Autoreninterview

... mit Thomas R. Huber

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Weil ich mit »Ästhetik der Begegnung« eben der Frage nachgehe, wie Bilder, also... >>>
... mit Thomas R. Huber

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Weil ich mit »Ästhetik der Begegnung« eben der Frage nachgehe, wie Bilder, also im Visuellen materialisierte Gedanken, in der Welt wirksam werden. Die institutionalisierten Grenzen der Kunst, den viel zitierten ›Elfenbeinturm‹ zu verlassen, ist mein vorrangiges Ziel.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Ich versuche zu zeigen, was der Erfahrungsraum der Kunst in sozialen Prozessen vermag. Dafür konkretisiere ich die Erfahrung der Anderen auf der Ebene meiner individuellen Subjektivität: Menschen gelangen über Bilder – paradigmatisch solche aus Kunstwerken – in mein Bewusstsein. Im Wechselspiel von Wahrnehmen, Reflektieren und Handeln geraten Repräsentationen von Identitäten, äußere und innere Stereotypen in Bewegung und es entsteht eine neue Basis des lebendigen Miteinanders.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
»Ästhetik der Begegnung« operiert an der Schnittstelle von Ästhetik und Ethik und damit an der gegenwärtig sowohl in den Kunst- als auch in den Kulturwissenschaften viel diskutierten Frage der Relevanz der Bilder in soziokulturellen Diskursen. Zudem leiste ich mit der konsequenten Artikulation und Reflexion meiner subjektiven Wahrnehmungsprozesse einen Beitrag zur Diskussion des ›performative turn‹ in den Kunst- und Kulturwissenschaften.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Diese Frage ist nicht einfach. Durch ihre konjunktivische Form wird eine Wunschperson suggeriert, die mir entfernt ist. Von dieser habe ich nur meine Stereotypen. Wäre diese Begegnung realiter so, wie ich sie mir im Moment vorstelle? Die Ästhetik der Begegnung manifestiert sich im Leben jeden Moment neu und gänzlich unerwartet. So kann ich nur pauschal antworten: Meine liebsten Diskussionspartner/-innen sind Menschen, die an der fundamentalen Rolle der Kunst im Leben zweifeln.

5. Ihr Buch in einem Satz:
»Ästhetik der Begegnung« will dazu anregen, die Tiefe und Komplexität der Bilder neu zu entdecken und sich ihrer in der Begegnung mit den Anderen zu bedienen. <<<


Thomas R. Huber

Ästhetik der Begegnung

Kunst als Erfahrungsraum der Anderen

Wie wird Kunst in sozialen Prozessen wirksam? Welche Rolle spielen Stereotypen in der Begegnung? Wie hängen Wahrnehmen und Handeln zusammen?
Dieses Buch ist ein Plädoyer für die Bilder im Zeitalter großer soziopolitischer Wandlungen. Arbeiten von Tania Bruguera, Isaac Julien, Nikki S. Lee, Teresa Margolles, Adrian Piper, Santiago Sierra und Lorna Simpson werden als performative Räume erschlossen. In den dort entstehenden Bildern kommen andere Menschen sehr nahe und die am Werk Teilhabenden begegnen sich selbst in ihnen. Begehren und Diskriminieren der Anderen werden als essenzielle Bewusstseinsprozesse reflektierbar. Stereotype Repräsentationen kommen in Bewegung. Die Interaktion der äußeren und inneren Bilder löst dialogische Prozesse aus, die Wahrnehmen und Handeln nachhaltig verändern.
Thomas R. Huber unternimmt einen methodisch innovativen Brückenschlag zwischen Identitätspolitik, Ethik und Ästhetik und macht so Kunst als soziopolitisches Agens greifbar.


 
Autorenbild Huber, Thomas R.

Thomas R. Huber (Dr. phil.) ist Kunst- und Kulturwissenschaftler, Publizist und freier Kurator mit Schwerpunkt auf Kunstprojekten außerhalb der traditionellen Institutionen.

Homepage:
www.thomashuber.eu

»Die vom Autor gewählten Bezugspunkte der Auseinandersetzung mit Bildern und künstlerischer Auseinandersetzung stellen interessante, im disziplinären und interdisziplinären Diskurs bedeutsame, theoretische und lebenspraktische Zugangsweisen dar.«
Jos Schnurer, www.socialnet.de, 24.05.2013
Besprochen in:
www.via-bund.de, 5 (2013)

Kunstwissenschaft, Kulturwissenschaft, Philosophie

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02/2013, 342 Seiten, kart., zahlr. z.T. farb. Abb.
ISBN 978-3-8376-2325-3

Artikel-Nr.: 2325

-2325-3: Huber, Ästhetik der Begegnung

Kunst als Erfahrungsraum der Anderen

 

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03/2014, 342 Seiten
ISBN 978-3-8394-2325-7

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