Autoreninterview

... mit Tobias Haupts

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Im Vordergrund des Buches stehen historisch interessierte Fragen. Wie ließ sich in der... >>>
... mit Tobias Haupts

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Im Vordergrund des Buches stehen historisch interessierte Fragen. Wie ließ sich in der Bundesrepublik der 1980er Jahre dieser Ort Videothek gestalten, wie wurde er konkret erfahrbar und wie setzte er sich gegen die Konkurrenz des Medienensembles seiner Zeit und gegenüber Fragen und Kritik aus der Gesellschaft durch. Eine Untersuchung des Phänomens Videothek ist in dieser Breite und Tiefe für die deutsche Entwicklung dieser Institution – eigentlich erstaunlich – bisher so nicht vorgelegt worden.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Das Buch will einen genaueren Blick auf jenen Zeitraum werfen, als Film in seiner haptischen Form konkret erfahrbar wurde und dem Nutzer im Raum der Videothek ein eigenes Archiv des Films zur Verfügung stand. Zwar war dieses natürlich den Gesetzen des Marktes unterworfen, doch war solch eine für die Massen nutzbare Sammlung in dieser Form erstmalig und schlicht einzigartig. Hier wurde erstmals ein neuer Umgang mit dem Medium erprobt, der bis heute seine Spuren hinterlassen hat.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Der Ort der Videothek ist auch heute noch für jeden Mediennutzer konkret erfahrbar. Daher greifen die Ausführungen auf einen Ansatz der aktuellen raumwissenschaftlichen Medienforschung zurück, wie er maßgeblich an der Universität Siegen – und genauer am Graduierten Kolleg ›Locating Media‹ – entwickelt wurde. Die Arbeit zeigt somit auf, dass dieser Ansatz nicht nur auf zeitgenössische Fragen medienwissenschaftlicher Debatten zu applizieren, sondern auch auf historische Forschung anwendbar ist.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit Videothekaren und Videopionieren in der Bundesrepublik der 1980er Jahre, vor allem da die Sicht auf die Dinge in der Forschung oftmals eine andere sein kann als in der Praxis. Und natürlich mit den Studenten von heute, damit sie nicht nur erfahren, was eine Videokassette war und welche Möglichkeiten sie überhaupt bereithielt, sondern auch, damit sie einen Anreiz erhalten, weiter mit Freude und Freunden in die Videothek zu gehen.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Vom Gang in die Videothek. <<<


Tobias Haupts

Die Videothek

Zur Geschichte und medialen Praxis einer kulturellen Institution

Im Zeitalter der Digitalisierung des Films scheint es erstaunlich, dass das Auftreten seiner haptischen Form noch nicht lang zurückliegt. Der Film auf Videokassette, der den Zuschauer von den Reglementierungen des Kinos und des Fernsehens emanzipierte, schuf nicht nur einen neuen Zugang zur Filmgeschichte, sondern einen gänzlich neuen Raum im Medienensemble: die Videothek. In der Bundesrepublik der 1980er Jahre bildete diese kulturelle Institution einen Nexus, der die neuen Fragen des Jugendschutzes, der Verbreitung von Filmen sowie der andersartigen Medienkonkurrenz bündelte und neu zu beantworten versuchte.


 
Autorenbild Haupts, Tobias

Tobias Haupts (Dr. phil.) lehrt Film- und Medienwissenschaft mit dem Schwerpunkt Filmgeschichte an der Freien Universität Berlin.

Homepage:
Tobias Haupts: FU Berlin

»Ein detailreiches und fundiertes Bild einer wichtigen medialen Entwicklung in der Bundesrepublik der 1980er Jahre. Das lesenswerte Buch trägt zum Verständnis einer sich wandelnden Mediennutzung bei, die Wegbereiter war für einen heute ganz selbstverständlich wirkenden Medienkonsum.«
Thomas Wilke, H-Soz-u-Kult, 20.12.2016
»Das Buch ist interessant zu lesen, da es die Bedeutung der bis vor kurzem wenig beachteten Videothek als Masseninstitution aufzeigt. Haupts Analyse führt den Leser_innen vor Augen, mit welcher Wucht der Film in seiner haptischen Form zuschlug. Er liefert somit einen wichtigen Beitrag zu einer Episode deutscher Mediengeschichte.«
Ulrich Blanché, MEDIENwissenschaft, 3 (2015)
»Der Band liefert eine ebenso kenntnisreiche wie anschauliche Geschichte der Videothek.«
Lothar Mikos, tv diskurs, 72 (2015)
»[Das Buch] macht Spaß, ist hoch informativ und nicht nur etwas für die Wissenschaft, sondern für jeden, der sich mit Mediengeschichte auseinandersetzt. Und wenn man das Buch beendet hat, möchte man nur eines: in die nächste Videothek gehen.«
Max Pechmann, http://filmundbuch.wordpress.com, 17.09.2014
»Tobias Haupts hat hervorragend recherchiert.«
www.hhprinzler.de, 9 (2014)
Besprochen in:
GMK-Newsletter, 9 (2014)
Filmdienst, 11 (2015)

Filmwissenschaft, Medienwissenschaft, Kulturwissenschaft, Geschichtswissenschaft sowie die interessierte Öffentlichkeit

Print 34,99 €

07/2014, 422 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-2628-5

Artikel-Nr.: 2628

-2628-5: Haupts, Die Videothek

Zur Geschichte und medialen Praxis einer kulturellen Institution

 

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07/2014, 422 Seiten
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