Interview

... mit Franziska Koch

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Weil die Macht der Ausstellung als mediales Dispositiv generell unterschätzt wird und in diesem speziellen Fall gezeigt wird, wie Vorstellungen von der... >>>
... mit Franziska Koch

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Weil die Macht der Ausstellung als mediales Dispositiv generell unterschätzt wird und in diesem speziellen Fall gezeigt wird, wie Vorstellungen von der ›chinesischen Avantgarde‹ seit den 1980er Jahren durch dieses Dispositiv – also geprägt von bestimmten Akteuren wie Kuratoren und Sammlern sowie mittels verbundener politischer, ökonomischer und institutioneller Kräfteverhältnisse und Entwicklungen – transkulturell geformt wurden.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Eine innovative dispositivtheoretische Perspektive, welche die moderne Kunstausstellung im globalen Zeitalter auf komplexe Machtgefüge und kulturelle Genealogien hin untersucht. Dem Ansatz einer transkulturellen Historiografie folgend, die die verflochtenen Kunstgeschichten nach der Mao-Zeit vor allem zwischen China, Europa und Nordamerika in den Blick nimmt, zeigt das Buch, wie die Ausstellung als Mittlerin verschiedener konzeptueller, personeller und institutioneller Aspekte auf einer bestimmten, kulturell immer schon kontingenten Wissensproduktion aufbaut und diese gleichzeitig hervorbringt.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Es erweitert europäische Ausstellungsforschung hinsichtlich des ›post-colonial turn‹ von 1989, um die Frage, wie die zeitgleich in Europa sichtbar werdende chinesische Gegenwartskunst das Dispositiv der Ausstellung verändert hat bzw. von diesem verändert wurde. Das ist auch innovativ, insofern chinesische Kunstgeschichte bislang meist an bestimmten Kunstformen (z.B Installations- oder Performancekunst), dem sozio-politischen Kontext, an Künstler(-gruppen) sowie Trends untersucht wurde, ohne epistemologisch zentrale Vermittlungsinstanzen wie die Ausstellung zu betrachten.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit den Akteuren – also Kuratoren_innen, Sammlern_innen und Museumsvertreter_innen sowie Künstler_innen – die ich in meinem Buch beschreibe, genauso gerne wie mit wissenschaftlichen Kollegen_innen, die über Ausstellungen in verschiedenen Disziplinen forschen und ein Interesse an der kulturwissenschaftlichen Hinterfragung kunsthistoriografischer und institutioneller Praktiken sowie verflochtenen Geschichten haben. Besonders schön wäre es, wenn der wissenschaftliche Dialog mit Kollegen_innen aus (Ost-)Asien zunehmen würde.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Es untersucht mittels 20 Gruppenausstellungen (chinesischer Gegenwartskunst) wie das Dispositiv der Ausstellung die ›chinesische Avantgarde‹ transkulturell konstituiert(e). <<<


Franziska Koch

Die »chinesische Avantgarde« und das Dispositiv der Ausstellung

Konstruktionen chinesischer Gegenwartskunst im Spannungsfeld der Globalisierung

Seit den 1990ern ist die Rezeption chinesischer Gegenwartskunst im Medium der Ausstellung stark gestiegen. Ausstellungen prägten das Etikett »chinesische Avantgarde« und ermöglichten eine neue, globale Dimension von Wechselwirkungen mit der Kunstproduktion in China.
In transkultureller Perspektive beantwortet Franziska Koch die Frage nach der Verfasstheit dieser Kunst mit Blick auf das mediale Dispositiv der Ausstellung, in dem sich sowohl Chinas Kunstbilder wie auch verbundene Chinabilder zeigen bzw. gezeigt werden. Sie untersucht kritisch und diachron 20 Großausstellungen im Westen, ihr Verhältnis zur Entwicklung in China und synchron die damit verbundenen kanonisierenden Agenten, Institutionen und Diskurse.


 

Franziska Koch (Dr. phil.) lehrt am Lehrstuhl für globale Kunstgeschichte des Exzellenzclusters »Asien und Europa im globalen Kontext: Die Dynamik der Transkulturalität« und am Institut für Europäische Kunstgeschichte der Universität Heidelberg. Sie forscht zu moderner und zeitgenössischer Kunst (zwischen Europa und China/Korea), der Ausstellung als Medium, der Geschichte transkultureller Verflechtungen von Kunstakteuren, -objekten und -institutionen sowie zu Autorschaft in kollaborativen Kunstpraktiken.

Homepage:
Franziska Koch: Uni Heidelberg

Kunstgeschichte, Kunstwissenschaft, Museologie, Kulturwissenschaften, Medienwissenschaft, Sinologie

Print 49,99 €

08/2016, 746 Seiten, kart., zahlr. z.T. farb. Abb.
ISBN 978-3-8376-2617-9

Artikel-Nr.: 2617

-2617-9: Koch, Die »chinesische Avantgarde« und das D.

Konstruktionen chinesischer Gegenwartskunst im Spannungsfeld der Globalisierung

 

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07/2016, 746 Seiten
ISBN 978-3-8394-2617-3

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