Leben im Ruhestand

Zur Neuverhandlung des Alters in der Aktivgesellschaft

Wir leben in einer Zeit der weitreichenden Transformation des Sozialen: In Politik und Wirtschaft setzt sich ein Menschenbild durch, das von jedem Einzelnen erwartet, sich flexibel und vorsorgend, selbsttätig und eigenverantwortlich zu verhalten. Diese neue politische Ökonomie der Aktivgesellschaft greift dabei auch auf bislang verschonte Lebenssphären und -phasen über. So ist die politische Programmformel des »active aging« längst auch zu einem Teil der Fremd- und Selbstbeschreibung älterer Menschen geworden.

Der Band untersucht den Wandel des politisch-medialen Altersbildes, konfrontiert diesen mit den Erzählungen älterer Menschen zu ihrem Leben im Ruhestand und überführt die Befunde in eine originelle Zeitdiagnose der alternden Gesellschaft.

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2014-04-07, 464 Seiten
ISBN: 978-3-8376-2277-5

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Tina Denninger

Tina Denninger, Universität München, Deutschland

Silke van Dyk

Silke van Dyk, Universität Kassel, Deutschland

Stephan Lessenich

Stephan Lessenich, Universität Jena, Deutschland

Anna Sarah Richter

Anna Richter, Universität Kassel, Deutschland

... mit den Herausgebern

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Gerade dieses Buch braucht die Welt tatsächlich – denn in Zeiten demografischen Wandels und steigender Lebenserwartung wird zwar vermehrt über das höhere Lebensalter und ›die Alten‹ gesprochen und diskutiert, sie selbst jedoch kommen äußerst selten zu Wort. Wir haben mit so genannten ›Jungen Alten‹ über ihr Leben, ihr Altern und ihren Ruhestand gesprochen und geben einen Einblick in die heterogenen Sichtweisen und Lebenswelten von Menschen im siebten Lebensjahrzehnt.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Wir kombinieren die qualitative Interviewstudie mit einer drei Jahrzehnte umfassenden Analyse der öffentlichen Neuverhandlung des Alters, um die Perspektiven der Interviewten im Lichte umfassender gesamtgesellschaftlicher Veränderungsprozesse betrachten zu können. Für die Analyse dieser Verschränkung haben wir – dies für die Experten_innen – ein eigenes dispositivanalytisches Forschungsprogramm entwickelt, das ausgehend von einer gouvernementalitäts- und praxistheoretischen Rahmung qualitative Methodologien und Methoden in neuer Weise zusammenführt.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Fragen des höheren Lebensalters und der Demografie sind in kürzester Zeit der wenig beachteten gerontologischen Nische entwachsen und zu einem der wichtigsten Themen der sozialwissenschaftlichen Forschung geworden. Es ist der gerontologischen und alterswissenschaftlichen Tradition geschuldet, dass quantitativ-empirische Arbeiten bislang das deutschsprachige Feld dominieren, während theoretisch interessierte, zeitdiagnostisch orientierte und empirisch-qualitative Herangehensweisen – wie die unsere – noch wenig verbreitet sind.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Mitgliedern der Fünften und Sechsten Altenberichtskommission der Bundesregierung, die seit vielen Jahren unisono nicht nur die Aktivierung des höheren Lebensalters empfehlen, sondern darüber hinaus den Wunsch ›der Alten‹ nach produktiver Aktivität propagieren. Unsere Ergebnisse weisen jedoch in eine ganz andere Richtung: So begegnen wir zum Beispiel äußerst zufriedenen Ruheständlern, die ihre Entpflichtung genießen – und zugleich agilen weiblichen Unruheständlerinnen, die endlich ihren eigenen Interessen nachgehen und nicht mehr für das Wohl anderer in die Pflicht genommen werden wollen. Es wäre viel wert, wenn diese soziale Realität des Alters auch in der politiknahen Wissenschaft Widerhall fände.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Der Band untersucht den Wandel des politisch-medialen Altersbildes, konfrontiert diesen mit den Erzählungen älterer Menschen und überführt die Befunde in eine originelle Zeitdiagnose der alternden Gesellschaft im flexiblen Kapitalismus.

