Autoreninterview

... mit Christina Richter-Ibáñez

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Mauricio Kagel lebte in, aus und von der Literatur,... >>>
... mit Christina Richter-Ibáñez

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Mauricio Kagel lebte in, aus und von der Literatur, ›brauchte‹ also Bücher.
Die Kagel-Forschung stützte sich lange nur auf seine Erinnerungen: Sie braucht dieses Buch, das vielfältige Daten zusammenträgt.
Die Musikwissenschaft hat bisher keine umfassenden Studien zum argentinischen Musikleben in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg vorgelegt – dies ist ein erster, hoffentlich ›brauchbarer‹ Versuch.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Hier fließen Kenntnisse zu Politik, Musik, bildender Kunst, Film und Literatur zusammen. Verknüpft werden dabei erstmalig spanischsprachige Publikationen, zeitgenössische Quellen und unveröffentlichte Kompositionen mit der weitgehend deutschsprachigen Kagel-Forschung und seinen eigenen Erzählungen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
In den vergangenen Jahren wurde das Musikleben in den europäischen Diktaturen des 20. Jahrhunderts oft untersucht: Die Zahl der Studien zum Musikerexil sowie zur Rückkehr ins Nachkriegsdeutschland nimmt zu; die Kulturpolitik in West und Ost während des Kalten Krieges wird aufgearbeitet. Der Blick auf Argentinien, das zunächst Ziel von Exilanten war, in den Nachkriegsjahren aber seinen Weg zwischen Demokratie, Demagogie und Diktatur suchte und dabei seine kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung verlor, ergänzt aktuelle Diskurse.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit Musik-, Kultur- und Politikwissenschaftlern, Romanisten und Lateinamerikanisten, Musikern und bildenden Künstlern, Filmkennern, mit Kagel-Fans und -Skeptikern und natürlich mit allen, die wie er sowohl in Buenos Aires als auch in Deutschland verwurzelt sind.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Zeitreise in Mauricio Kagels Jugend, Begegnung mit heute weltbekannten argentinischen Intellektuellen und fiktiver Besuch diverser Konzerte. <<<


Christina Richter-Ibáñez

Mauricio Kagels Buenos Aires (1946-1957)

Kulturpolitik – Künstlernetzwerk – Kompositionen

Der Komponist Mauricio Kagel (1931-2008) lebte bis 1957 in Buenos Aires. Christina Richter-Ibáñez geht anhand seiner Biografie Aspekten der Politik unter dem Präsidentenpaar Perón/»Evita« ab 1946 sowie deren Auswirkungen auf das Musikleben nach. Neben Kagels musikalischem Engagement stehen seine Kontakte zum Film, zu bildenden Künstlern des Bauhauses, zu den Schriftstellern Jorge Luis Borges, Julio Cortázar und Witold Gombrowicz sowie zur französischen Theatergruppe Renaud-Barrault im Mittelpunkt ihrer Analysen. Sie finden sich ebenso wie die Musiker Pierre Boulez, Michael Gielen und Juan Carlos Paz als Bezugspunkt in Kagels Werken und Karriere wieder.


 

Christina Richter-Ibáñez ist Musikwissenschaftlerin und forscht in Tübingen und Stuttgart zum 20. Jahrhundert, zeitgenössischer sowie lateinamerikanischer Musik.

»Der Band [setzt] neue Maßstäbe in der Kagel-Forschung; niemand, der an Kagels Werk interessiert ist, wird an ihm vorbeikommen.«
Björn Heile, Die Musikforschung, 69/1 (2016)
»Das Buch [...] stellt einen wichtigen Beitrag zur Kagel-Forschung dar. Aber auch einem Leser, der an der
kulturellen Entwicklung Argentiniens interessiert ist, könnte es eine spannende Lektüre sein.»
Helga de la Motte-Haber, das Orchester, 2 (2015)
»Lesenswert [...], weil es – abseits vom Schaffen Kagels – aufzeigt, dass Gleichschaltung von Kultur in Diktaturen, egal in welchem Land, immer zur Verarmung der Kultur führt. Aber auch, dass es immer Unentwegte gibt, die sich dagegen auflehnen, zivilen Ungehorsam zeigen und in den Untergrund gehen. Und das macht Mut in Zeiten, in denen die Politik einer Demokratie versucht, Kultur auf ökonomischem Wege abzuwürgen.«
Michael S. Zerban, www.opernnetz.de, 01.12.2014
»Sehr fruchtbare Exkursion durch Kagels Buenos Aires.«
Raoul Mörchen, Deutschlandfunk – Musikjournal, 21.10.2014
Besprochen in:

Neue Zeitschrift für Musik, 5 (2013), Stefan Amzoll
Deutschlandfunk, 01.07.2014, Stefan Amzoll
Reutlinger Generalanzeiger, 28.08.2014
Read, 9/10 (2014)

Musikwissenschaft, Kulturwissenschaft, Politikwissenschaft, Literaturwissenschaft, Romanistik, Lateinamerikanistik

Print 39,99 €

04/2014, 342 Seiten, kart., zahlr. Abb.
ISBN 978-3-8376-2662-9

Artikel-Nr.: 2662

-2662-9: Richter-Ibáñez, Mauricio Kagels Buenos Aires

Kulturpolitik – Künstlernetzwerk – Kompositionen

 

Lieferzeit in der Regel 3-5 Werktage

 
 
 

E-Book 39,99 €

PDF-Download, 9,34 MB
06/2014, 342 Seiten
ISBN 978-3-8394-2662-3

Preise inkl. gesetzlicher MwSt.*

Weitere Titel zum Thema

Musik

Weitere Titel aus der Reihe

Musik und Klangkultur