Komplizenschaft

Neue Perspektiven auf Kollektivität

Occupy, Commons oder andere soziale Experimente zeigen: Neue Kollektivitäten werden allenthalben erfunden und erprobt. Gesa Ziemer bereichert diese Debatte um die Einsicht, dass dabei die Umdeutung alter Formen gemeinschaftlichen Handelns eine wesentliche Rolle spielen kann. Der Blick auf Komplizenschaften in Kunst, Wissenschaft und Wirtschaft legt eine solche Form aktueller Kollektivierung frei.

Komplizenschaft heißt Mittäterschaft: Man hat eine Idee, schmiedet einen Plan und setzt diesen gemeinsam um. So definiert es das Strafrecht. Der Begriff zielt aber längst nicht nur auf illegale kollektive Handlungen ab, sondern auch auf legale – vor allem in innovativen Umgebungen. Gemeinschaftlich handeln Individuen dabei hochgradig affektiv – jedoch nur temporär, verbindlich gemeinsam – aber doch individuell, erfinderisch – und gleichzeitig zielorientiert.

In einer beigelegten DVD präsentieren Personen aus den Bereichen Kunst, Wirtschaft und Wissenschaft ihre Vorstellungen und Praktiken von Komplizenschaft.

19,99 € *

2013-10-07, 200 Seiten
ISBN: 978-3-8376-2383-3

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Gesa Ziemer

Gesa Ziemer, HafenCity University Hamburg, Germany

... mit Gesa Ziemer

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Dieses Buch (mit Film) beschreibt ein kulturelles Phänomen, das noch nie wissenschaftlich dargestellt wurde: Komplizenschaft. Wir alle haben schon komplizitär agiert, nur wissen wir es manchmal nicht. Ein Blick, eine Geste oder eine Bewegung: In entscheidenden Situationen führen solche – oft physischen und informellen – Momente, die Komplizenschaft einleiten, zu tragfähigen Bündnissen, die wichtige Entscheidungen maßgeblich beeinflussen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Veränderte Realitäten brauchen veränderte Begriffe. Das Buch analysiert, warum bestimmte (vor allem kleine) Gruppen – trotz widriger Umstände – gemeinsam gut funktionieren und Erstaunliches hervorbringen. Komplizenschaft ist negativ besetzt und wird strafrechtlich geahndet. Deutet man diesen Begriff jedoch als kreative Arbeits- und Lebensweise um, werden die konspirativen und nicht konformen kollektiven Dynamiken zu produktiven und zielgerichteten Handlungsformen, die effektvoll – in allen sozialen Segmenten – neue Strukturen und Inhalte hervorbringen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in aktuellen Debatten in Wissenschaft und Gesellschaft zu?

Soziale Gefüge sind fragil geworden, weshalb sich Qualitäten sozialer Bindungen verändern: Flexible Arbeitswelten, temporäre Lebensentwürfe oder neue Formen kollektiver Autorschaft. Intensität und zeitliche Begrenztheit in der Zusammenarbeit sind keine Gegensätze mehr. Komplizenschaft ist ein Begriff, der diese Veränderung aufgreift und widersprüchliche, aber wirkungsvolle Handlungsweisen beschreibt.

4. Welche besonderen Aspekte kann die wissenschaftliche Betrachtung in die öffentliche Diskussion einbringen?

Künstler/-innen sind Meister der Komplizenschaft, weil sie konstant Perspektiven und Hierarchien verändern. Die Wissenschaft, Politik und Wirtschaft kann von ihnen lernen. Deshalb berichten – neben Vertretern aus Wirtschaft, Kulturmanagement und Wissenschaft – vor allem eine Tänzerin und Musiker im Forschungsfilm darüber, wie Komplizenschaft funktioniert. Diese Verknüpfung von Kunst und Wissenschaft fokussiert interdisziplinär eine spezifische Form der Gruppenbildung, die sich von Teamwork, Netzwerk, Allianzbildung etc. unterscheidet.

5. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Gerne diskutiere ich das Buch mit Menschen, die komplizitäre Lebenserfahrung haben: Entweder als Geschichte des Erfolgs oder des Scheiterns. Dies in den unterschiedlichsten Berufsfeldern: Landwirtschaft, Medizin, Wirtschaft, Technik, Handwerk, Politik oder Management vielleicht? In allen Bereichen finden sich Menschen, die ihre Arbeitsstrukturen und Themen immer wieder neu gestalten – auch in hierarchischen und rigiden Organisationen.

6. Ihr Buch in einem Satz:

Film und Text zeigen, dass Komplizenschaft allgegenwärtig ist und wie sie funktioniert: Als informelle und physische kulturelle Praxis.

O-Ton: »Mit ist produktiver als Gegen« – taz-Interview mit Gesa Ziemer am 01.12.2014.
(http://bit.ly/2fk5Wp9)
»[Gesa Ziemers] besonderer Verdienst ist es, diesen Begriff [Komplizenschaft] aus dem strafrechtlichen auf den kreativen Kontext übertragen zu haben.«
Alexandra Hildebrandt, Huffington Post, 08.09.2014
O-Ton: »Unter Komplizen« – Gesa Ziemer im Interview bei changeX am 05.09.2014.
(http://bit.ly/2xTEpCN)
»Ein Buch für kulturtheoretisch Bewanderte, die sich für kollektive Praxen interessieren. Sowie für AktivistInnen, die am Reflektieren ihres Tuns interessiert sind.»
Birge Krondorfer, an.schläge, 5 (2014)
»Neue Kollektivitäten werden allenthalben erfunden und erprobt. Gesa Ziemer bereichert diese Debatte um die Einsicht, dass dabei die Umdeutung alter Formen gemeinschaftlichen Handelns eine wesentliche Rolle spielen kann.«
Waltraud Rusch, textil, 1 (2014)
O-Ton: »Komplizenschaft kann emanzipatorisch wirken« – Gesa Ziemer im Carta-Interview am 12.01.2014.
(http://bit.ly/2wAyjHe)
»Ziemers Buch ist sehr spannend zu lesen, die Autorin verbindet ihre theoretischen Überlegungen mit vielen interessanten und anschaulichen Beispielen. Es lässt sich abschließend feststellen: Wissenschaft nützt und Komplizenschaft auch!«
Marie Mohrmann, Der Freitag, 29.11.2013
O-Ton: »What ist complicity?« – Vortrag von Gesa Ziemer auf der Berliner Gazette Conference am 09.11.013.
(http://bit.ly/2hkRCxD)
Besprochen in:
http://german-architects.com, 13.11.2013, Christian Holl
Deutschlandfunk, Corso, 08.11.2013, Susanne Luerwig
WDR5, Politikum, 25.11.2013
Kunstbulletin, 3 (2014)
IASL online, 15.04.2014, Theresa Elze
Huffington Post, 08.09.2014, Alexandra Hildebrandt
Huffington Post, 21.03.2015, Alexandra Hildebrandt
Huffington Post, 29.02.2016, Alexandra Hildebrandt
Autor_in(nen)
Gesa Ziemer
Buchtitel
Komplizenschaft Neue Perspektiven auf Kollektivität
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
200
Ausstattung
kart., inkl. Begleit-DVD
ISBN
978-3-8376-2383-3
Warengruppe
1510
BIC-Code
JFC JHB ABA
BISAC-Code
SOC022000 SOC026000 ART009000 SOC041000
THEMA-Code
JBCC JHB ABA
Erscheinungsdatum
2013-10-07
Auflage
1
Themen
Sozialität, Zeitdiagnose, Gesellschaft, Kultur
Adressaten
Soziologie, Organisationstheorie, Kunsttheorie sowie die an Innovationen in Gesellschaft, Kunst und Wirtschaft interessierte Öffentlichkeit
Schlagworte
Komplizenschaft, Kollektive, Öffentlichkeit, Arbeit, Autorschaft, Individuum, Gemeinschaft, Sozialität, Gesellschaft, Kultur, Cultural Studies, Kunstsoziologie, Kultursoziologie, Kulturwissenschaft

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