Interview

... mit Anamaria Depner

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Im ethnographischen Teil finden sich mikroskopische Einblicke in objektbezogene Praktiken beim... >>>
... mit Anamaria Depner

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Im ethnographischen Teil finden sich mikroskopische Einblicke in objektbezogene Praktiken beim Auflösen des eigenen Haushaltes im hohen Alter. Noch nie wurden selbstgestaltete Umzüge ins Altenheim so nahe an den Akteuren beobachtet und beschrieben. Die Ausführungen zur Beschaffenheit der Mensch-Ding-Beziehung, die sich hierauf stützen, sind für die Überwindung der Bedeutungsfokussierung älterer Objekttheoretischer Ansätze von großem Wert.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Diese Untersuchung stellt die physische Präsenz der Dinge ins Zentrum. Die Argumentationsfigur der gleichzeitigen Wahrnehmung von Objekten und des eigenen Leibkörpers beim sinnlichen Austausch mit diesen wird hier erstmals in unmittelbaren Zusammenhang mit systematisch beobachteten Praktiken bezüglich der eigenen Dinge eingesetzt. Zudem wird ersichtlich, dass die Logik, welche der selbsttätigen Auflösung von Objektbeziehung zu Grunde liegt, nicht zwingend dem Dualismus von bedeutend/unbedeutend folgt.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Hinsichtlich des aktuellen Diskurses um ›materielle Kultur‹ wird hier ein Modell präsentiert, in das weniger auf die Agency der Dinge abhebt, als viel mehr auf ihr Potenzial im Sinne eines Gegenübers, dessen Präsenz handlungsauffordernd wirkt.
Aus gerontologischer Perspektive kann für die immer relevanter werdende Betrachtung subjektiven Wohnerlebens ein empathisches Instrument erstellt werden, um Aussagen über das Befinden und die Bedürfnisse von Senioren im Kontext eines Wohnungswechsels zu treffen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit Helmuth Plessner.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Eine Untersuchung zum Ende einer lebenslangen Beziehung. <<<


Anamaria Depner

Dinge in Bewegung – zum Rollenwandel materieller Objekte

Eine ethnographische Studie über den Umzug ins Altenheim

Warum bauen Menschen zu Dingen eine Beziehung auf? Einen Beitrag zur Klärung dieser Frage bietet Anamaria Depners ethnologische Betrachtung des Umzugsprozesses ins Altenheim. Hierbei überrascht der Umgang mit den eigenen Sachen – nicht zuletzt, weil er mitunter destruktiv ist. Die Analyse der Beobachtungen zum situativen Bedeutungswechsel der Dinge und der Emotionen, die Menschen ihnen entgegenbringen, bilden die Grundlage für eine allgemeine Objekttheorie, die zeigt: Der Mensch-Ding-Beziehung liegt weniger die sogenannte Agency der Dinge zu Grunde als vielmehr ihre physisch-materielle Präsenz.
Die Untersuchung liefert ein empirisch fundiertes, theoretisches Modell für die Material Culture Studies sowie unterschiedliche Anknüpfungspunkte für gerontologische Forschung.


 

Anamaria Depner (Dr. phil.), Kulturanthropologin, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Gerontologie an der Universität Heidelberg.

Homepage:
Anamaria Depner: Uni Heidelberg

»Ein lesenswertes Buch.«
Josefine Heusinger, www.socialnet.de, 23.11.2015
»Ein sehr empfehlenswertes Buch.«
Annette Alberer-Leinen, BDS-Newsletter, 38/2 (2015)
Huffington Post, 13.01.2016, Alexandra Hildebrandt

Ethnologie, Kulturanthropologie, Gerontologie, Soziologie, Philosophie sowie Bewohner_innen und Mitarbeiter_innen von Alterswohneinrichtungen

Print 32,99 €

03/2015, 274 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-2765-7

Artikel-Nr.: 2765

-2765-7: Depner, Dinge in Bewegung

Eine ethnographische Studie über den Umzug ins Altenheim

 

Lieferzeit in der Regel 3-5 Werktage

 
 
 

E-Book 32,99 €

PDF-Download, 2,00 MB
03/2015, 274 Seiten
ISBN 978-3-8394-2765-1

Preise inkl. gesetzlicher MwSt.*

Weitere Titel

Pflegedinge Lucia Artner, Isabel Atzl, Anamaria...
Pflegedinge

Weitere Titel zum Thema

Kultur, Alter

Weitere Titel aus der Reihe

Kultur und soziale Praxis