Autoreninterview

... mit Susann Huschke

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Dieses Buch ist mehr als nur eine wissenschaftliche Abhandlung. Es beschreibt detailliert und... >>>
... mit Susann Huschke

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Dieses Buch ist mehr als nur eine wissenschaftliche Abhandlung. Es beschreibt detailliert und feinfühlig den Alltag sogenannter ›Illegaler‹: Migranten/-innen, die hier ohne Aufenthaltsstatus leben, arbeiten, zur Schule gehen und krank werden. Es macht die Unsichtbaren sichtbar, lässt diejenigen zu Wort kommen, die bisher kaum gehört wurden, und es zeigt die eklatanten Lücken in der medizinischen Versorgung dieser Gruppe auf.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Das Buch ist die erste Ethnographie, die die Krankheitserfahrungen und die problematische Gesundheitsversorgung undokumentierter Migranten/-innen in Deutschland beleuchtet. Es zeigt, dass undokumentierte Migranten/-innen weder hilflose Opfer noch gewissenslose Kriminelle sind, sondern Menschen, die auf der Suche nach Arbeit und einer besseren Zukunft für ihre Kinder hierhergekommen sind – zumeist jedoch ohne eine Chance auf Legalisierung. Das Buch beschreibt erstmals, wie sie sich in Berlin zurechtfinden und wie sie mit Krankheit und psychischen Belastungen umgehen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
In den vergangenen Jahren hat das Thema ›Illegalität‹ zunehmend Beachtung gefunden, sowohl in den Sozial- und Gesundheitswissenschaften als auch in der Öffentlichkeit. Gleichzeitig gibt es bisher in Deutschland nur wenige Forschungen über undokumentierte Migranten/-innen. Diese Ethnographie füllt eine Lücke und zielt darauf ab, eine kritische Diskussion über die Gesundheitsversorgung dieser Migranten/-innengruppe anzustoßen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit denjenigen, die politische Verantwortung tragen und Veränderungen auf den Weg bringen können: dem Bundesinnenminister zum Beispiel. Mit denjenigen, die in der Praxis für die medizinische Versorgung undokumentierter Migranten/-innen sorgen: Ärzte/-innen, Pfleger/-innen, Krankenhausdirektoren/-innen. Und nicht zuletzt mit allen, die sich mit den Auswirkungen von Ausgrenzung und globaler Ungleichheit auseinandersetzen und neue Lösungen finden wollen.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Das Buch beschreibt, wie undokumentierte Lateinamerikaner/-innen mit Krankheit umgehen und analysiert die Lücken in der gegenwärtigen medizinischen Versorgung. <<<


Susann Huschke

Kranksein in der Illegalität

Undokumentierte Lateinamerikaner/-innen in Berlin. Eine medizinethnologische Studie

Wie lebt es sich ohne soziale Absicherung? Anhand detaillierter Fallstudien ermöglicht diese Ethnographie Einblicke in die Lebenswelt und die Krankheitserfahrungen undokumentierter Lateinamerikaner_innen in Deutschland.
Susann Huschke zeigt, wie Arbeitsmigrantinnen und -migranten ohne Aufenthaltsstatus ihren Lebensalltag ohne soziale Absicherung organisieren, und nimmt die Probleme und Lücken in der medizinischen Versorgung kritisch unter die Lupe. Das Buch wendet sich nicht nur an die Medizinethnologie und die Migrationsforschung, sondern auch an diejenigen, die in der Praxis mit Gesundheit, Migration und Illegalität befasst sind.


 
Autorenbild Huschke, Susann

Susann Huschke (Dr. phil.) ist Medizinethnologin und Lehrbeaufragte am Institut für Ethnologie der Freien Universität Berlin. Sie ist zudem beim Berliner Büro für medizinische Flüchtlingshilfe tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Migration/Mobilität, Gesundheitsversorgung und Sexarbeit.

»Es gelingt Huschke, nuanciert die Vielschichtigkeit der Lebensrealitäten der Beforschten aufzuzeigen, und sowohl die Schwierigkeiten der strukturellen Bedingungen kritisch zu beleuchten als auch die beforschten Migrant/innen als strategisch handelnde Subjekte zu Wort kommen zu lassen.«
Marie Fröhlich, kulturen, 2 (2015)
»Das Buch [gibt] viele und ausführliche Fallbeispiele und ist deswegen sicher auch für all jene von Interesse, die sich für Forschungsmethoden und -theorien interessieren, und für jene, denen die Beschreibung der Lebensverhältnisse völlig ungesicherter Existenzen von Interesse und eventuell sogar auch noch ein Anliegen sind.«
Katarina Greifeld, Curare, 37/1 (2014)
»Ein Buch, das informiert und gesellschaftliche Diskussion anregt.«
Eva-Maria Beck, www.socialnet.de, 30.03.2014
»Susann Huschke gelingt es, ein bisher wenig bekanntes Thema in die Öffentlichkeit zu bringen und es über die akademischen Kreise hinaus für ein breiteres Publikum zugänglich zu machen.«
www.kritisch-lesen.de, 01.10.2013
Besprochen in:

BZgA-InfoDienst Migration, 3 (2013)
Swiss Migration News, 12 (2013)

Ethnologie, Migrationsforschung, Soziologie, Medizin, Soziale Arbeit, Pflegewissenschaften, Politik

Print 36,80 €

05/2013, 416 Seiten, kart., zahlr. Abb.
ISBN 978-3-8376-2393-2

Artikel-Nr.: 2393

-2393-2: Huschke, Kranksein in der Illegalität

Undokumentierte Lateinamerikaner/-innen in Berlin. Eine medizinethnologische Studie

 

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03/2014, 416 Seiten
ISBN 978-3-8394-2393-6

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