»Die Studie [bietet] eine überzeugende Rekonstruktion der diskursiven Neuverhandlung des Alters seit den 1980er Jahren, die viele substanzielle Einsichten auf einem hohen theoretischen Niveau entfaltet und nicht zuletzt auch sprachlich überzeugt.«
Ludwig Amrhein, Soziologische Revue, 41/2 (2018)
»Den AutorInnen [ist es] gelungen, die vielen widersprüchlichen Facetten eines brisanten Themas zu durchleuchten und beeindruckend vorzuführen, wie problematisch das Konzept der Altersaktivierung ist. Kritische Sozialforschung in Bestform!«
Esther Gajek, Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde (2016)
»Den AutorInnen gelingt es mit ihrem Buch, eine neue Perspektive der Altersforschung zu eröffnen, welche die Rede von den Potenzialen des Alters und den Aktivierungsdiskurs zu kritisieren vermag, da sie das Alter(n) im Kontext der Aktivgesellschaft und des flexiblen Kapitalismus betrachtet.«
Benjamin Gerwoll Ronca, Schweizerisches Archiv für Volkskunde, 111 (2015)
»Auch jenseits von besonderem Forschungsinteresse der/s Einzelnen oder speziellem Hintergrundwissen bietet das Buch eine interessante Lektüre.
Werden die Alten in Zukunft durch die drohende Altersarmut bald doch so aktiv sein, wie es der Staat sich jetzt schon wünscht? Das lesenswerte Buch liefert zu dieser Debatte einen wichtigen Beitrag.«
Lea Arnold, kritisch-lesen.de, 07.04.2015
»Auch wenn der Leser durch die [...] Begrifflichkeit der Autoren gefordert ist: Ihre Ergebnisse öffnen ihm die Augen über so manche politische Dimension des Alters, von dem er bisher vielleicht geglaubt haben mochte, es sei eine bloß biologische Tatsache.«
Peter Meisenberg, WDR5 – Politikum, 23.07.2014
»Ein hochinnovatives, methodisch fundiertes und in jeder Hinsicht beeindruckendes Zeugnis dafür, über welche Potentiale die Soziologie als ›kritische Wissenschaft der alternden Gesellschaft‹ verfügt.
Es [stellt] eine lange Zeit vermisste Gegenstimme zum vermeintlich unproblematischen Alters-Aktivierungsdiskurs dar. Es ist damit nicht nur für die Scientific Community von größtem Interesse, sondern dürfte auch über die Grenzen des Fachs und der Wissenschaft hinaus für Aufsehen sorgen. ›Leben im Ruhestand‹ hat [...] beste Chancen, zu einem jener Standardwerke zu werden, hinter das die Gerontologie nicht mehr zurückfallen kann.«
Sven Schwabe, www.socialnet.de, 27.05.2014
Besprochen in:

Süddeutsche Zeitung, 29./30.03.2014
Schweizer Arbeitgeber, 7 (2014)
www.lehrerbibliothek.de, 07.07.2014, Dieter Bach
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 7 (2014)
Soziale Arbeit, 10/11 (2014)
Stadtpunkte, 2 (2014)
BBE-Newsletter, 4 (2014)
Erziehungswissenschaftliche Revue, 14/2 (2015), Frank Ragutt
Philosophische Rundschau, 62/1 (2015), Martin Gessmann/Martina Schmidhuber
Buchtitel
Leben im Ruhestand Zur Neuverhandlung des Alters in der Aktivgesellschaft
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
464
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-2277-5
DOI
Warengruppe
1728
BIC-Code
JFSP31 JHBA JHBD
BISAC-Code
SOC013000 SOC026000 SOC006000
THEMA-Code
JBSP4 JHBA JHBD
Erscheinungsdatum
2014-04-07
Auflage
1
Themen
Gesellschaft, Zeitdiagnose, Alter, Neoliberalismus
Adressaten
Soziologie, Gerontologie, Kulturwissenschaft, Pädagogik sowie die interessierte Öffentlichkeit und Entscheider_innen in der (Sozial-)Politik
Schlagworte
Alter, Demographie, Lebensführung, Wohlfahrtsstaat, Sozialstaat, Ost-West-Vergleich, Aktivierung, Neoliberalismus, Gesellschaft, Soziologische Theorie, Bevölkerung, Sozialpolitik, Soziologie

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