Interview

... mit Roman Marek

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
In der Öffentlichkeit – wie auch in den meisten Studien zu YouTube – stehen fast... >>>
... mit Roman Marek

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
In der Öffentlichkeit – wie auch in den meisten Studien zu YouTube – stehen fast immer die Inhalte im Vordergrund: das Sensationelle, das Künstlerische oder die Banalität. Meine Arbeit hingegen lenkt den Blick erstmals auf die durch die medialen Praxen unzähliger Nutzer ausgelöste Bewegung der Bilder im Internet. Diese Bewegung aber verläuft keineswegs kontrolliert, sondern sie verselbstständigt sich – hier entwickelt mein Buch eine Begrifflichkeit, um dieses Phänomen überhaupt beschreibbar zu machen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Es wird gezeigt, dass kollektive Schaffensprozesse die individuelle Autorschaft immer weiter in den Hintergrund drängen. Gleichzeitig aber steigert gerade diese Entwicklung das Interesse und die kreative Beteiligung der Nutzer. Es ist zu beobachten, dass sich eine anonyme und virtuelle »Community« eines Mediums bemächtigt, das bisher nur wenigen Professionellen zur Verfügung stand. Diese Form der Partizipation ist aber nicht politisch im herkömmlichen Sinn, sie vollzieht sich eher unbewusst.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Zentral ist der Beitrag zur interdisziplinär geführten Debatte über ungeplante strukturbildende Prozesse (Automatismen), die besonders in den Neuen Medien eine große Rolle spielen. Meine Arbeit liefert ein begriffliches Instrumentarium, mit dem diese Prozesse analytisch erfasst und theoretisch verortet werden können. Außerdem leistet sie einen Beitrag zur vergleichenden Analyse, nicht nur mit anderen Medien, sondern auch mit kulturellen Phänomenen wie der chinesischen Shanzhai-Kultur.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Wenn es denn möglich wäre: Mit Walter Benjamin und Aby Warburg. Aber mal im Ernst: Besonders spannend wäre der interdisziplinäre Austausch, etwa im Hinblick auf terminologische Fragen mit der Biologie. Auch zur Kunstgeschichte – wie sie etwa von Horst Bredekamp, Hans Belting oder W.J.T. Mitchell vertreten wird – gäbe es viele Anknüpfungspunkte. Innerhalb der Medienwissenschaften würde ich sehr gerne mit Anna Munster und Geert Lovink über ihr Konzept der distribuierten Ästhetik sprechen.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Ein Versuch, die Mechanismen aufzuzeigen, die YouTube so faszinierend machen. <<<


Roman Marek

Understanding YouTube

Über die Faszination eines Mediums

Amateurvideos im Internet – meist verkürzt auf das Stichwort »YouTube« – werden gegenwärtig in der Öffentlichkeit ebenso wie in den Medienwissenschaften intensiv diskutiert: Was ›fesselt‹ die Nutzer, was zieht sie in den Sog des Netzes hinein? Das Buch eröffnet dem Leser einen neuen Blick auf die Zirkulation der Videobilder: Analysiert werden unerwartete, deviante Medienpraxen, die zwischen Zerstörung, Intervention, Automatismus, Wiederholung und Nachahmung oszillieren und in die Produktion von Recyclingvideos münden. Wie sich zeigt, machen erst individuelle Wieder- und Weitergabe, Teilhabe und Modifikation aus einem Medium ein »Massenmedium«.


 
Autorenbild Marek, Roman

Roman Marek (Dr. phil.) hat am Graduiertenkolleg »Automatismen« der Universität Paderborn promoviert. Seine Forschungsschwerpunkte sind Visuelle Kultur, Neue Medien, Marketing und Begriffsgeschichte.

»Eine Fülle von spannenden Anstößen zum Weiterdenken.«
Claudia Paganini, Communicatio Socialis, 46/3 (2013)
Besprochen in:

scm Newsletter, 2 (2013)
GMK-Newsletter, 4 (2013)
GMK-Newsletter, 10/11 (2013)
www.lehrerbibliothek.de, 25.11.2013, Dieter Bach
tv diskurs, 18/1 (2014), Lothar Mikos

Medienwissenschaften, Kulturwissenschaften, Bildwissenschaften, Ästhetik, Soziologie, Begriffsgeschichte sowie die interessierte Öffentlichkeit

Print 34,80 €

02/2013, 398 Seiten, kart., zahlr. Abb.
ISBN 978-3-8376-2332-1

Artikel-Nr.: 2332

-2332-1: Marek, Understanding YouTube

Über die Faszination eines Mediums

 

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03/2014, 398 Seiten
ISBN 978-3-8394-2332-5

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