Autoreninterview

... mit Heidrun Friese

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Weil es kritisch und provokant in aktuelle Debatten über Migration eingreift, die Lampedusa zu... >>>
... mit Heidrun Friese

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Weil es kritisch und provokant in aktuelle Debatten über Migration eingreift, die Lampedusa zu einem Symbol des europäischen Grenzregimes und der Grenzen der Gastfreundschaft in postkolonialen Kontexten gemacht haben. Zugleich wird deutlich, dass Gastfreundschaft Teil politischer Aushandlungen und eines Agonismus ist, der das Politische und den Streit um die Legitimität einer Ordnung begründet.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Ich nehme die Ambivalenzen der Gastfreundschaft ernst und knüpfe damit an Ansätze für das Denken des Politischen an. Jenseits der (medialen) Bilder und der dominanten Repräsentation von ›Migranten‹ als Opfer, Bedrohung oder Helden wird der Blick auf agonistische, transnationale und kosmopolitische Praktiken und machtgeladene Auseinandersetzungen um die ›Grenzen der Gastfreundschaft‹ eröffnet.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Gastfreundschaft umgreift das Ethische, das Soziale, das Politische, sie betrifft die Grundlagen des Gemeinwesens. Das Buch zeigt, dass die Aufnahme von mobilen Menschen an diese unterschiedlichen und widerstreitenden Aspekte gebunden ist. Zugleich wird deutlich, dass ihre Praktiken zu einem Teil neuer Gouvernementalität, der politischen Ökonomie und der Migrationsindustrie geworden ist, in der sich unterschiedliche politische und ökonomische Interessen treffen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit den nationalen Politikern und den Vertretern der EU, die tatsächlich meinen, Träume und Eigensinn durch vermeintlich effizientes Management von Migration vertreiben zu können und die mit ihren Politiken und Policy-Programmen das Recht auf Freiheit und Mobilität nur einem Teil der Menschheit zugestehen. Es würde mich schon reizen mit denjenigen zu diskutieren, die das koloniale Erbe in diesen Politiken ausblenden und doch weitertragen.

5. Ihr Buch in einem Satz:
»Grenzen der Gastfreundschaft« stellt die Frage, wie wir zusammen leben wollen. <<<


Heidrun Friese

Grenzen der Gastfreundschaft

Die Bootsflüchtlinge von Lampedusa und die europäische Frage

Lampedusa ist zum zentralen Symbol undokumentierter Mobilität im Mittelmeer und der europäischen Grenzen der Gastfreundschaft geworden.
Heidrun Friese gibt Einblick in historische Semantiken der Gastfreundschaft und Perspektiven der Kulturwissenschaft sowie der Philosophie und konfrontiert diese mit den Praktiken der Aufnahme von Bootsflüchtlingen. Deutlich wird, dass Mobilität, die Deklaration des permanenten Ausnahmezustands und die Migrationsindustrie einen transnationalen politischen Raum schaffen, in dem sich Interessen, Dissens und Partizipation artikulieren.
An der Schnittstelle zwischen Anthropologie und Kulturwissenschaft verbindet die Studie langjährige Feldforschung und dichte Beschreibung mit jüngsten Diskussionen um Gastfreundschaft und plädiert für einen lokalisierten Kosmopolitismus.


 
Autorenbild Friese, Heidrun

Heidrun Friese ist Professor für Interkulturelle Kommunikation an der TU Chemnitz. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen u.a. (kulturelle) Identitäten, Erinnerungskulturen, postkoloniale Perspektiven, transnationale Praktiken, digitale Anthropologie und Mittelmeerforschung.

Homepage:
www.hfriese.de

»Die Lektüre ist jedem zu empfehlen, der sich für den Umgang mit Migration interessiert und der eine Haltung dazu entwickeln möchte. Für jemanden, der sich vertieft mit dem Thema illegale Migration befasst, scheint es mir wesentlich zu sein, sich mit diesem Werk zu befassen.«
Annegret Lorenz, www.socialnet.de, 08.01.2015
»Das Beispiel eines gelungenen Zusammenspiels von Empirie, Theorie und daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen zeigt, was Sozialwissenschaft leisten kann. [Das Buch] ist ein brillant geschriebenes Werk und macht kreative Vorschläge, wie Europa als Sozialraum gestaltet werden kann. Es sollte Pflichtlektüre für jeden EU-Politiker sein.«
Margaretha Kopeinig, Europäische Rundschau, 4 (2014)
»Klar und unideologisch.«
Caroline Fetscher, Der Tagesspiegel, 06.12.2014
»Glänzend geschrieben, ist ein großes Buch. Ein Muss für alle, die Europa als Sozialraum denken und gestalten wollen.«
www.tagesspiegel.de, 24.08.2014
Besprochen in:

Swiss Migration News, 7 (2014)
IDA-NRW, 20/3 (2014)
BZgA-InfoDienst Migration, 4 (2014)
Portal für Politikwissenschaft, 23.10.2014, Frank Kaltofen
SWR International, Buchtipps, 1 (2015)
Forum Politikunterricht, 3 (2014), Wolfgang Berg
http://www.tagesspiegel.de, 04.010.2014, Marica Bodrozic
http://blog.buchmesse.de, 07.10.2014
http://blog.book-fair.com, 07.10.2014
asyl aktuell, 1 (2015)

Kultur- und Sozialanthropologie, Migrationssoziologie, Kulturwissenschaft, Politikwissenschaft, Mittelmeerforschung, Menschenrechtsforschung sowie die an der EU-Grenzpolitik interessierte Öffentlichkeit

Print 29,99 €

07/2014, 250 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-2447-2

Artikel-Nr.: 2447

-2447-2: Friese, Grenzen der Gastfreundschaft

Die Bootsflüchtlinge von Lampedusa und die europäische Frage

 

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07/2014, 250 Seiten
ISBN 978-3-8394-2447-6

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