie aus ihrer Komfortzone herausgekrochen sind.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Ein spannend geschriebenes Buch über Reisen, Utopien und Grenzwerte in der heutigen Welt. <<<


David Picard / Sonja Buchberger (eds.)

Couchsurfing Cosmopolitanisms

Can Tourism Make a Better World?

The book provides unique insights into the culture of computer-mediated hospitality and how this has begun to transform contemporary tourism and travel practice. Focusing on Couchsurfing.org, one of the largest online hospitality communities worldwide, the authors explore how social relations, intimacy and trust are built in the online environment and then extended into the offline contexts of actual tourism and travel. Being active couchsurfers themselves, the authors scrutinise the candid claim by much of the online hospitality community that couchsurfing creates a »better world«. The book is key reading for anyone interested in how computer mediated communication is changing contemporary forms of contact, travel and hospitality, and the kinds of cosmopolitism it brings into being.

Authors: David Picard, Sonja Buchberger, Jennie Germann Molz, Dennis Zuev, De-Jung Chen, Bernard Schéou, Jun-E Tan, Paula Bialski and Nelson Graburn.


 

David Picard (PhD) is Senior Research Fellow at the Centre for Research in Anthropology at the New University of Lisbon, Portugal. His research in La Réunion and Madagascar has been focused on tourism development, environmental policy, NGOs, divination, healing and witchcraft, and hospitality.
Sonja Buchberger lectures at the Ecole Hôtelière de Lausanne (EHL) and the School for Oriental and African Studies (SOAS), University of London, where she is currently completing her doctorate. Working in Tunisia and Morocco, she focuses her research on the tourism/hospitality nexus, the politics of new travel and intimacy in the Maghreb.

Homepage:
David Picard: www.piccccc.com

»Die Beiträge zeigen die Fußangeln vernetzt-kosmopolitischer (Selbst-)Entwürfe auf, doch begegnen die Autoren stets respektvoll jener Idee des materiell uneigennützigen Teilens mit dem Reisenden.«
Andrea Schilz, Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde, (2015)
»Being skillfully written, making use of a narrative approach, and enriched by exciting and originial chapters ›Couchsurfing Cosmopolitanism‹ is a recommanded read for those who are eager to delve deeper and better understand the phenomenon of promoting cosmopolitanism as a desire for and openess to difference.«
Variety Fair, 7 (2014)
»[The book] exhaustively covers multiple topics with high contemporary relevance in a very accessible way.«
Anastasiya Astapova, H-Net-Reviews, 4 (2014)
»The various experiences as hosts and guests plus nine different writing styles make the book a varied reading. Following the authors experiences, the results of their studies are sometimes presented as interested facts nearby; hence it is not like reading an academic paper but fun and informative. Moreover it makes the book accessible for a broader audience and allows an ongoing exchange between academic and current discussions.«
Paula Salomo, www.urbanophil.net, 08.08.2013
Reviewed in:

Schweizerisches Archiv für Volkskunde, 2 (2013), Regina F. Bendix
http://popanth.com, 22.10.2013

Anthropology, Cultural Studies, Tourism Studies, Sociology, Cultural Geography, International Relations

Print 25,80 €

06/2013, 192 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-2255-3

Artikel-Nr.: 2255

-2255-3: Picard/Buchberger (eds.), Couchsurfing Cosm.

Can Tourism Make a Better World?

 

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E-Book 22,99 €

PDF-Download, 0,76 MB
03/2014, 192 Seiten
ISBN 978-3-8394-2255-7

Preise inkl. gesetzlicher MwSt.*

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