Interview

... mit Abbas Poya

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Ich weiß nicht, ob es Bücher geben kann, die die Welt nicht braucht. Es kann allerdings... >>>
... mit Abbas Poya

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Ich weiß nicht, ob es Bücher geben kann, die die Welt nicht braucht. Es kann allerdings Bücher geben, die eine bestimmte Welt nicht braucht. »Denken jenseits von Dichotomien« braucht auf jeden Fall eine Welt, die die Arroganz des Glaubens an das eigene Wissen, die Ignoranz der Überzeugung von einer einzigen Wahrheit überwindet, sich der Komplexität und Vielschichtigkeit gesellschaftlicher und intellektueller Phänomene öffnet und dadurch einen bescheidenen Umgang mit dem eignen Wissen lernen will.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Das Buch argumentiert dahingehend, dass man in den gesellschaftspolitischen und wissenschaftlichen Auseinandersetzungen die Perspektive des Anderen genauso ernst in Betracht ziehen soll wie die eigene – noch mehr, dass eine eigene Perspektive nur im Austausch mit den anderen existiert.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
In den kulturwissenschaftlich orientierten islamwissenschaftlichen Untersuchungen gab es immer wieder innovative Ansätze, selbstkritisch den Orientalismus zu überwinden. Die Tatsache, dass viele neuere Forschungen von Menschen mit ›orientalischen‹ Wurzeln durchgeführt wurden, hatte eine gewisse Sensibilität in die Debatten hineingebracht. Nichtsdestotrotz hat man zumeist an das eigentliche Paradigma des Orientalismus ›Ich und der/die Andere‹ festgehalten. Das Buch will diese Dichotomie in Frage stellen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit Jacques Derrida, der sich stets ›zwischen allen Lagern‹ (Die Zeit, 16/2013) bewegte, mit Edward Said, der immer ein Grenzgänger blieb und vor allem mit den hier vorgestellten Autoren selbst, um mit ihnen allen an einem Runden Tisch die Frage zu diskutieren, ob und wie sie sich in dieser Zusammensetzung ein Leben in einer Wohngemeinschaft vorstellen können.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Das Buch erzählt aus einer postkolonialen Perspektive die gegenwärtig spannendsten und wichtigsten Denkansätze im Iran. <<<


Abbas Poya

Denken jenseits von Dichotomien

Iranisch-religiöse Diskurse im postkolonialen Kontext

In den bisherigen Forschungen zu »muslimischen« Denkerinnen und Denkern sind die dichotomisch verwendeten Begriffe »Moderne« und »Islam« zentral. Dabei wird »Moderne« meist mit »westlich«, »säkular«, »reformerisch« und neuerdings »global« gleichgesetzt – und »Islam« mit »orientalisch«, »religiös«, »traditionell« und »partikular«.
Abbas Poya nimmt einen Wechsel der »Erzählperspektive« vor. Anhand von vier gegenwärtig wichtigen iranischen Autoren – Al-e Ahmad, Shari'ati, Sorush und Malekyan – untersucht er den Transformationsprozess in den heutigen islamisch-intellektuellen Diskursen im Lichte global vorherrschender postkolonialer Zustände und zeigt, dass ihre Gedankengänge durch die sogenannten islamischen/orientalischen Ideen ebenso geformt sind wie durch die vermeintlich säkularen/westlichen Vorstellungen.


 

Abbas Poya (PD Dr. phil.) ist habilitierter Islamwissenschaftler und hat an den Universitäten Hamburg, Freiburg und Zürich gelehrt. Er leitet die Nachwuchsforschergruppe »Norm, Normativität und Normenwandel« an der Universität Erlangen-Nürnberg. Seine Forschungsschwerpunkte sind: Islamisches Recht, Toleranz, moderne intellektuelle Diskurse im Islam sowie Gerechtigkeit als normatives Konzept.

Homepage:
Abbas Poya: Uni Erlangen

Islamwissenschaft, Iranistik, Kulturwissenschaft, Religionswissenschaft

Print 29,99 €

10/2014, 270 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-2590-5

Artikel-Nr.: 2590

-2590-5: Poya, Denken jenseits von

Iranisch-religiöse Diskurse im postkolonialen Kontext

 

Lieferzeit in der Regel 3-5 Werktage

 
 
 

E-Book 26,99 €

PDF-Download, 1,70 MB
10/2014, 270 Seiten
ISBN 978-3-8394-2590-9

Preise inkl. gesetzlicher MwSt.*

Weitere Titel

Koranexegese als »Mix and Match« Abbas Poya (Hg.)
Koranexegese als »Mix and Match«
Das Unbehagen in der Islamwissenschaft Abbas Poya, Maurus Reinkowski (Hg.)
Das Unbehagen in der Islamwissenschaft

Weitere Titel zum Thema

Postkolonialismus, Islam

Weitere Titel aus der Reihe

Globaler lokaler Islam