Autoreninterview

... mit Gregor Schuhen

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Es geht in meinem Band darum, aktuelle Theorien aus dem Bereich der Masculinity Studies auf... >>>
... mit Gregor Schuhen

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Es geht in meinem Band darum, aktuelle Theorien aus dem Bereich der Masculinity Studies auf literarische Klassiker und kulturhistorische Phänomene aus der Zeit um 1900 anzuwenden. Hierbei steht vor allem die Frage im Vordergrund, ob diese Epoche im Bereich der Männlichkeitsinszenierungen tatsächlich so krisenhaft war, wie es oft dargestellt wurde. Viele der Beiträge kommen da zu ganz anderen Ergebnissen, was zu spannenden neuen Erkenntnissen führt.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Die neuen Perspektiven, die angeboten und zur Diskussion gestellt werden, verstehen sich als Ergänzung zur literatur- und kulturwissenschaftlichen Forschung im Bereich der Gender Studies. Für die Zeit um 1900 existiert bereits eine Fülle an Studien zu neuen Weiblichkeitsmodellen (z.B. die ›New Woman‹), während die Untersuchung männlicher Inszenierungsmuster noch unzureichend ist. Dieser Aufgabe sehen sich die Beiträgerinnen und Beiträger verpflichtet.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Wie bereits gesagt, werden vorwiegend literarische Texte auf die Repräsentation von Männlichkeit überprüft. Bei den untersuchten Werken von Marcel Proust, Thomas Hardy oder Benito Pérez Galdós handelt es sich um kanonische Texte der Weltliteratur, an die neue Fragen herangetragen werden, die auch in aktuellen Debatten um das Thema ›Männlichkeit und Krise‹ – man denke etwa an die Studie ›The End of Men‹ (2012) der Journalistin Hanna Rosin – immer noch äußerst kontrovers diskutiert werden.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Ich würde gerne mit Vertretern der Männlichkeitsforschung diskutieren, die aus anderen Disziplinen stammen, z.B. aus Soziologie oder Geschichte. Mich würde interessieren, ob sich die hier formulierten Thesen über die Zeit um 1900 mit sozialhistorischen Forschungen decken. Es wäre spannend zu erfahren, ob sich die Literatur im Einklang mit gesellschaftlichen Entwicklungen befindet oder eher Gegen-Diskurse liefert, die dann möglicherweise wieder einflussreich für den allgemeinen Zeitgeist werden.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Die aktuelle Debatte um die Krisenhaftigkeit von Männlichkeit ist keineswegs so neu, wie man meinen könnte – der vorliegende Band liefert den Beweis. <<<


Gregor Schuhen (Hg.)

Der verfasste Mann

Männlichkeiten in der Literatur und Kultur um 1900

Aus Sicht der Men's Studies gilt der Übergang vom 19. ins 20. Jahrhundert als besonders folgenreiche Umbruchs- bzw. Krisenzeit – die Fin de Siècle-Stimmung machte vor dem Modell hegemonialer Männlichkeit keinen Halt. Die Beiträge des Bandes zeigen: Mit Krisensymptomen wie Homosexualität, Degeneration, Erschöpfung sowie Bedrohung durch neue Frauenbilder ging eine Pluralisierung von Männerbildern einher. Neben dem Homosexuellen betraten der Dandy, der Sportler, der décadent und der Neurastheniker die Bühne der Männlichkeiten. Dabei lassen sich diese Männlichkeitstypen an den Polen von Krise und Resouveränisierung ansiedeln, wie die literarischen und kulturellen Zeugnisse der Zeit zeigen.


 
Autorenbild Schuhen, Gregor;(Hg.)

Gregor Schuhen (Jun.-Prof. Dr.) lehrt romanische und allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Siegen.

Homepage:
Uni Siegen

»Die Analyse von Erzählungen und Bildern über Männlichkeiten mit theoretischen Bezügen zu Butler und Connell – dies zeigt der Band deutlich – führen zu spannenden Ergebnissen und bereichern die Diskussion innerhalb der Disziplinen.«
Martin Spetsmann-Kunkel, GENDER, 2 (2016)
»Gregor Schuhens Band bietet ein breites Angebot an Souvenirs, die zum einen eine Wiederbegegnung mit kanonischen Autoren erlauben.
Zum anderen bieten die genannten Erinnerungen eine Weiterbeschäftigung mit dem vorgestellten Material.«
Frank Reza Links, Romanische Forschungen, 127 (2015)
»Bereichernde und anregende Lektüren über historische Zusammenhänge vor dem Hintergrund eines brandaktuellen Theoriefeldes.«
Markus Alexander Lenz, Romanische Studien, 2 (2015)
»Ein spannendes Panorama der Männlichkeitskrisen um 1900, die dem Verständnis für diese Umbruchszeit eine lohnenswerte Dimension hinzufügen.«
Melanie Grundmann, http://dandysme.eu, 07.08.2014

Literaturwissenschaft, Gender Studies, Men's Studies, Kulturwissenschaft sowie die interessierte Öffentlichkeit

Print 34,99 €

06/2014, 324 Seiten, kart., zahlr. Abb.
ISBN 978-3-8376-2793-0

Artikel-Nr.: 2793

-2793-0: Schuhen (Hg.), Der verfasste Mann

Männlichkeiten in der Literatur und Kultur um 1900

 

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06/2014, 324 Seiten
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