Autoreninterview

... mit Christiane Lahusen

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Weil es Identitätsbildungsprozesse in Deutschland behandelt, die uns alle etwas angehen.... >>>
... mit Christiane Lahusen

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Weil es Identitätsbildungsprozesse in Deutschland behandelt, die uns alle etwas angehen. Die Frage, wie sich Individuum und Gesellschaft zueinander verhalten, ist immer wieder neu zu beantworten. Das Funktionieren einer Gesellschaft ist notgedrungen auch davon abhängig, dass die Kluft zwischen großer Erzählung und persönlichem Erleben nicht zu groß wird. Deshalb lohnt es sich, dieses Spannungsverhältnis im Falle der DDR und ihres Nachwirkens zu untersuchen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Die zahlreichen Lebenserinnerungen, die sich mit der DDR beschäftigen, werden zumeist als rückwirkende Verklärungen oder Verdammungen eines gescheiterten Staates abgetan. Mein Buch geht nicht nur den kognitiven Prozessen in Zusammenhang mit Zäsurerfahrung und Autobiographie näher auf den Grund, sondern es zeigt vor allen Dingen, dass die untersuchten Autobiographien immer auch Zukunftsentwürfe darstellen: Sie sind wesentlich stärker auf ein Morgen als auf das Gestern gerichtet.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Die Grenzen und Möglichkeiten des Sagbaren (Achim Landwehr) schreiben auch an Autobiographien mit. Mein Buch zeigt, wie sich diese Grenzen im Entstehungsprozess eines Textes in dem Maße verschieben, in dem sich auch der Adressatenkreis immer wieder verändert. So können Erinnerungstexte als dynamische Quellen analysiert werden.

4. Ihr Buch in einem Satz:
Der Untergang des Sozialismus und die Rückkehr der Utopie. <<<


Christiane Lahusen

Zukunft am Ende

Autobiographische Sinnstiftungen von DDR-Geisteswissenschaftlern nach 1989

Alles Ostalgie? 1989 stellte für viele eine Zäsur dar – eine große Zahl an sogenannten Nachwende-Erinnerungstexten sind daraufhin entstanden, anhand derer sich die Auswirkungen der Wende auf die kulturellen Sinnsysteme analysieren lassen.
Im Mittelpunkt dieses Buches stehen als Untergruppe solcher Texte die Autobiographien von DDR-Geisteswissenschaftlern. Christiane Lahusens Analyse zeigt, dass diese nicht als rückwirkende Verklärungen der DDR-Wirklichkeit abgetan werden können. Vielmehr ergibt sich ein wesentlich komplexeres Bild: Die Autobiographien sind weniger Vergangenheits- als Zukunftstexte, denn erst der Zusammenbruch des Staatssozialismus erlaubte den Autobiographen den Rückbezug auf eine politische Utopie, die ihnen zu DDR-Zeiten längst abhanden gekommen war.


 
Autorenbild Lahusen, Christiane

Christiane Lahusen (Dr. phil.) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Neueste und Zeitgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin.

Homepage:
HU Berlin

»Im Sinne einer sich gesellschaftlich weiter öffnenden Geschichtswissenschaft ist zu hoffen, dass es nunmehr gelingt, die spezifische Perspektive der Autobiographie mit anderen Perspektiven und Zugängen des historischen Fachs in Beziehung zu setzen und damit einen neuen Blick auf die Geschichte zu werfen, der gerade für die Aufarbeitung der noch sehr fragmentierten und polarisierten DDR-Geschichtsschreibung notwendig erscheint. Hierzu hat Christiane Lahusen einen wichtigen Baustein geliefert.«
Arthur Schlegelmilch, H-Soz-u-Kult, 28.07.2015
»Für den dissonanten Diskurs über die Geschichte der DDR ist die qualifizierte Stimme der als Geistenswissenschaftler schreibenden Zeitzeugen zweifellos eine Bereicherung.«
Ulmann Weiß, Das Historisch-Politische Buch, 63/3 (2015)
»Lahusens Studie ist sehr lesenswert, teilweise erhellend und ausgesprochen spannend.«
Elke Kimmel, Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 12 (2014)
Besprochen in:

Neue Politische Literatur, 59 (2014), Ulrich van der Heyden

Geschichtswissenschaft, Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaft sowie die interessierte Öffentlichkeit

Print 35,99 €

11/2013, 326 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-2585-1

Artikel-Nr.: 2585

-2585-1: Lahusen, Zukunft am Ende

Autobiographische Sinnstiftungen von DDR-Geisteswissenschaftlern nach 1989

 

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E-Book 35,99 €

PDF-Download, 1,66 MB
06/2014, 326 Seiten
ISBN 978-3-8394-2585-5

Preise inkl. gesetzlicher MwSt.*

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