Interview

... mit Oliver Berli

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Ob sich über Geschmack heute noch streiten lässt, steht für mich außer Frage.... >>>
... mit Oliver Berli

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Ob sich über Geschmack heute noch streiten lässt, steht für mich außer Frage. Denn im Alltag lässt sich das Verhandeln von Geschmacksfragen mit all seinen symbolischen wie sozialen Implikationen immer wieder beobachten. Die soziologisch relevante Frage lautet für mich daher, wie die feinen Unterschiede des Musikgeschmacks heute, unter der Bedingung sich verändernder Grenzen zwischen Hoch- und Populärkultur, verhandelt werden.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
In meiner Studie widme ich unter anderem der Frage Aufmerksamkeit, wie Alltagsakteure Musik in ihren mannigfaltigen Formen Wert zuschreiben und damit symbolische wie soziale Abgrenzungen gegenüber anderen Akteuren vornehmen. Damit liefert das Buch wichtige Bausteine für eine empirisch fundierte Debatte über Alltagsästhetik – im vorliegenden Beispiel anhand von Musikgeschmack. Die zugrunde liegende analytische Perspektive ist allerdings, so meine Hoffnung, auch auf andere Bereiche des Kulturkonsums übertragbar.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Die Diskussion um ›grenzüberschreitenden Geschmack‹ bzw. Kulturkonsum wird vor allem – von einigen Ausnahmen abgesehen – außerhalb des deutschsprachigen Raums geführt. Gleichwohl sind die zugrunde liegenden Probleme auch für die deutschsprachige Forschung von hoher Relevanz. Meine Untersuchung ist als empirische Versuchung zu verstehen, internationale Debatten fruchtbar an aktuelle soziologische Perspektiven im deutschsprachigen Raum anzuschließen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Meine Studie ist ein Gesprächsangebot an alle, die sich mit Geschmack, Kulturkonsum und Distinktionsphänomenen beschäftigen und jenseits von methodischen wie theoretischen Differenzen über die damit verbundenen Fragen diskutieren wollen. Eine Diskussion mit Pierre Bourdieu und Richard Peterson, deren Arbeiten mein Interesse am Thema geweckt haben, ist aus naheliegenden Gründen leider nicht möglich. Aber glücklicherweise gibt es international einige Forscherinnen und Forscher, die gleichgelagerte Themen verfolgen.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Ein grenzüberschreitender Geschmack mit der dazugehörigen Absage an Kultursnobismus, stellt die zeitgenössische Variante eines legitimen und distinktiven Geschmacks dar. <<<


Oliver Berli

Grenzenlos guter Geschmack

Die feinen Unterschiede des Musikhörens

Ein breit aufgestellter Musikgeschmack gilt heute für viele als Ausweis kultureller Offenheit. Die Kombination von Vorlieben für unterschiedliche Musikstile wie beispielsweise Klassik, Indie und HipHop mit der dazugehörigen Absage an Kultursnobismus bedeutet aber noch nicht, dass symbolische und soziale Abgrenzungen generell an Bedeutung verlieren.
Oliver Berli rekonstruiert im Anschluss an Bourdieu die Prozesse und Formen des Ordnens und Wertens von Musik sowie des Abgrenzens mittels Musik. In Auseinandersetzungen mit empirischen Daten schlägt er eine Modifikation bestehender soziologischer Deutungen vor und untersucht »grenzüberschreitenden Musikgeschmack« auf seine Grenzen hin.


 
Autorenbild Berli, Oliver

Oliver Berli (Dr. phil.) lehrt Soziologie an der Universität zu Köln. Seine Forschungsschwerpunkte sind Kultursoziologie, Wissenssoziologie und Methoden der Qualitativen Sozialforschung.

Homepage:
Oliver Berli: Uni Köln

Besprochen in:
Deutschlandfunk, 24.10.2014, Ina Plodroch

Soziologie, Kulturwissenschaften, Cultural Studies sowie die interessierte Öffentlichkeit

Print 34,99 €

08/2014, 300 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-2736-7

Artikel-Nr.: 2736

-2736-7: Berli, Grenzenlos guter Geschmack

Die feinen Unterschiede des Musikhörens

 

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09/2014, 300 Seiten
ISBN 978-3-8394-2736-1

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