Autoreninterview

... mit Henriette Herwig

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Die Menschheit braucht keine Bücher, die Menschen stigmatisieren und ihnen ihre Würde... >>>
... mit Henriette Herwig

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Die Menschheit braucht keine Bücher, die Menschen stigmatisieren und ihnen ihre Würde nehmen.
In meinem Buch werden historische und gegenwärtige Repräsentationen des Alter(n)s in Literatur und bildender Kunst und Alterswerke analysiert, die dazu beitragen, unsere Vorstellungen vom Alter(n) zu differenzieren. Ein Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie die Literatur sich für die Würde des Menschen einsetzt, wenn sie alte Figuren zeigt, die eingeschränkt handlungsfähig, pflegebedürftig oder dement sind. Anhand von exemplarischen Beispielen wird auch der historische Wandel von Figurentypen des Alters wie ›alte Hexe‹, ›alte Jungfer‹, ›verliebte(r) Alte(r)‹ und ›puer senex‹ aufgezeigt. In anderen Texten erscheint das Alter als Metapher für Epochenwandel.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Die Kehrseite der Erfüllung des Menschheitstraums vom langen Leben in den westlichen Industriegesellschaften ist die steigende Zahl kranker Hochaltriger. Dieser Herausforderung für die Gesellschaft stellt sich seit einiger Zeit auch die Literatur in Form von Demenz-Narrativen, Pflegeheimromanen, Schilderungen von Generationenbeziehungen und Darstellungen von Alterssexualität. Mein Band widmet sich u.a. diesen neuen Tendenzen der Gegenwartsliteratur.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Zur Entwicklung einer neuen Kultur des Alter(n)s tragen gegenwärtig alle wissenschaftlichen Disziplinen bei. Mein Band verbindet die historische mit der gegenwärtigen Perspektive, Literatur- und Kulturwissenschaft mit Kunstgeschichte und Philosophie und berücksichtigt auch die neuesten Erkenntnisse der Neurophysiologie und der sozialwissenschaftlichen Alter(n)sforschung. Hinzu kommt der Kulturvergleich zwischen Deutschland, Japan und den USA.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit allen, die das Alter(n) umtreibt, mit jungen Menschen, die noch nicht ans Alter denken, mit Angehörigen von pflegebedürftigen Alten und Demenz-Kranken, mit Menschen, die in Pflegeberufen arbeiten, mit Demographie- und Alters-Forschern, mit Literaturwissenschaftlern, Theaterleuten und Regisseuren von Filmen über das Alter(n).

5. Ihr Buch in einem Satz:
Das Alter(n) als Thema, Figuration und Metapher in Literatur und bildender Kunst in Geschichte und Gegenwart. <<<


Henriette Herwig (Hg.)

Merkwürdige Alte

Zu einer literarischen und bildlichen Kultur des Alter(n)s

Alter als Thema, Stil und Metapher: Die Beiträge dieses Bandes erforschen den historischen Wandel und die Funktion von Figurentypen des Alter(n)s wie »alte Hexe«, »alte Jungfer«, »puer senex«, »der/die verliebte Alte« in Literatur und bildender Kunst, die Darstellung von Demenz, menschenwürdiger Pflege, Alterssexualität und Generationenbeziehungen in deutschsprachigen und japanischen Alzheimer-Narrationen und Pflegeheimromanen, Erinnerungsmuster und Zukunftsvisionen in Alterswerken Theodor Fontanes und Christa Wolfs sowie das Alter als Metapher für Epochenwandel in der Literatur des Fin de siècle.


 
Autorenbild Herwig, Henriette;(Hg.)

Henriette Herwig (Prof. Dr.) lehrt Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Homepage:
Uni Düsseldorf

»Ein Buch für all jene, die tiefgründiger in das Thema Altersbilder eintauchen möchten. Denn geboten wird ein gutes Tauchrevier.«
Demenz, 26 (2015)
»Der Band [bietet] ein reiches Spektrum an Aspekten, das die Multidimensionalität des Themas ›Alter‹ verdeutlicht.
Der Band ermöglicht einen informativen Einstieg in die gerontologisch orientierte Literatur- bzw. Kulturwissenschaft.«
Elke Brüns, GERMANISTIK, 55/3-4 (2014)
Besprochen in:

www.alzheimer-bw.de, 3 (2014)
Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk, 07.09.2014, Werner Schell
IASL online, 03.12.2014, Natalie Moser
Vier Viertel Kult, 4 (2016)

Germanistik, Kunstgeschichte, Philosophie, Ethik, Psychologie, Soziologie, Pflegewissenschaften sowie Praktiker_innen im Pflegesektor

Print 34,99 €

02/2014, 350 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-2669-8

Artikel-Nr.: 2669

-2669-8: Herwig (Hg.), Merkwürdige Alte

Zu einer literarischen und bildlichen Kultur des Alter(n)s

 

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06/2014, 350 Seiten
ISBN 978-3-8394-2669-2

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